Billiger wäre der logische Schritt

Das Gejammer über halb leere Velostationen untergräbt die Logik der Klimapolitik.

Oberirdische Gratisplätze für Velos sind stets überfüllt. Schuld daran sind aber nicht die Velofahrer. Foto: Keystone

Oberirdische Gratisplätze für Velos sind stets überfüllt. Schuld daran sind aber nicht die Velofahrer. Foto: Keystone

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Zürich baut Parkplätze ab und Velo­stationen auf. Das ist, zumindest in der Stadt, breit abgestützte Politik; dazu gemacht, dereinst weniger Autos, mehr Platz und bessere Luft in der Innenstadt zu haben. Tönt logisch. Dennoch wird jetzt darüber gejammert, dass die kostenpflichtigen und unterirdischen Velostationen zu wenig genutzt werden, während oberirdische Gratisplätze chronisch überfüllt sind.

Schuld seien die Velofahrenden. Zu geizig, um ihren Abstellbedarf wenigstens kostenneutral zu berappen, zu faul, um ihr Gefährt in einer Tiefgarage zu versorgen und von dort wieder hochzusteigen. Mit Verlaub: So haben viele Wählende nicht gewettet, als sie sich auf die von Parlament und Behörden aufgegleiste Verkehrspolitik eingelassen haben.

Weniger Autos bedeuten, dass immer mehr Raum für bequem zugängliche Veloparkplätze entsteht. 

Sie wetten vielmehr darauf, dass deren Logik aufgeht. Erstens: Wenn die Behörden es den Pendelnden möglichst bequem und billig machen, werden sie das Auto häufiger zu Hause lassen. Ein ausbleibendes Auto schafft Platz für ein halbes Dutzend Fahrräder oder E-Bikes. Weniger Autos bedeuten also zweitens, dass mit der Zeit immer mehr Raum für bequem zugängliche Veloparkplätze entsteht. Und mehr parkierte Velos bringen drittens mehr Einnahmen in die Stadtkasse, mit denen noch mehr Veloabstellplätze billiger angeboten werden können.

Dann gewinnen alle: Velofahrende – per se alles andere als faul unterwegs – dürfen beim Parkieren ruhig etwas bequem und beim Bezahlen etwas knickerig bleiben. Weniger Platz für Autos bedeutet ausserdem mehr Platz für Lastenvelos. Mit denen liessen sich auch jene Schnäppchen transportieren, welche die Ladenbesitzer angeblich nicht mehr an die Autolenker verkaufen können, weil diese keine Parkplätze mehr finden.

Kann gut sein, dass dann alle zufriedener sind als heute. Etwa so wie in Basel. Dort bezahlt man für einen Abstellplatz ein Drittel weniger als in Zürich. Die Auslastung ist höher als in Zürich. Wenn der Autoverkehr in die Innenstädte in den kommenden Jahren nicht abnimmt, dann ist nicht an der Logik der Verkehrspolitik, sondern am gesunden Menschenverstand der Autopendler zu zweifeln.

Erstellt: 02.12.2019, 21:31 Uhr

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