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Blech für Velo und Pendler

An Schweizer Bahnhöfen sind Tausende neue Veloparkplätze mit Ständern aus Blech vorgesehen. Bei der Hardbrücke ist das Modell schon installiert. Pendler reagieren unterschiedlich – doch ein Problem haben alle.

Stossen nicht nur auf Gegenliebe: Die Veloständer auf der Hardbrücke.
Video: Lorenz von Meiss

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An kleinen und mittleren Bahnhöfen in der Schweiz kommen in den nächsten Jahren rund 15'000 neue Veloparkplätze zu stehen (wir berichteten). Die meisten Abstellplätze werden mit einer Metallvorrichtung gebaut, die das Velo besser vor Diebstahl schützen soll. So wird es via Führungsschiene stabilisiert, während der Rahmen an einer Metallscheibe mit Loch angekettet wird.

Veloständer dieser Machart sind auch am Bahnhof Hardbrücke montiert. Tagesanzeiger.ch/Newsnet fragte velofahrende Pendler, wie sie mit den Installationen zurechtkommen (siehe oben). Zwar wird die grössere Diebstahlsicherheit gelobt, ebenso der gute Halt der Velos in den Abstellplätzen. Doch mit der Benutzerfreundlichkeit hapert es etwas. So passen etwa die Pedale von Mountainbikes nicht in die vorgesehenen Metallschlitze.

Ob begeistert oder nicht: Alle Velofahrer haben dasselbe Problem. Sie bemängeln die bescheidene Anzahl Veloparkplätze. Deswegen müssen viele Pendler ihre Velos am Brückenrand abstellen und hoffen, es bei der Rückkehr wieder vorzufinden.

Mehr Velostationen statt mehr Rendite

Am prekärsten ist die Situation ausgerechnet rund um den grössten Bahnhof der Schweiz. Die Anzahl Veloparkplätze um den Hauptbahnhof Zürich wird seit Jahren kritisiert – und zwar überall auf dem Bahnhofsgebiet, wie Dave Durner, Geschäftsführer von Pro Velo Kanton Zürich, auf Anfrage sagt. «Ich habe den Eindruck, dass dies den SBB völlig egal ist. Sie managen in erster Linie ein Einkaufszentrum mit einigen Gleisen dazu, der Rest spielt für sie keine Rolle.» Das zeige sich etwa bei den Umbauten: Die Geschäfte seien in dieser Zeit stets geöffnet, aber für Velos gebe es kein gutes Provisorium. Durner ist der Ansicht, dass man die Bauarbeiten am HB wenigstens so planen könnte, dass die Veloinfrastruktur nicht zu sehr darunter leide.

Der Geschäftsführer von Pro Velo Kanton Zürich versteht zwar, dass die SBB unter Druck stehen, immer mehr Ertrag zu erwirtschaften. «Sie könnten aber auch auf einen Teil der Rendite verzichten und anstelle eines weiteren Kiosks eine zusätzliche Velostation errichten.» Die Leute, die mit dem Velo an den HB fahren, seien ja auch Kunden für die Läden. Positiv sei, dass bei der Velostation Süd bei der Sihlpost 2000 Abstellplätze geplant seien sowie rund 1400 im künftigen Stadttunnel. Laut Durner bräuchte es solche jedoch an noch mehr Orten rund um den Hauptbahnhof sowie dort, wo der Nutzungsdruck hoch sei: etwa am Stadelhofen, in Oerlikon und in Altstetten. «Immerhin handhaben die SBB die Velosituation sehr gut bei den kleinen und mittelgrossen Bahnhöfen», freut sich Durner.

«Wir werden am Hauptbahnhof künftig ein tolles Angebot haben»

Die Velosituation ist jedoch nicht allein das Problem der SBB. Die Stadt Zürich spielt hier ebenfalls eine zentrale Rolle. «Für Veloabstellplätze an Bahnhöfen – inklusive Projektierung und Finanzierung – ist die Standortgemeinde zuständig», sagt Urs Walter, Leiter der Fachstelle Fuss- und Veloverkehr der Stadt Zürich, auf Anfrage. «Die SBB waren bisher jedoch grosszügig, wenn es darum ging, an Stadtzürcher Bahnhöfen Flächen für Velos zur Verfügung zu stellen.» Die Initiative, Veloabstellplätze zu bauen, komme von beiden Seiten, so Walter. Auf SBB-Flächen werde auch gemeinsam projektiert.

Die aktuelle Situation der Veloparkplätze am Hauptbahnhof Zürich beurteilt der Leiter der Velofachstelle als «nicht optimal». Baustellenbedingt stünden derzeit nur rund 1500 Plätze zur Verfügung. «Immerhin konnten wir die Lage etwas entschärfen durch die 200 neuen Veloabstellplätze an der Zollstrasse.» Wenn jeweils mögliche Flächen am HB frei würden, kläre die Stadt Zürich ab, ob dort neue Veloparkplätze gebaut werden könnten.

Ideal wären laut Walter zum jetzigen Zeitpunkt rund 2500 Veloabstellplätze. Wenn man in die Zukunft blickt – Stichwort Durchmesserlinie –, wären es gegen 5000. Diesem Bedürfnis will die Stadt Zürich nachkommen: Mit der geplanten Velostation Süd, die nach Eröffnung der Durchmesserlinie und nach Schliessung des Bahnhofs Sihlpost gebaut wird, sollen rund 2000 Plätze entstehen. Wahrscheinlich werden Doppelstockanlagen zu Einsatz kommen, wie das in der heutigen provisorischen Velostation Süd schon der Fall ist. Im künftigen Stadttunnel sollen 1500 bis 2000 weitere Plätze hinzukommen, deren Bauart noch nicht bestimmt ist. «Wenn all die geplanten Veloparkplätze erstellt worden sind, werden wir am Hauptbahnhof ein tolles Angebot haben», ist Walter überzeugt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.04.2013, 14:34 Uhr

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