«Bei uns kann jeder mitmachen»

Heute in einer Woche ist Sechseläuten. Anthony Welbergen, höchster Zürcher Jungzünfter, wehrt sich gegen «veraltete» Zunftklischees.

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Herr Welbergen auf der Website der Interjungzünftigen Vereinigung (IZV) heisst es: «In einer Zeit, in der die zünftigen Gebräuche nicht unumstritten sind, vermögen junge Gesellen die zementierten Vorurteile zu durchschlagen.»
Eigentlich ist es nicht unsere Aufgabe, eine Imagekorrektur des Zunftwesens vorzunehmen. Bei uns kann jeder mitmachen, an unseren Anlässen sind auch immer Frauen dabei.

Ein Vorurteil lautet: In eine Zunft schafft es nur, wer aus der richtigen Familie kommt.
Zum Filz-Klischee kann ich sagen, dass ich nicht über meine Eltern in die Zunft gekommen bin, sondern über Freunde. Diese haben mich mitgenommen, und es hat mir Freude gemacht. So wurde ich Geselle in der Zunft zu Schneidern.

Wie stehen Sie zu den «zünftigen Gebräuchen»?
Ich finde es wichtig, Traditionen weiterzuleben. Viele Junge sehen das genauso, über mangelnden Nachwuchs kann sich die IZV nicht beklagen. Ich bin in Zürich aufgewachsen, habe hier mein ganzes Leben verbracht. Das Zunftwesen gehört zur Stadt wie der See.

Ein weiteres Klischee heisst: Zünfte sind nur für Reiche. So kostet ein Zunftkleid bis zu 5000 Franken. Wie soll sich ein Lehrling das leisten?
Ich kann nur für die Schneidern-Zunft sprechen, wo ich Geselle bin. Bei uns kann man sich als Jungzünfter ein Kostüm für 40 Franken im Jahr mieten. Der Gesellenbeitrag beläuft sich auf 30 Franken im Jahr, ein ebenfalls vernünftiger Betrag. Zudem kann die IZV dank Spenden die Anlässe für die Jungen subventionieren und so eine Teilnahme auch für kleinere Budgets ermöglichen.

Was genau macht die IZV?
Die IZV fördert den zünftigen Nachwuchs und bietet eine zunftübergreifende Plattform für engagierte Junge. Das Junggesellenwesen, also die Zeit, bevor man echtes Mitglied der Zunft wird, hat sich erst vor etwa 30 Jahren entwickelt. Daraus ist vor etwas mehr als 20 Jahren die IZV hervorgegangen.

Ab welchem Alter und bis wann ist man Jungzünfter?
Dies unterscheidet sich von Zunft zu Zunft. In der Regel kann man ab 16 Jahren bei den jeweiligen Gesellengruppen mitmachen und tritt vor 30 in die Reihen der richtigen Zünfter ein.

Wieso sollte ein Zunft-Geselle beim IZV mitmachen?
Jungzünfter, die sich früh in der IZV engagieren, zeichnen sich später durch ihre grosse Freude am Zunftwesen aus und sind vielleicht auch besser darauf vorbereitet, ein Amt angemessen auszuüben. Bei mir ist es so, dass ich gerne organisiere. Ich war bereits vier Jahre Obmann der Gesellen der Schneidern-Zunft. Es geht aber auch um Freundschaft und Geselligkeit. Meine besten Freunde sind in der IZV dabei. Man kann mit Gleichgesinnten etwas unternehmen. Es gibt tolle Sachen wie ein Eishockey-Turnier, das traditionelle Nach-Sächsilüüte oder der «Saubanner»-Umzug am Sächsilüüte. Kürzlich schauten wir uns gemeinsam eine Werft an.

Treffen Sie sich in einem Vereinslokal?
Nein, ein Vereinslokal haben wir nicht. Wir treffen uns aber zusammen mit den Zünfterstöchtern am ersten Donnerstag im Monat zum Stamm im Restaurant Turm. Das passiert jeweils unkompliziert und ohne Anmeldung.

Mit Anthony Welbergen sprach Mario Wittenwiler

Erstellt: 11.04.2010, 20:08 Uhr

«Freundschaft und Geselligkeit»: Anthony Welbergen. (Doris Fanconi)

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