Schweizerische Unfalluntersuchungsstelle

Beinahe-Crash: Untersuchung dauert ein Jahr

Einmal pro Jahr kommt es in Zürich durchschnittlich zu einem schweren Vorfall. Der Schlussbericht zum Beinahe-Crash vom 22. März wird wohl erst 2014 vorliegen.

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Schwere Vorfälle wie jener vom 22. März, als zwei Flugzeuge der Swiss sich über Zürich gefährlich nahe kamen (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete), sind selten. Laut Florian Reitz, dem verantwortlichen Untersuchungsleiter des Zwischenfalls, hat es am Flughafen Zürich in den letzten zehn Jahren gegen ein Dutzend solche Fälle gegeben; im Durchschnitt also rund anderthalb Fälle pro Jahr. Zum aktuellen schweren Vorfall will er sich nicht äussern. Man sei noch am Anfang der Untersuchung. Er schätzt, dass es bis zum Schlussbericht rund ein Jahr dauern wird. «Wir machen Einvernahmen mit den betroffenen Flugzeugbesatzungen und der Skyguide.»

Bereits am 15. März 2011 ist es zu einem ähnlich schweren Vorfall wie am 22. März 2013 gekommen. Damals stiessen zwei startende Maschinen beinahe zusammen. Im 75-seitigen Untersuchungsbericht der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (Sust) wurde in einem speziellen Kapitel auf die Komplexität des Flughafens Zürich eingegangen. Dabei wurde Zürich mit den ähnlichen Flughäfen Amsterdam, Hamburg, Kopenhagen und Wien verglichen:

  • Der Flughafen Zürich hat die meisten Kreuzungspunkte zwischen An-, Abflug- und Durchstartverfahren. Solche Kreuzungspunkte sind nicht per se gefährlich, erhöhen aber den Überwachungsaufwand der Flugsicherung.
  • In Zürich kommt es mit Abstand am häufigsten zu Abflügen von zwei sich kreuzenden Pisten. Ein solches Konzept ist deutlich anspruchsvoller als parallele Pisten und enthält ein Konfliktpotenzial, wenn zwei Flugzeuge gleichzeitig in Startposition sind.
  • Es fällt auf, dass bei der Flugsicherung Skyguide für ebendieses Szenario mit Abflügen von sich kreuzenden Pisten keine klaren und eindeutigen Verfahrensvorgaben existieren, hiess es im Sust-Bericht. Die von Skyguide vorgebrachte Begründung, es sei nicht möglich oder sinnvoll, vermöge nicht zu überzeugen. Andere Flugsicherungsunternehmen hätten solche Verfahren schon seit langem etabliert.
  • Mit Blick auf die Führung von An- und Abflugrouten fällt auf, so die Sust, dass im Gegensatz zu den verglichenen Flughäfen in Zürich die Flugwege wesentlich gebündelter verlaufen und eine frühzeitige Entflechtung der Abflugwege nicht vorgenommen wird. Durch diese Führung der An- und Abflugrouten wird erreicht, dass im Gegensatz zu den Vergleichsflughäfen das flughafennahe Stadtgebiet kaum überflogen wird. Im Jahr 2010 machte dieser Verkehr, der in Flughafennähe umgelenkt wurde, mehr als ein Drittel aller Startbewegungen aus. Die Vorteile bezüglich Lärmbelastung der weiteren Umgebung werden allerdings durch eine höhere Komplexität für die Flugverkehrsleitung erkauft.

Erstellt: 27.04.2013, 07:46 Uhr

Im Flugraum über Zürich kreuzen sich Maschinen häufiger als an anderen vergleichbaren Flughäfen. (Bild: Keystone )

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