Blühendes Mahnmal am Pfauen

Vor knapp drei Jahren ist ein Velofahrer bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen – und noch immer stehen Blumen am Unfallort.

Obwohl von vielen Autos, Trams und Velos frequentiert, ist der Pfauen kein Unfallschwerpunkt. (Bild: Stefan Hohler)

Obwohl von vielen Autos, Trams und Velos frequentiert, ist der Pfauen kein Unfallschwerpunkt. (Bild: Stefan Hohler)

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Sie sind nicht zu übersehen, die Blumentöpfe bei der Verkehrsinsel an der Kreuzung Hottinger-/Rämistrasse beim Schauspielhaus. Inmitten von Tramschienen, Fussgängerstreifen und viel Grau blüht es unentwegt, weil es hier am 16. Februar 2017 zu einem tragischen Verkehrsunfall gekommen war. Dabei verlor ein Mann mittleren Alters sein Leben, wie die Zürcher Stadtpolizei damals in einer Medienmitteilung schrieb.

Ein Lastwagen war an diesem Nachmittag durch die Hottingerstrasse in Richtung Heimplatz gefahren und wollte dort nach links in die Rämistrasse abbiegen. Aus bisher nicht bekannten Gründen prallte er im Kreuzungsbereich mit einem Velofahrer zusammen. Der Mann stürzte und erlitt so schwere Verletzungen, dass er noch auf der Unfallstelle verstarb. Beim Toten handelt es sich um einen Arzt aus dem Kinderspital. Er hatte als Oberarzt auf der Notfallstation gearbeitet. Der 41-Jährige hinterliess eine Frau und zwei Kinder.

Parallelen zu Unfall an Bahnhofquai-Unterführung

Seit jenem tragischen Vorfall erinnern bei der Verkehrsinsel immer Blumen an den Unfall. Es sind nicht Sträusse in Vasen sowie Kerzen und Fotos, wie sie sonst an Unfallstellen hingelegt werden, sondern drei Blumentöpfe, die an der Strassenlaterne festgemacht sind. Den Blumen wird auch regelmässig Wasser gegeben. Wer die blühenden Schalen hinstellt, ist nicht bekannt; vermutlich jemand aus dem familiären Umfeld des Verstorbenen.

Der Fall hat Parallelen zu einem ähnlichen Velounfall bei der Bahnhofquai-Unterführung im September 2013. Damals wurde ein 35-jähriger Grafiker und Historiker von einem Lastwagen erfasst, welcher in der Unterführung rechts abbiegen wollte, um Waren beim Shop-Ville und Bahnhof anzuliefern. Freunde und Bekannte des Opfers hängten am Geländer der Unterführung ein weisses Fahrrad hin, dazu kamen immer mehr Veloutensilien wie Fahrradschlösser, Sattel, Schlauch, Räder, Glocken sowie Kerzen und Blumensträusse, die noch während vieler Wochen an den Unfall erinnerten.

Ein weisses Velo erinnerte im Herbst 2013 an einen Velounfall mit Todesfolge an der Bahnhofquai-Unterführung. Bild: Reto Oeschger

Die Veloutensilien bei der Unterführung wurden später von Mitarbeitern des Tiefbauamtes entsorgt, beim Blumenschmuck am Pfauen wird ein Auge zugedrückt. Aus Gründen der Pietät und des Respekts vor den Angehörigen räume die Stadtreinigung Trauerflor nicht weg. Eine Ausnahme wäre, wenn die Blumen Verkehrsteilnehmende behindern würden, wie Tiefbauamtsprecher Pio Sulzer sagt. Es gebe ihrerseits keine Richtlinie.

Verfahren gegen LKW-Fahrer eingestellt

Obwohl die Bahnhofquai-Unterführung für Velofahrer anspruchsvoll ist, handelt es sich nicht um einen sogenannten Unfallschwerpunkt. Dies ist auch beim Pfauen der Fall, wie Heiko Ciceri, Sprecher der Dienstabteilung für Verkehr, sagt. In den letzten Jahren war es nur zu einem Velounfall mit einem Verletzten gekommen. Velounfälle mit Todesfolge sind in der Stadt Zürich zum Glück selten. Im Jahr 2018 kamen drei Velofahrer ums Leben, im Jahr zuvor waren es zwei.

Wie es genau zum Unfall gekommen ist, ist unklar. Das Verfahren gegen den Lastwagenfahrer ist rechtskräftig eingestellt worden, wie der zuständige Staatsanwalt auf Anfrage sagt. Die Unfallursache konnte trotz Zeugenaufruf der Stadtpolizei nicht erstellt werden.

Erstellt: 07.11.2019, 11:00 Uhr

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