Roter Protest gegen teure Tampons

Feministinnen haben in den frühen Morgenstunden mehrere Zürcher Brunnen rot eingefärbt. Sie demonstrieren damit gegen zu hohe Steuern.

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Heute Dienstag fliesst das Wasser in zehn Zürcher Brunnen in unnatürlicher Farbe, um auf einen natürlichen Vorgang hinzuweisen: die Menstruation. Feministinnen der Gruppierung Aktivistin.ch wollen mit der Aktion einen Diskurs über den gesellschaftlichen Umgang mit dem weiblichen Körper anregen, heisst es in einer Mitteilung.

444-mal menstruiere eine Frau in ihrem Leben durchschnittlich, teilt Aktivistin.ch-Sprecherin Carmen Schoder mit. Trotzdem würde für Tampons, Binden und andere Hygieneartikel eine Mehrwertsteuer von 8 Prozent veranschlagt – anders als der reduzierte Satz von 2,5 Prozent, der für andere Güter des alltäglichen Eigenverbrauchs gilt. «Tampons gelten also als Luxusprodukt. Das sehen wir anders», so Schoder. Beim knalligen Rot handle es sich um Lebensmittelfarbe. Schäden seien durch den Protest keine entstanden.

Bereits im vergangenen Dezember machten die Feministinnen visuell auf sich aufmerksam – mit einem Geldregen am Paradeplatz. Aus Lautsprechern auf dem Trottoir dröhnte eingängige Musik. Auf Transparenten war zu lesen, wofür der Geldregen stand: Für 7,7 Milliarden Franken Lohn, welche Frauen jährlich wegen Diskriminierung entgehen. Die Gruppierung Aktivistin.ch ist ein unabhängiges Netzwerk, das im Juni 2015 gegründet wurde. Partnerin ist die Unia Zürich-Schaffhausen.

Bei der Wasserversorgung der Stadt Zürich ist man wenig erfreut über die Aktion. Sprecher Hans Gonella bedauert, dass das Trinkwasser für politische Aktionen missbraucht werde. Das verunsichere die Bevölkerung.

Im Verlauf des Tages reinigen nun Angestellte der Stadt Zürich die Brunnen. Dazu müsse das Wasser ausgelassen und der Trog geschrubbt werden. «Das entspricht einer normalen Reinigung eines Brunnens, wie wir sie normalerweise einmal wöchentlich durchführen», sagt Gonella.

Rechtliche oder finanzielle Konsequenzen für die Feministinnen hat die Aktion wohl nicht. Sachbeschädigungen wurden bislang keine festgestellt. Bei der Stadtpolizei ist keine Strafanzeige eingegangen, wie sie auf Anfrage mitteilt.

Erstellt: 04.10.2016, 07:47 Uhr

Ein politischer Entscheid

Der Mehrwertsteuersatz

Die Feministinnen von Aktivistin.ch fordern, dass Tampons und andere Hygieneartikel vom niedrigeren Mehrwertsteuersatz profitieren sollten. Das heisst sie würden nur mit 2,5 anstatt wie heute mit 8 Prozent besteuert. Dem günstigeren Steuersatz unterstehen heute vor allem Nahrungsmittel und Medikamente. Ausserdem gilt er für Dünger, Samen oder Stecklinge und andere sogenannte Vorleistungen von Landwirten, die wieder in Nahrungsmittel einfliessen. Was wie zu versteuern ist, wird im Mehrwersteuergesetz geregelt. Wissenschaftliche Kriterien gibt es nicht. Das Bundesparlament kann den Katalog anpassen. Zur Forderung der Feministinnen sagt ein Sprecher der Eidgenössischen Steuerverwaltung, dass es neben Tampons noch viele weitere Sachen gibt, die zum Normalsatz steuerbar seien: «Zum Beispiel Zahnpasta, Kleider oder Brillen.» (sip)

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