Damit es das Velo schön warm hat

Das Tiefbauamt der Stadt Zürich hat einen Leitfaden für die Veloparkierung in Wohnsiedlungen verfasst – mit 33 Seiten ein Hauptwerk.

Jedes Rad an seinem Ort – spart Arbeit und manch böses Wort. Foto: Raisa Durandi

Jedes Rad an seinem Ort – spart Arbeit und manch böses Wort. Foto: Raisa Durandi

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Grünen klagen ständig, Filippo Leutenegger tue zu wenig für die Veloförderung, der freisinnige Chef des Tiefbauamtes beschränke sich aufs Minimum. Doch dieser Vorwurf ist nicht länger haltbar. Denn unter Leuteneggers Vorgängerin – Ruth Genner von den Grünen – gab es kein Opus magnum zur Veloparkierung in Wohnsiedlungen. Und selbst wenn sie ein solches Werk in Auftrag ­gegeben hätte, wäre es viel dünner ausgefallen. Denn Genner hätte keine Anfrage der SVP provozieren wollen: Was hat das gekostet? Wie viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen waren wie lange beschäftigt? Wann folgt der Leitfaden Autoparkierung in Wohnsiedlungen?

Auf 33 Seiten also ergründet die Abteilung Verkehr + Stadtraum des Tiefbauamtes die Veloparkierung in Wohnsiedlungen. Dass es nicht noch mehr Seiten sind, ist dem Baurekursgericht zu verdanken. Denn die rot-grüne Mehrheit des Gemeinderates wollte in der Parkplatzverordnung vorschreiben, dass es bei Wohnbauten pro 40 Quadratmeter Geschossfläche nicht nur einen Velo­abstellplatz braucht, sondern dass dieser auch noch gedeckt und diebstahl­sicher ist und sich in Eingangsnähe ­befindet. Gegen diese Auflage klagte der Hauseigentümerverband erfolgreich: Das Gericht begrüsste zwar die Pflicht, Veloabstellplätze zu bauen, damit die Fahrräder nicht den öffentlichen Grund belegen. Aber Vorschriften wie Witterungsschutz und Eingangsnähe seien zu eng gefasst. Ein trockener Velosattel sei lediglich ein Komfortanspruch, den die Stadt auf öffentlichen Veloabstellplätzen auch nicht erfülle.

Höchstens 30 Meter

Doch der Komfort spielt im Leitfaden des Tiefbauamtes eine grosse Rolle: Komfortable Zufahrten und Wegfahrten seien für eine gute Auslastung der V-AP (Velo-Abstellplätze) wichtig, ihre Lage und die damit verbundene Distanz zum Zielort sei entscheidend für die Frequentierung. Kurzzeit-Veloparkplätze für Besucherinnen oder fürs Parkieren über Mittag sollten höchstens 30 Meter vom Hauseingang entfernt sein, Langzeitparkplätze höchstens 100 Meter. Empfohlen werden pro Siedlung 30 Prozent Kurzzeit- und 70 Prozent Lang- zeit-Parkplätze. Weiter empfiehlt das Tiefbauamt: Anlagen für kurzzeitiges Parkieren sollten ebenerdig sein, V-AP im Untergeschoss sollten nahe der Gebäudeaufgänge sein, die Anlagen dürfen den Zugang zu den Gebäuden nicht behindern, und V-AP in Autoeinstellhallen sind zum Schutz vor Russ und Staub lufthygienisch von den Autos zu trennen.

Der Zugang zum Abstellraum hat hindernisfrei zu sein, also keine Schwellen oder Ähnliches. Rampen im Freien haben eine Neigung von maximal 10 Prozent, überdacht maximal 12 Prozent, idealerweise 6 Prozent. Falls ein Lift nötig ist, muss dieser eine Fläche von mindestens 2,1 x 1,1 Meter haben. Bei grossen Abstellanlagen sollte aber von Lifts abgesehen werden, «da sonst grössere Wartezeiten entstehen können».

Die Erschliessung einer Treppe mit Schieberinnen oder Schieberampen ist bei Neubauten nicht empfehlenswert, da diese mit Veloanhängern oder Spe­zialvelos nicht oder kaum überwunden werden können. Überhaupt muss bei der Planung von Veloräumen auf Spezialvelos, Anhänger und Kinderwagen geachtet werden; diesen sollte 10 bis 15 Prozent der Fläche mittels Markierungen zugewiesen werden. Denn mindestens so wichtig wie die Grösse des Veloraums ist die Geometrie der Parkierungsanlage. Platzsparend sind Karusselle für die Velos oder Doppelstockparker, doch ist ihre Bedienung nicht für alle Personen geeignet. Schliesslich empfiehlt Leuteneggers Tiefbauamt eine regelmässige Reinigung der Veloparkplätze – und das Entfernen von Veloleichen. Diesen kann eine monatliche Gebühr von bis zu zehn Franken pro Velo vorbeugen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.03.2017, 23:18 Uhr

Artikel zum Thema

Velofahrer dürfen auf Glocke und Sattel verzichten

Davon hat bislang kaum jemand Notiz genommen: Der Bundesrat streicht mehrere Velo-Vorschriften. Pro Velo hat Bedenken, was die Sicherheit anbelangt. Mehr...

Unten durch

Fotoblog Eine Niederländerin fängt die Schönheit der Velo-Marktstände von Hanoi ein. Zum Blog

Die beste aller Frühförderungen

Outdoor Wie kann es sein, dass beim heutigen Förderungstrend immer weniger Kinder Velo fahren? Zum Blog

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...