Chindsgi bei Regen und Schnee

Winterthur wartet mit einer Novität auf. Als erste Stadt des Kantons betreibt sie ab sofort einen öffentlichen Naturkindergarten. An vier Vormittagen pro Woche findet dort der Unterricht im Freien statt.

Kindergarten im Wald: Winterthur hat seinen ersten öffentlichen Naturkindergarten eröffnet.

Kindergarten im Wald: Winterthur hat seinen ersten öffentlichen Naturkindergarten eröffnet. Bild: ZVG

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am ersten Schultag nach den Sportferien ist der erste öffentliche Naturkindergarten von Winterthur in Anwesenheit von Schulstadtrat Stefan Fritschi, Kreisschulpräsident Felix Müller und Schulleiterin Mengia Isenbügel feierlich eröffnet worden – als «Symbol des Gedeihens» wurde dabei am Standort des neuen Chindsgis ein Holunderstrauch eingepflanzt, teilt die Stadt Winterthur am Dienstag mit. Ab sofort werden nun die 23 Kindergärtler der Schule Brühlberg an vier Vormittagen pro Woche unter freiem Himmel unterrichtet.

Der Wechsel von der Schulstube an die frische Luft findet aber nicht Knall auf Fall statt. Die Lehrerinnen und Kinder waren bereits seit September 2012 vermehrt draussen anzutreffen. So konnten beide Seiten den Betrieb in der freien Natur kennenlernen.

Eltern können Kindergartenwechsel beantragen

Auch werden die Kinder nicht dazu gezwungen, den Kindergarten im Freien zu besuchen. Zwar gibt es in Winterthur wie überall im Kanton Zürich keine freie Schulwahl. Daher werden die Kinder im Einzugsgebiet des Naturkindergartens prioritär auch diesem Chindsgi zugeteilt. «Wir informieren die Eltern aber vorab über dieses spezielle Angebot. Sie können dann entscheiden, ob sie ihre Kinder in den Naturkindergarten oder in eine andere Schule geben möchten», sagt Felix Müller gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Die Naturkindergärtler gehen am Vormittag grundsätzlich bei jedem Wetter nach draussen. An einem Tag pro Woche findet auch am Nachmittag ein Unterricht statt – dann allerdings im Schulhaus. An drei Tagen gehen die Kinder nach dem Naturchindsgi direkt nach Hause.

Umsetzung innerhalb eines Jahres

«Viele Kinder, die in der Stadt aufwachsen, haben einen bescheidenen Bezug zur Natur. Im Naturkindergarten können sie ihre motorischen Fähigkeiten aus- und Ängste abbauen. Sie erleben das Wetter und die täglichen Wechsel in der freien Natur hautnah und intensiv», begründet Müller die Gründung der neuen Einrichtung.

Die Idee habe eine Kindergärtnerin an ihn herangetragen, so Müller weiter. «Da ich die Nähe zur Natur sehr schätze, habe ich den Vorschlag meiner Schulpflege unterbreitet. Auch sie unterstützte das Anliegen.» Schliesslich habe auch Stadtrat Stefan Fritschi grünes Licht gegeben. «Er hat bereits als Gemeinderat einen Antrag für einen öffentlichen Naturkindergarten gestellt, daher ist er sofort auf unser Gesuch eingegangen.» Innerhalb eines knappen Jahres konnte so die Idee des Naturkindergartens umgesetzt werden.

Waldkindergarten: In Zürich nur privat

Auch in der Stadt Zürich können Kinder einen Chindsgi in der freien Natur besuchen. «Es gibt zwar keinen städtischen Waldkindergarten, aber entsprechende private Angebote», sagt Marc Caprez, Sprecher des Schul- und Sportdepartements, auf Anfrage.

So betreibt der Verein Waldkindergarten Troll seit August 2008 einen vom kantonalen Volksschulamt bewilligten, privaten Kindergarten. Zudem führt Grün Stadt Zürich sogenannte Naturschulen: In drei Waldschulen und über mobile Module lernen Kinder verschiedene Aspekte aus der Tier- und Pflanzenwelt direkt vor Ort besser kennen.

Ob trotz des bereits bestehenden Angebots dereinst auch in Zürich ein öffentlicher Naturkindergarten eingerichtet wird, bleibt offen. Darüber müsste die Konferenz der Kreisschulpflegpräsidenten entscheiden.

Erstellt: 19.02.2013, 16:55 Uhr

Umfrage

Ist der Unterricht unter freiem Himmel sinnvoll?




Symbolischer Akt: Kinder pflanzen bei der Eröffnung des Naturkindergartens einen Holunderstrauch. (Bild: zvg)

Artikel zum Thema

Ab in den Wald

Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder auch bei Eis und Schnee vor die Tür. Die raren Plätze in den beiden Zürcher Waldkindergärten sind heiss begehrt, das betreute Spielen im Wald boomt. Mehr...

Kindergarten tönt einfach besser

Überraschend hat das Volk die Grundstufe ganz versenkt. Der Grund dafür ist nicht pädagogischer Art. Das Nein ist emotional und mit Reformmüdigkeit zu begründen. Mehr...

Der Kampf beginnt schon im Kindergarten

Obwohl Zürich gegen die freie Schulwahl gestimmt hat, wird für jedes zweite Kind ein Gesuch für einen bestimmten Kindergarten eingereicht. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Schwingt das Tanzbein: U2-Sänger Bono Vox während eines Konzerts im australischen Brisbane. (12. November 2019)
(Bild: Chris Hyde/Getty Images) Mehr...