Nervous-Bar

Betreiber der Nervous-Bar verletzen Schweigepflicht

Jens Gloor und sein Freund Carlos Garotta haben vom Stadtrat Zürich einen sechsstelligen Betrag erhalten – und kritisieren die Stadt von Brasilien aus.

600 Kommentare innert weniger Stunden: Der ehemalige Betreiber der Nervous-Bar Jens Gloor (rechts, mit Freund Carlos Garotta).<br>
Bild: Archiv TA

600 Kommentare innert weniger Stunden: Der ehemalige Betreiber der Nervous-Bar Jens Gloor (rechts, mit Freund Carlos Garotta).
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Die ehemaligen Betreiber der Nervous-Bar haben sich im Juli 2011 aussergerichtlich mit der Stadt Zürich über eine Entschädigung geeinigt und Stillschweigen über die Höhe der Abfindung vereinbart. Dies war der vermeintliche Schlusspunkt eines nervenaufreibenden Konflikts. Die beiden Männer hatten fast drei Jahre lang mit dem Stadtrat gestritten, weil sie ihr Lokal in Wiedikon wegen eines Behördenfehlers hatten schliessen müssen. Seither leben sie in Brasilien, dem Heimatland von Garotta.

Doch nun bricht Jens Gloor das Schweigen, das er mit der Stadt vereinbart hat. Auf seinem Blog schreibt er: «In eigener Sache: Nachdem den Zürcher Behörden unwiderlegbare Beweise für einen kriminellen Übergriff auf uns nachgewiesen werden konnten, floss aussergerichtlich ein sechsstelliger Betrag, damit wir Geschädigte die Klappe zu den intern festgestellten, kriminellen Zuständen bei der Stadt Zürich halten. Mittlerweile haben wir uns klar gegen Staatskriminalität entschieden, der wir nicht weiter zur bezahlten Vertuschung zu verhelfen gedenken!»

Mindestens 100'000 Franken

Somit wird klar: Zürich hat den zwei Bar-Betreibern mindestens 100'000 Franken bezahlt. Bei der Stadt will man Gloors Aussagen nicht kommentieren. Wie eine Sprecherin des Hochbaudepartements auf Anfrage sagt, halte man sich an die Abmachung und äussere sich nicht über den bezahlten Betrag.

Dass Gloor jetzt an die Öffentlichkeit gelangt, hat mit der Nervous-Bar nichts zu tun. Man sei von Politnetz.ch dazu motiviert worden, schreibt er in seinem Blog. Die Internetplattform habe die Meinungsfreiheit beschränkt. Die populäre Politplattform, auf der auch viele nationale und kantonale Mandatsträger sich zu aktuellen Themen äussern, hat Gloors Beiträge am Freitag gelöscht. Das Politnetz-Team schreibt, dass Jens Gloor zuvor aufgrund mehrerer Beschwerden zweimal verwarnt worden sei. Gloor hatte unter anderem in einem Bericht unter dem Titel «Zionismus – Ursache und Wirkung» antisemitische und verschwörungstheoretische Aussagen gemacht. Auf die Entfernung seiner Beiträge reagierte Gloor in bekannter Manier mit einer Flut von über 600 Kommentaren innerhalb weniger Stunden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.08.2012, 07:45 Uhr

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