Chauffeur macht Rauchpause im Tram

Tram- und Busfahrer von Zürich gönnen sich gerne mal eine Zigarette, ohne dabei das Fahrzeug zu verlassen. Das tun sie nicht nur, weil es im Tram wärmer ist als draussen.

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Samstagabend an der Haltestelle Bucheggplatz in Zürich. Ein Tramfahrer der Linie 15 raucht an der Endhaltestelle eine Zigarette vor der Weiterfahrt. An sich nichts Aussergewöhnliches – würde er das nicht im Tram tun.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Tagesanzeiger.ch-Leser solche Situationen entdeckt hat: «Dieses Mal haben mein Sohn und ich einen Tramchauffeur beim Rauchen beobachtet. Vor zwei Wochen hat meine Tochter einen rauchenden Chauffeur im Bus der Linie 32 gesehen.»

«Man muss leider immer mal wieder schummeln»

Rauchen ist in den Fahrzeugen der Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich VBZ grundsätzlich verboten. Das Verhalten des Fahrers habe sicher keinen Vorzeigecharakter, heisst es denn auch vonseiten der VBZ. Trotzdem kommt es gerade in den kalten Jahreszeiten vor, dass die Chauffeure ihre Fahrzeuge für die Zigipause nicht verlassen. «Ich habe jeweils auf dem Trittbrett geraucht, wenn es kalt war. Da hatte ich wenigstens am Rücken warm und es hat mir nicht so um die Ohren gepfiffen», sagt ein Tramfahrer, der anonym bleiben möchte, auf Anfrage.

Die Pausen an den Endstationen seien ohnehin extrem knapp bemessen. «Die Umschlagzeiten sind hauptsächlich dazu da, um Verspätungen wieder aufzufangen», so der Chauffeur. «Wenn man zu spät ankommt, muss man gleich wieder los. Da bleibt mir im Normalfall gerade mal genug Zeit, um meine Petflasche im Müll zu entsorgen.» In der ohnehin kurzen Zeit sollte man ausserdem noch durchs Tram laufen und Zeitungen und gröberen Unrat auflesen, hält er weiter fest. «Ich bin dann jeweils auf die Toilette gegangen und habe dort geraucht. Das war meine Entschuldigung. Man muss leider immer mal wieder schummeln.»

Zu wenig Erholung zwischen den Fahrten?

Duri Beer, Regionalsekretär VPOD städtisches Personal Zürich, kennt das Problem. «Die Erholungszeiten existieren bei der VBZ nicht», sagt er gegenüber Tagesanzeiger.ch. Dabei seien die Pausen für das städtische Personal von Zürich klar definiert: «Pro Halbtag müssen sie sich eine Viertelstunde vom Arbeitsplatz entfernen können», so Beer, «viele VBZ-Angestellten sagen jedoch, dass sie an den Endhaltestellen kaum auf die Toilette gehen können. Vor allem für Frauen ist das ein Problem.»

Bei der VBZ wehrt man sich gegen solche Vorwürfe. «Im Fahrplan ist eine Pause an allen Endhaltestellen eingebaut und im täglichen Dienstplan ist eine grosse Pause für die Einnahme einer Mahlzeit enthalten», sagt Mediensprecher Andreas Uhl. Allerdings muss auch er anfügen, dass die Wartezeiten stark variieren und zu Stosszeiten bisweilen keine Zeit für eine Pause bleibt. Sicher sei gemäss Uhl, dass für die Fahrer an den Endhaltestellen Räume mit Toiletten zur Verfügung stehen. «Dort gilt aber Rauchverbot wie in allen Räumen.»

Für den VPOD ist dies nicht genug. Er steht derzeit in Verhandlungen mit den VBZ, um das Problem der kurzen Erholungszeiten zu lösen. «Wir hoffen, dass wir bis zum Sommer Klarheit haben, ob wir zu einer Einigung kommen», erklärt Beer. Kommt es zu einem Streik, wenn dieses Ziel nicht erreicht werden kann? «Das lässt sich noch nicht sagen. Aber Drohen ist immer heikel.»

Erstellt: 25.03.2011, 11:43 Uhr

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