Bunt und schrill gegen Diskriminierung

Tausende Anhänger des Pride Festivals zogen angeführt von ausländischen Diplomaten durch Zürich. Auch lokale Politiker setzten sich lautstark für die Rechte der LGBT-Gemeinschaft ein.

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Tausende von Teilnehmerinnen und Teilnehmern haben am Samstagnachmittag bei kühlen Temperaturen die Pride-Parade-Route durch Zürich absolviert. Der Umzug bildete den Höhepunkt des mehrtägigen Zurich Pride Festivals. Dessen Motto lautete «Gleichstellung ohne Grenzen».

Der Weg führte die Anhänger der Schwulen-, Lesben-, Bisexuellen und Transgender-Community (LGBT) vom Helvetia- zum Werdmühleplatz. Angeführt wurde der Demonstrationsumzug von mehreren ausländischen Botschaftern. Mit dabei waren beispielsweise die Botschafter aus Kanada, Finnland, Schweden, Norwegen, Israel, Montenegro, Bosnien, Kolumbien, Grossbritannien sowie die US-amerikanischen Botschafterin Suzan G. LeVine:

LeVine hatte sich vor dem Abmarsch ans Publikum gewandt. Sie zeigte sich überzeugt davon, dass LGBT-Rechte Menschenrechte seien. Zwar habe sich in vielen Ländern – auch in den USA – die Lage der Betroffenen etwa in Bezug auf die Heirat verbessert, aber es bleibe noch viel zu tun, sagte die Botschafterin.

Auch die Berner Nationalrätin Aline Trede (Grüne) stellte fest, dass die Stimmung in der Schweiz, was LGBT-Themen betrifft, «besser geworden ist». Es gebe zwar noch viele Hürden zu überspringen, aber kleine Schritte seien auch politisch öfter möglich.

Mit Druck gegen Diskriminierung

Dennoch sei es wichtig, auf die Politik weiter Druck auszuüben:

«Denn solange nicht alle Menschen die gleichen Rechte haben in diesem Land, solange werden wir auf die Strasse gehen und dafür kämpfen, dass es keine Diskriminierung der LGBTs mehr gibt. Hier und überall.»Aline Trede, Nationalrätin der Grünen

Politische Parteien nahmen ebenfalls am Umzug teil, darunter auch die wegen ihres aktuellen Familienbegriffs von der LGBT-Community arg gescholtene CVP. Auch der nationale und der Weltflüchtlingstag hinterliessen ihre Spuren in der Parade. Davon zeugte das von den autonomen Feministinnen mitgeführte Transparent «Mittelmeer - Massengrab. Das ist Mord im Staatsauftrag. Grenzenlose Solidarität».

Ansonsten nahmen – wie jedes Jahr – zahlreiche Mitglieder von LGBT-Organisationen und ihre Sympathisanten am Demonstrationsumzug teil. Nach dem Demonstrationsumzug gab es weitere politische Statements, unter anderem von SP-Nationalrat Daniel Jositsch und BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti sowie von Alex Minsky, einem ehemaligen US-Soldaten, der im Irak-Krieg ein Bein verlor. Dennoch machte er eine Karriere als Model.

Gegen Polizeiwillkür

Das Zurich Pride Festival ist nach eigenen Angaben der grösste LGBT-Anlass der Schweiz. Auf dem Programm standen seit Mitte Juni zahlreiche kulturelle, gesellschaftliche und sportliche Events für jedermann. Den Abschluss bildet traditionsgemäss ein ökumenischer Gottesdienst am Sonntag.

Der Anlass findet in Zürich seit 1994 statt, zunächst unter dem Namen Christopher Street Day (CSD). Er entstand in Erinnerung an einen Aufstand von Homosexuellen gegen Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street im Jahr 1969. Seit 2010 nennt er sich in Anlehnung an internationale Vorbilder Zurich Pride Festival. (sda)

Erstellt: 20.06.2015, 18:13 Uhr

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