Buttersäure-Attacken auf Sexclub im Zürcher Seefeld

Der Besitzer wurde spitalreif geschlagen, sein Club mehrmals attackiert. Wer hat etwas gegen das grösste Bordell der Stadt?

Hat auch nach der Eröffnung Schwierigkeiten: Das Edelbordell Blue Opera in Zürich. Foto: Reto Oeschger

Hat auch nach der Eröffnung Schwierigkeiten: Das Edelbordell Blue Opera in Zürich. Foto: Reto Oeschger

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Es geschah in der Nacht auf vergangenen Montag. Unbekannte leerten Buttersäure an den Lift, der zum Blue Opera führt, dem luxuriösen Bordell im Zürcher Seefeld. Den beissenden Geruch von Erbrochenem riecht man auch Tage danach noch vor dem Haus, im Lift und im Eingangsbereich des Bordells. Es ist nicht der erste Anschlag auf den Sexclub, der erst im Februar eröffnet hatte. Die Stadtpolizei Zürich bestätigt, dass es im Mai zwei solche Vorfälle gegeben hat, die auch zur Anzeige gebracht wurden. Zudem gab es im Februar und März insgesamt drei Farbanschläge. Einen auf den Sexclub, zwei auf das Gebäude der Verwaltung des Blue Opera.

Offenbar stört sich jemand an dem grossen Bordell mit 14 Zimmern, einer Bar und einem Wellnessbereich. Es ist der grösste Sexclub dieser Art in der Stadt Zürich. Unweit davon entfernt befinden sich Wohnhäuser. Deren Eigentümer hatten während Jahren und bis vor Bundesgericht gegen den Bau rekurriert. Sie blieben jedoch chancenlos. Das Bürohaus, in dessen oberstem Stockwerk sich das Bordell befindet, steht in einer Bauzone mit null Prozent Wohnanteil.

Beliebtes Mittel im Milieu

Dass die nachbarschaftlichen Hauseigentümer für die Angriffe mit Buttersäure und Farbe verantwortlich sind, ist jedoch unwahrscheinlich. Die Attacken tragen eher die Handschrift des Milieus. 2003 und 2004 beschäftigte eine Serie von einem halben Dutzend solcher Anschläge auf Zürcher Bordelle gar das Bundesamt für Polizei (Fedpol). Die «Weltwoche» berichtete zwei Jahre später über Hinweise, hinter diesen Anschlägen würde eine der grossen Figuren des Milieus, selber Bordellbesitzer, stecken. Er soll die Rockerbande Hells Angels mit den Anschlägen beauftragt haben. Das Verfahren der Zürcher Staatsanwaltschaft gegen den Mann wurde allerdings eingestellt.

Als 2010 in Dübendorf ein Sexclub eröffnete, wurde auch dieser mit Buttersäure angegriffen. Es blieben aber Einzelfälle. Solche Attacken würden höchst selten vorkommen, sagt Stadtpolizeisprecher Marco Cortesi. «Zumeist finden sie kurz vor oder nach der Eröffnung eines neuen Lokals statt.» Bei der Kantonspolizei heisst es auf Anfrage, dass in den vergangenen drei Jahren keine solchen Attacken auf Sexclubs registriert worden seien.


Bilder: Ein Blick in Bordelle


Die Angriffe mit Buttersäure und Farbe im Zürcher Seefeld kamen allerdings nicht ganz überraschend. Bereits Monate vor der Eröffnung verteilte ein Unbekannter in der Nachbarschaft ein anonymes Schreiben. In fehlerhaftem Deutsch gab sich der Verfasser als Nachbar eines weiteren Bordells aus, das der Besitzer des Blue Opera in Zürich führt. Als «besorgter Familien Vater» wolle er die Nachbarn vor dem warnen, was sie bei der Eröffnung des Clubs erwarten könnte, heisst es in dem Schreiben. Jeden Abend würden Zuhälter aus Rumänien, Ungarn und der Slowakei «die Mädchen» abholen. Die Nachbarn würden jeden Abend wegen Streitereien geweckt, und die Polizei würde jeden Monat eine Grossrazzia durchführen. Davon hat sich nichts bewahrheitet. Dafür aber ein weiterer Punkt: «Ca. alle 3 Monate Buttersäure anschlag (chemisches, hoch Stinkendes Gift)».

Ob es einen Zusammenhang zwischen dem anonymen Schreiben und den Attacken der vergangenen Monate gibt, will Stadtpolizeisprecher Cortesi auf Anfrage nicht sagen. Er sagt bloss: «Die Ermittlungen zu diesen Vorfällen laufen.»

Besitzer körperlich angegriffen

Der Besitzer des Blue Opera möchte mit dem «Tages-Anzeiger» nicht über die Attacken und seinen Sexclub sprechen. Er dürfte selber auch unter Druck stehen. Anfang Januar wurde er in einem Restaurant im Seefeld körperlich angegriffen; er musste daraufhin ins Spital. Die Polizei bestätigt in diesem Zusammenhang einen entsprechenden Einsatz, möchte aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes aber nichts Detaillierteres dazu sagen.

Das Bordell hatte auch nach der Eröffnung, die während Monaten immer wieder verschoben werden musste, einen schwierigen Start. Ein Wasserschaden im Wellnessbereich sorgte dafür, dass dieser Teil des Clubs nicht genutzt werden konnte. Schon bald tauchte ein Inserat auf, in dem der Club für 9,7 Millionen Franken zum Verkauf ausgeschrieben stand. Das Inserat ist noch immer aufgeschaltet – allerdings ohne den Verkaufspreis. Ob der Club noch zum Verkauf steht, ist unklar.

Entwickelt sich das Geschäft wie bisher in den ersten Monaten, dürfte der Club das Jahr gemäss gut informierten Personen mit einem Gewinn von rund ein bis zwei Millionen abschliessen. Erlebnisberichte der Besucher in entsprechenden Foren sind überwiegend positiv. Dem grössten Bordell in der Stadt Zürich scheint es nun – abgesehen von den Buttersäure- und Farbattacken – ganz gut zu laufen. Möglicherweise für einzelne Konkurrenten fast zu gut.

Erstellt: 30.05.2018, 23:24 Uhr

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