Brustvergrösserung in der Privatklinik zum Discountpreis

Am Morgen rein, abends wieder raus, das Ganze für 9800 Franken. Warum der Zürcher Schönheitschirurg Cédric George mit dem Breast Atelier ein neues Angebot lanciert.

In der Klinik Pyramide werden jährlich rund 450 Brustoperationen durchgeführt: Vorbereitung für eine Brustvergrösserung.

In der Klinik Pyramide werden jährlich rund 450 Brustoperationen durchgeführt: Vorbereitung für eine Brustvergrösserung. Bild: Keystone

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Das Plakat an der Tramhaltestelle fällt auf: Auf einer weissen Fläche prangen zwei vielzackige rote Sterne, sie sind auf Brusthöhe angebracht und mit «neu» angeschrieben. Eine dezente Werbung für Schönheitsoperationen, wie unten auf dem Plakat zu lesen ist: «Brustverkleinerungen, Brustvergrösserungen und Bruststraffungen bei Plastischen Chirurgen FMH für pauschal 9800 Franken.»

Der Name der Klinik – Breast Atelier – klingt nach einem Ort, wo Kunst entsteht. Dahinter steckt einer der bekanntesten Schönheitschirurgen von Zürich: Cédric George (61), Gründer und Mehrheitsaktionär der Klinik Pyramide am See. Brustoperationen gehören zu seinen Kernkompetenzen, rund 240 solche Eingriffe macht er persönlich jedes Jahr. Seine Kundinnen sind nicht nur reiche Frauen, sondern auch Brustkrebspatientinnen.

Am gleichen Abend wieder nach Hause

Wer sich von George in der Pyramide die Brust vergrössern lässt, zahlt dafür mindestens 14'000 Franken. Nun weitet er sein Geschäftsfeld aus auf Frauen, die nicht so viel zahlen können. Im neuen Breast Atelier, das er in einem Bürogebäude gleich neben der Pyramide eingerichtet hat, werden die Operationen ambulant durchgeführt. Die Frauen kommen am Morgen und gehen am Abend wieder heim. Jeder Eingriff kostet gleich viel, auch wenn es Komplikationen geben sollte. In einem solchen Fall bürgt die Klinik Pyramide im Hintergrund für ein gutes Resultat.

Cédric George selber operiert nicht in der Tagesklinik, sondern setzt dort andere Fachärzte ein. Er definiert aber die Qualitätsstandards, auch für die Implantate: Die ambulanten Patientinnen erhalten dasselbe (2500 Franken teure) Produkt wie die Privatpatientinnen des Pyramide-Besitzers.

Mit Wundinfekt auf dem Notfall

In über 20 Jahren Tätigkeit als Schönheitschirurg hat Cédric George viel gesehen. Auch Frauen, die sich im Ausland neue Brüste formen liessen, weil es dort günstiger ist. Wenn sie dann mit dem Resultat unzufrieden sind, suchen sie einen Fachmann in der Schweiz auf.

Laut George gibt es diverse Fehlerquellen bei Brustoperationen: Es werden Billigimplantate eingelegt, die häufiger zur Verhärtung des umliegenden Gewebes führen. Das Implantat hat nicht die richtige Form oder wird falsch platziert. Der Chirurg schneidet an der falschen Stelle auf oder macht die Tasche zu gross. Bei der Straffung wird zu viel Haut entfernt. In ganz schlimmen Fällen entzündet sich die Brust, weil der Arzt unsauber gearbeitet hat.

«In der Schönheitschirurgie existiert ein Wildwuchs von selbsternannten Spezialisten ohne anerkannte Ausbildung», sagt George und nimmt dabei die Schweiz nicht aus. Auch der Chefarzt der Plastischen Chirurgie im Unispital, Pietro Giovanoli, konstatiert ein gewisses Malaise: «Viele Chirurgen machen es ordentlich, doch es gibt ein paar schwarze Schafe.» Immer wieder würden Patientinnen mit Wundinfekten in der Brust auf den Notfall des Unispitals kommen.

Der Markt wächst stetig

Schönheitsoperationen boomen – obwohl die Leute sie selber zahlen müssen. Viele Menschen sparen jahrelang, um sich einen solchen Eingriff leisten zu können. Es existiert zwar keine Statistik, doch der Markt wächst offensichtlich stetig. Nur schon in Zürich gibt es Dutzende Anbieter. Und längst nicht alle haben den Facharzttitel FMH «für Plastische, Wiederherstellende und Ästhetische Chirurgie». Der Titel der Schweizer Ärzteverbindung FMH bietet eine gewisse Gewähr dafür, dass sich ein Schönheitschirurg in anerkannten Spitälern weitergebildet hat.

In Zürich bewegen sich die Preise für ästhetische Brustvergrösserungen zwischen 7000 und 18'000 Franken. In der Klinik Tiefenbrunnen, wie die Pyramide eine seriöse Klinik für Plastische Chirurgie, kostet der Eingriff 12'000 bis 15'000 Franken. Laut Mitgründer Lucas Leu bleiben die Patientinnen immer ein bis zwei Nächte in der Klinik. Bei ambulanten Operationen, sagt der plastische Chirurg, sei das Risiko von Komplikationen wie zum Beispiel Nachblutungen erhöht.

Auch am Unispital werden ästhetische Operationen durchgeführt, wenn auch nicht in grosser Zahl. Dort zahlt eine allgemeinversicherte Patientin 8000 Franken für eine Brustvergrösserung inklusive eine Nacht im Spital. Zum Vergleich: Eine Klinik in Prag bietet die rund zweistündige Operation mit Standardimplantat für 2790 Euro an; wünscht die Frau ein etwas hochwertigeres Implantat, muss sie 650 Euro drauflegen.

Beim Golfspielen behindert

Anfang September hat das Breast Atelier der Pyramide mit drei Angestellten den Betrieb aufgenommen, bei Vollbetrieb werden ein Dutzend Leute dort arbeiten. Fürs erste Jahr rechnet Cédric George mit 400 Eingriffen, später sollen es dann «natürlich mehr» sein.

Ist es nicht fragwürdig, teure Operationen aus rein ästhetischen Gründen zu machen, während andernorts Menschen sterben, weil sie keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben? Cédric George findet das nicht. Er sieht auch bei Schönheitsoperationen oft eine medizinische Indikation, «weil der Mensch sich wohlfühlen soll in seiner Haut». Es gebe sehr viele Frauen mit wenig schönen Brüsten, ein Teil von ihnen leide darunter. Etwa die Hälfte von Georges Kundinnen findet die eigenen Brüste zu klein, die andere Hälfte findet sie zu gross. Bei jüngeren macht er mehr Vergrösserungen, bei älteren mehr Verkleinerungen. «Wer zu viel hat, bekommt im Alter oft noch mehr», sagt der Spezialist. Er operiert nicht selten Frauen in den Sechzigern, die sich etwa beim Golfspielen behindert fühlen. «Nach dem Eingriff bereuen sie, dass sie nicht schon früher gekommen sind.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.09.2014, 16:10 Uhr

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Cédric George (61) hat 1993 die Klinik Pyramide mitbegründet. Er ist ein plastischer Chirurg alter Schule mit viel Erfahrung und führt verschiedene Schönheitsoperationen durch. Einer seiner Schwerpunkte liegt auf den Brustoperationen. Nun weitet er sein Geschäft mit einer Tagesklinik aus. (Bild: ZVG)

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