Besetzer demonstrierten in Altstetten

In der vergangenen Nacht trafen sich Aktivisten auf dem Labitzke-Areal zu einer Kundgebung. Sie protestieren gegen den «Abriss auf Vorrat»: Die Eigentümerin Mobimo hat noch immer keine Baubewilligung.

Vorweihnachtliche Protestaktion auf dem Labitzke-Areal: Aktivisten protestieren gegen den «Abriss auf Vorrat».

Vorweihnachtliche Protestaktion auf dem Labitzke-Areal: Aktivisten protestieren gegen den «Abriss auf Vorrat». Bild: Labitzke-areal.ch

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«Stille Nacht auf dem Labitzke-Areal» – unter diesem Titel informierten ehemalige Bewohner der Brache die Medien über eine Aktion in der Nacht auf heute Dienstag. Mit einem Weihnachtsbuffet, Musik, einem brennenden Holztannenbaum und Feuerwerk haben die Aktivisten «den Leermond vor Weihnachten» auf der Brache in Zürich Altstetten gefeiert, heisst es in der Mitteilung.

Gleichzeitig machen die Ex-Bewohner darauf aufmerksam, dass die Baubewilligung für das Neubauprojekt auf der Brache noch immer nicht vorliege. Die Eigentümerin Mobimo AG, die auf dem Gelände eine Überbauung mit rund 280 Wohnungen realisieren will, und die Stadt Zürich hätten versprochen, keinen Abriss auf Vorrat zu betreiben. «Das ist offensichtlich eine Lüge, wie ein Augenschein vor Ort beweist», kritisieren die Besetzer.

Warten auf die Baubewilligung

Tatsächlich wartet man bei der Mobimo noch immer auf die Baubewilligung, wie Mediensprecherin Christine Hug auf Anfrage sagt. Die Stadt Zürich habe sie auf den Herbst dieses Jahres versprochen. «Wir rechnen aber damit, dass sie in den kommenden Tagen bei uns eingehen wird. Das Baugesuch wurde bereits vor einem halben Jahr bei der Stadt eingereicht.»

Gemäss Urs Spinner, Departementssekretär im Hochbaudepartement der Stadt Zürich, ist die Baubewilligung vor einer Woche erteilt worden und per Post unterwegs zu Mobimo. Nun läuft die 30 tägige Rekursfrist. Es seien allerdings nur maximal zehn Parteien rekursberechtigt, sagt Spinner. Ob diese von ihrem Recht Gebrauch machen werden, weiss man spätestens Ende Januar 2015.

Abbruch wegen Altlasten

Die rechtlich notwendigen Bewilligungen für den Abbruch der bestehenden Bauten besitzt Mobimo laut Mediensprecherin Hug bereits jetzt. Man sei den Besetzern jedoch entgegengekommen, indem man sie ein halbes Jahr länger auf dem Areal wohnen liess. «Inzwischen musste mit dem Abbruch begonnen werden, weil sich auf dem Areal viele Altlasten im Boden und in den Gebäuden befinden, die relativ zeitaufwendig fachgerecht entsorgt werden müssen.»

Auch diese Aussage bezeichnen die Labitzke-Aktivisten als Lüge. Das Argument der Altlastensanierung diene der Stadt und der Eigentümerin lediglich als Vorwand für den Abriss auf Vorrat. Sie fordern mehr Freiraum und selbstverwaltete Zonen in der Stadt.

Aktion ohne Ausschreitungen

Die vorweihnachtliche Aktion verlief trotz allem Protest friedlich. Laut Angaben der Veranstalter nahmen rund 150 Personen daran teil. Die Stadtpolizei geht in einer Mitteilung von heute Dienstag allerdings nur von 30 Teilnehmern aus.

Gegen 20.30 Uhr rückten die Beamten zum Labitzke-Areal aus, riegelten die Brache ab und forderten die Besetzer dazu auf, das Gelände bis 23 Uhr zu verlassen. Einige Besetzer hätten daraufhin die Polizisten mit Steinen beworfen, worauf es zu «einem kurzen Einsatz von Gummischrot und Reizstoffspray» kam, heisst es in der Mitteilung weiter. Danach habe sich die Situation wieder beruhigt.

Ein Polizist hat durch einen Steinwurf leichte Verletzungen erlitten. Zudem wurde eine 29-jährige Frau festgenommen, die über die Umzäunung klettern wollte. Wie sich herausstellte, war sie zur Verhaftung ausgeschrieben. Kurz vor 23 Uhr verliessen die Besetzer das Areal wieder.

Erstellt: 23.12.2014, 12:28 Uhr

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