«Bergab mit dem Velo, hoch mit dem Tram»

Zürichs Hügel könnten den Erfolg des automatischen Fahrradverleihs gefährden, sagt Dave Durner, Geschäftsführer von Pro Velo.

Werden die Zürcher den Veloverleih der Stadt nutzen? Velofahrerin im Seilergraben. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Werden die Zürcher den Veloverleih der Stadt nutzen? Velofahrerin im Seilergraben. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

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Der Stadtrat will 2016 den flächendeckenden Fahrradverleih «Züri Velo» in Betrieb nehmen. Eine gute Nachricht für die Velolobby?
Pro Velo begrüsst grundsätzlich die Einführung eines automatischen Verleihs. Wir sehen darin eine gut funktionierende Marketingmassnahme für das Velofahren. Es ist gut, dass die Stadt den Betrieb des Verleihs einem privaten Dienstleister übertragen will.

Der bisherige Gratisverleih wird auch von der Stadt finanziert. Warum soll nicht die Stadt selber einen solchen Verleih anbieten?
Es ist nicht Sache des Staats, einen Veloverleih zu betreiben. Diese Dienstleistung soll nicht zulasten der Steuerzahler gehen. So bleibt mehr Geld für den Ausbau der Veloinfrastruktur.

Müsste diese nicht ausgebaut werden, bevor überhaupt ein Verleih organisiert wird?
Im Gegenteil: Der Verleih wird den Druck auf die Stadt erhöhen, eine gute Infrastruktur zur Verfügung zu stellen.

Der Gratisverleih «Züri rollt» wird eingestellt. Ein Verlust?
«Züri rollt» ist in erster Linie ein Sozialprojekt. Deshalb ist es vor allem sozialpolitisch bedauerlich, dass es eingestellt wird. «Züri rollt» könnte durchaus neben einem automatischen Verleih weiter existieren, denn diese Dienstleistung richtet sich vor allem an Touristen, während «Züri Velo» eher auf Einheimische zugeschnitten ist.

Gemäss dem Projektkonzept sollen aber auch Touristen «Züri Velo» benutzen.
Ich habe meine Zweifel, ob das funktioniert. Für den automatischen Verleih müssen sich die Nutzer registrieren. Zudem brauchen sie eine Chipkarte oder ein Smartphone mit einer speziellen App, um die Velos aufzuschliessen. Das könnten für Touristen zu viele Hürden sein. Bei «Züri rollt» muss man nur einen Ausweis und ein Depot hinterlegen.

Glauben Sie an den Erfolg von «Züri Velo»? Hat nicht jeder, der Velo fahren will, ein eigenes Rad?
Dass fast jeder ein Velo hat, stimmt schon. Aber viele lassen es trotzdem ungenutzt im Keller stehen. Ich bin überzeugt, dass das Projekt Potenzial hat. Es geht ja darum, dass die Leute verschiedene Verkehrsmittel kombinieren. Jemand kommt zum Beispiel mit dem Zug in die Stadt und sieht, dass er eine bestimmte Strecke schneller mit einem Leihrad zurücklegen kann als mit dem Tram. Bedenken habe ich höchstens, dass die Leute nur von den höher gelegenen Punkten ins Stadtzentrum runterfahren und für den Weg nach oben das Tram benützen. Die Velos müssten dann mit Lastwagen wieder hochtransportiert werden. Das wäre natürlich nicht der Sinn der Sache.

Wovon hängt der Erfolg des Verleihs ab?
In erster Linie muss das System für den Nutzer einfach sein. Zudem braucht es ein engmaschiges Netz an Velostationen.

In der ersten Phase des Betriebs gibt es weder im Seefeld noch in Wollishofen oder Höngg eine Station. Ein Fehler?
Ich verstehe, dass die Stadt das Projekt anfänglich räumlich beschränken will. So können erste Erfahrungen gesammelt werden. Später sollte das Netz bis nach Kloten und ins Limmattal erweitert werden. Der urbane Raum hört nicht an der Stadtgrenze auf.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.11.2014, 10:54 Uhr

Das Ende von «Züri rollt» könnte ein Neuanfang sein

Der Gratisverleih «Züri rollt» soll eingestellt werden, sobald der neue Verleih «Züri Velo» betriebsbereit ist. «Züri rollt» gibt es seit 1994. Der Verleih unterhält gegenwärtig sieben Standorte mit insgesamt 280 Fahrrädern. Die Ausleihstationen sind jeweils von April bis Oktober in Betrieb – mit Ausnahme der zwei Velostationen im Hauptbahnhof, die ganzjährig geöffnet sind. Das Angebot ist äusserst beliebt: Im Jahr 2014 sind bereits über 50'000 Räder ausgeliehen worden. Vor zehn Jahren waren es nur halb so viele.

«Züri rollt» ist ein Sozialprojekt der Asylorganisation Zürich (AOZ). Es bietet Asylsuchenden und aufgenommenen Flüchtlingen eine Beschäftigungsmöglichkeit. In der eigenen Velowerkstatt arbeiten qualifizierte Fachleute. 2014 waren rund 100 Personen bei dem Projekt beschäftigt.

AOZ möglicherweise beteiligt an «Züri Velo»

Die Einstellung des Gratisverleihs sei nicht gleichzusetzen mit dem Ende des Integrationsprojekts, betont AOZ-Direktor Thomas Kunz: «Die Stationen beim Hauptbahnhof bleiben bestehen. Zudem nehmen unsere Mitarbeiter auch andere Aufgaben wie die Wartung von Dienstvelos in der Stadtverwaltung und die Bewirtschaftung von Veloparkplätzen wahr.» Wie viele Asylbewerber dann in dem Projekt noch eine Beschäftigung finden, kann Kunz nicht sagen. Ein Teil der Stellen gehe sicherlich verloren.

Möglicherweise wird aus dem Ende auch ein Neuanfang unter anderem Namen. Wie gut unterrichtete Kreise wissen, bewirbt sich die AOZ zusammen mit einem Partner bei der Stadt für den Betrieb des Veloverleihs «Züri Velo». Dem Vernehmen nach wären die Mitarbeitenden von «Züri rollt» für den Unterhalt der Fahrräder verantwortlich, während die Partnerorganisation die technische Infrastruktur bereitstellen würde. Kunz will das Gerücht nicht bestätigen. Er sagt nur so viel: «Für die AOZ ist eine Mitarbeit bei «Züri Velo» nur dann sinnvoll, wenn weiterhin Asylbewerber beschäftigt werden können.»

(ham)

Dave Durner ist Geschäftsführer der Lobbyorganisation Pro Velo Kanton Zürich. Foto: PD

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