Brandanschlag in Zürich: Die SBB sind von ihrer Haftung befreit

Von den gestrigen Zugsausfällen und Verspätungen aufgrund eines Brandanschlags waren Tausende Reisende betroffen. Viel Hoffnung auf Schadenersatz gibt es allerdings nicht.

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Einen Tag nach der gezielten Brandstiftung auf ein wichtiges Verbindungskabel im Schienennetz der SBB ist noch immer nichts über die Täterschaft bekannt. Ein Bekennerschreiben liegt nicht vor. Wie die Sprecherin der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich auf Anfrage sagt, laufen umfassende Ermittlungen. «Sobald neue Erkenntnisse zum Fall vorliegen, werden wir die Öffentlichkeit informieren.» Mehr war nicht in Erfahrung zu bringen.

Die Brandstiftung in einem Kabelkanal der SBB an der Schärenmoosstrasse in der Nacht auf Dienstag legte den Zugverkehr zwischen Oerlikon und dem Flughafen Zürich lahm und hatte Auswirkungen auf das gesamte Schweizer Bahnnetz. Wie eine Sprecherin der SBB sagte, waren mehrere Tausend Reisende von den Zugsausfällen und Verspätungen betroffen und gemäss Angaben des Flughafens verpassten zwischen 120 und 130 Passagiere ihren Flug.

Bahnbetrieblich ist der Vorfall abgeschlossen

Trotzdem sind laut SBB-Sprecher Reto Schärli bisher erst wenige Schadenersatzforderungen eingegangen. Viel Hoffnung auf einen Ausgleich der Verluste besteht ohnehin nicht: Gemäss den Fahrgastrechten sind die SBB von ihrer Haftung befreit, wenn sie die Umstände für die Verspätungen nicht vermeiden oder deren Folgen nicht abwenden konnten. «Das ist bei der gestrigen Brandstiftung der Fall», sagt Schärli. Bahntickets seien aber bereits unkompliziert am Schalter rückerstattet worden.

Was die Brandanschläge anbelangt, so sei der Vorfall bahnbetrieblich für die SBB abgeschlossen, sagt Schärli. Die Untersuchungen würden nun durch Polizei und Staatsanwaltschaft durchgeführt. Die Frage, ob die SBB nun ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärken wollen, um weitere Anschläge zu vermeiden, bleibt unbeantwortet. «Über unser Sicherheitsdispositiv geben wir grundsätzlich keine Auskunft», so der SBB-Sprecher.

Sehr sensibler Punkt des Schienennetzes

Laut dem Bahnexperten und pensionierten SBB-Mitarbeiter Hans Wägli sei die Brandstiftung an einem der sensibelsten Punkte des Bahnnetzes erfolgt. Die Strecke zwischen Zürich und Winterthur gehöre zu einer der meistbefahrenen der Schweiz, habe verschiedene Engpässe und sei sehr anfällig auf Störungen. «Wenn irgendwo zwischen Zürich und Winterthur etwas passiert, fällt das ganze Netz in sich zusammen – und das wirkt sich auf den gesamten Bahnverkehr der Schweiz aus», sagt Wägli zum «Tages-Anzeiger».

Gezielte Angriffe auf Bahninfrastrukturen von grösserer Tragweite sind selten in der Schweiz. An Silvester 2015 hat ein Kabelbrand im Schwamendinger Tramtunnel zu einer mehrstündigen Sperrung der Strecke geführt. Die Polizei ging auch damals von einer Brandstiftung aus. Am Bahnhof Hardbrücke hat ein Sympathisant der linksextremen Szene vor fünf Jahren einen Brandanschlag verübt.

Erstellt: 08.06.2016, 13:05 Uhr

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