Busse für eine zu schnelle Geburt

Weil ein Mann seiner Frau bei einer Blitzgeburt als Hebamme assistierte, muss er 450 Franken bezahlen.

Kam so schnell zur Welt, dass ihr Vater nun gebüsst wird: Baby Antonia P.

Kam so schnell zur Welt, dass ihr Vater nun gebüsst wird: Baby Antonia P. Bild: PD

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Die Wehen setzten am Morgen des 21. April urplötzlich ein. Die Mutter spürte bereits das Köpfchen. Vater Remo P., ein bekannter Zürcher Werber, alarmierte die Sanität, brachte die zweieinhalbjährigen Zwillinge in ihr Zimmer und machte sich auf die Geburt gefasst. Er holte Tücher und desinfizierte sich die Hände.

Nach ein paar Minuten erblickte Tochter Antonia das Licht der Welt – gesund und munter. «Ich hatte offenbar alles richtig gemacht», sagt Remo P. heute. Erst jetzt trafen die Sanität und etwas später eine Ärztin ein. Sie nabelten das Kind ab und brachten Mutter und Tochter ins Spital.

Eine Mustergeburt, schnell und ohne Komplikationen. Die Eltern füllten noch im Spital alle Formulare aus und gaben das Familienbüchlein ab. Nach zwei Tagen waren Mutter und Tochter zu Hause. Doch im Stadthaus an der Limmat begannen nun die bürokratischen Mühlen zu mahlen.

Ein Anruf von der Stadt

«Dreieinhalb Wochen nach der Geburt, am 16. Mai, bekamen wir von der Stadt einen Anruf», erzählt Remo P., «die Geburt müsse von mir persönlich gemeldet werden. Normalerweise tue das die Hebamme, aber da keine dabei gewesen sei, hätte ich die Meldepflicht. Sonst werde die Geburt nicht anerkannt.»

Weil der Vater die reale Existenz seiner Tochter hautnah mitbekommt, hetzte er nicht gleich ins Stadthaus. Remo P. leistete die Unterschrift als «Hebamme» am 27. Mai – gemäss Artikel 34 lit. b der Zivilstandsverordnung genau 34 Tage zu spät.

Wenn ein Kind weder in einem Spital noch in einem Geburtshaus geboren wird, müssen Mutter, Vater «und jede bei der Geburt anwesende Person» die Geburt innert dreier Tage beim Zivilstandsamt melden. Und so traf am letzten Donnerstag bei den glücklichen Eltern ein Strafbefehl des Stadtrichteramts ein, vom Vater halb belustigt, halb schockiert auf Facebook gestellt. Remo P. wird wegen Unterlassens der Geburtsmeldung innert dreier Tage mit einer Busse von 200 Franken und Gebühren von 250 Franken bestraft. Bei Nichtbezahlen droht eine Ersatzfreiheitsstrafe von zwei Tagen.

Hatten Sie ebenfalls ein aussergewöhnliches Erlebnis rund um die Administration eines Neugeborenen oder kennen Sie eine solche Story? Schicken Sie uns Ihre Infos per Mail zuerich@newsnet.ch. Selbstverständlich behandeln wir Ihre Meldung vertraulich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.07.2013, 06:37 Uhr

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