Bett und Badewanne mit Aussicht auf den HB

Marmor im Bad, Olivenbaumholz im Gang, Cheminée im Wohnzimmer: Die Wohnungen im neuesten Haus an der Europaallee sind edel ausgestattet. Vor allem in den obersten Stockwerken.

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Die Mietwohnungen in den obersten Stockwerken im neuesten Gebäude an der Europaallee sind ausgestattet wie Eigentumswohnungen. Im Wohnzimmer steht ein grosses Cheminée, die Bäder sind mit Marmor ausgelegt, und von der Badewanne aus kann man den Blick in die Ferne schweifen lassen: Man hat Aussicht auf den Hauptbahnhof und die ganze Stadt.

Entworfen haben das Gebäude zwei befreundete Architekturbüros: Bosshard Vaquer Architekten aus Zürich und Caruso St John Architects mit Sitz in London, die einen Architekturwettbewerb der SBB für sich entscheiden konnten. Der Bau ist unterteilt in einen fünfstöckigen Sockelbau mit Läden im Ergeschoss und Büros darüber sowie zwei Wohntürme mit insgesamt 64 Wohnungen. Zwischen den Türmen wird auf dem Dach des Sockelbaus ein für die Bewohner und Büromieter zugänglicher Blumengarten angelegt.

Inspiriert von Talacker und Bahnhofstrasse

Die beiden Architekturbüros haben das Haus spezifisch für Zürich entwickelt und sich dabei von bestehenden Bauten in der Stadt inspirieren lassen. Die Fassade lehnt sich an Häuserfronten am Talacker aus den 1940er- bis 1960er-Jahren an. Heller Kunststein, der unterschiedlich behandelt ist und an Sandstein erinnert, und grüner Kunststein, der wie Marmor wirkt, wechseln sich ab und geben der Fassade Tiefe. Vielschichtig sei sie, sagt Architekt Daniel Bosshard, und auf den ersten Blick vielleicht etwas unbequem fürs Auge. Dafür bleibe sie auf Dauer haften.

Der Sockelbau ist gleich hoch wie die bestehenden Gebäude im Kreis 4. «So entsteht der Bezug zur jetzigen Stadt», sagt Bosshard. Gewohnt wird dann über den Dächern, was Aussicht garantiert und neue Fixpunkte setzt. Speziell für Hochhäuser, zu denen die beiden Wohntürme von 43 und 49 Meter Höhe gezählt werden, sind die Schrägdächer aus Kupfer. Sie sind inspiriert von der kantonalen Verwaltung am Walcheplatz und von mehreren Geschäftshäusern an der Bahnhofstrasse. In ihnen verstecken sich zwei Kräne, die zur Fensterreinigung gebraucht werden.

Olivenholz im Gang

Weil im Haus Miet- und nicht Eigentumswohnungen entstanden sind, waren die Architekten auch für den Innenausbau verantwortlich. Ein ungewohntes Material entdeckt bereits, wer aus dem Lift tritt: Die Wände in den Hausfluren sind mit Olivenholzfurnier ausgekleidet. Damit die Brandpolizei das Holz in den Fluchtwegen bewilligte, durfte das Furnier nur 0,6 Millimeter dick sein.

Die Wohnungen selbst sind unterschiedlich ausgestattet. In den unteren Stockwerken befinden sich 24 sogenannte Business-Appartements, die eine Raumhöhe von 2,50 Meter haben und nicht über frei stehende Badewannen oder Cheminées verfügen. Die 2½- bis 3½-Zimmer-Wohnungen sind zwischen 70 und 100 Quadratmeter gross und kosten zwischen 2500 und 3000 Franken Miete pro Monat.

Angebot für WGs

Daneben gibt es 16 speziell für Wohngemeinschaften entwickelte Appartements mit 105 bis 137 Quadratmetern Fläche. Sie richten sich von Preislage und Standard her aber kaum an Studenten: Fast jedes Zimmer hat ein eigenes Bad, eine 4½-Zimmer-Wohnung kostet um die 5000 Franken.

In den obersten beiden Stockwerken der zwei Türme sind 24 «Individualisten-Wohnungen» anlegt, wie sie von den Marketing-Verantwortlichen von SBB und Verit genannt werden. Die teuerste von ihnen kostet 5900 Franken im Monat, ist 135 Quadratmeter gross und hat eine von drei bis vier Meter variierende Raumhöhe.

51 von 64 Wohnungen sind vermietet

51 der 64 Wohnungen sind vermietet, drei weitere sind reserviert. «Das ist eine gute Quote für die heutige Zeit, in der es teurere Wohnungen im Markt eher schwerer haben als auch schon», sagt Mathias Guillén von der Verit, der für die Vermietung zuständig ist. Einige Mieter sind bereits eingezogen.

Im Erdgeschoss des Gebäudes sind Läden eingemietet, darunter ein Schuhmacher. Die SBB verlangen dort Mieten unter dem ortsüblichen Tarif, um die Vielfalt zu fördern und die Europaallee zu beleben, sagt SBB-Gesamtprojektleiter Andreas Steiger. An der Ecke des neuen Hauses Richtung Kanonengasse eröffnet am 31. Januar eine Bar. Geführt wird sie von Gregory Schmid, der am Club Alte Börse beteiligt war. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.12.2013, 12:07 Uhr

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