Dampfschiff auf grosser Jubiläumsfahrt

Dieses Jahr feiert die DS Stadt Rapperswil ihr 100-jähriges Bestehen. Das Jubiläum ist Anlass für zahlreiche Aktionen.

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Die Geschichte des Raddampfers Stadt Rapperswil ist turbulent und wechselhaft. Bereits der Stapellauf am 16. März 1914 geriet zum kleinen Fiasko. Das Schiff glitt etwa fünf Meter in Richtung See und musste dann gestoppt werden, weil die Kommandobrücke mit dem Dachbalken der Werft zu kollidieren drohte, schreiben Kurt Hunziker und Robert Knöpfel in ihrem soeben erschienenen Buch «Die Zürichsee-Schifffahrt». Die Belastungsfahrt mit 1500 Sandsäcken an Bord, die dem Gewicht von 1000 Passagieren entsprachen, verlief ohne Pannen. So konnte am 29. Mai 1914 die Jungfernfahrt mit fünf Ehrendamen an Bord stattfinden.

Erkennungsmerkmal ist das Kreuz auf dem Mast

Eine Fahrt von Zürich nach Rapperswil kostet in der 1. Klasse damals 3.50 Franken, die gesamten Baukosten für das Schiff beliefen sich auf 360'072.44 Franken. Die damalige Jungfernfahrt sei nicht zu vergleichen mit den geplanten Jubiläumsaktivitäten, sagt Mitorganisator Urs Wenzel, Präsident der Aktion pro Raddampfer. Im Jubiläumsprogramm sind 11 Veranstaltungen aufgelistet. Den grossen Auftakt bildet der «Tag der offenen Dampfschiff-Türe» am 25. und 26. April mit Kinderprogramm, Ausstellung und Buchvernissage.

Als weiterer Höhepunkt angekündigt ist die «Jubiläumsfahrt» am 23. Mai mit Sternfahrt und Aviatik-Show. Die Stadt Rapperswil wird dabei vom baugleichen und noch fünf Jahre älteren Schwesterschiff Stadt Zürich und von der Helvetia, die heuer auch 50 Jahre alt wird, begleitet. Die beiden Raddampfer lassen sich trotz ihres fast identischen Äussern relativ leicht unterscheiden: Auf dem Hauptmast der Stadt Rapperswil ist eine Querrahe angebracht, die mit dem Mast ein Kreuz bildet. Rapperswil ist katholisch, Zürich reformiert. Nahtlos an die Jubiläumsfahrt startet in Rapperswil das Hafenfest.

Holzsteuerrad dient nur noch der Zierde

Während des Ersten Weltkrieges brechen nicht nur die Passagierzahlen ein, wegen der grossen wirtschaftlichen Probleme stand sogar die Liquidation der Dampfboot-Gesellschaft zur Diskussion. Doch so weit kam es nicht. Ab 1919 entspannte sich die Situation.

Im Vergleich zu heute war die Schifffahrt auf dem Zürichsee viel personalintensiver. Waren damals mit Maschinisten, Heizern, Untermaschinisten 14 Mann im Einsatz, braucht es für den Raddampfer noch eine Besatzung von 6 Leuten. Dies ist unter anderem auf die automatisierte Antriebstechnik zurückzuführen. Der Fortschritt hat auch im Steuerhaus nicht angehalten: Das wuchtige Holzsteuerrad dient heute nur noch der Zierde. Der Kapitän manövriert das Schiff mit einem Joystick.

Fahren, bis die Kolbenstange glüht

Chefkapitän Ernst Bosshard erlebte auf dem Dampfschiff auch schon dramatische Momente. Einmal sei ein Motorboot in sein Schiff gefahren. Seinen Passagieren sei zwar nichts geschehen, aber auf dem total demolierten Unglücksboot habe es Verletzte gegeben. Ein anderes Mal musste die Maschine rund 500 Meter vor Schmerikon angehalten werden, weil die Kolbenstange glühte. Ein Ledischiff nahm darauf das Dampfschiff ins Schlepptau.

Grundsätzlich sei das Lenken auf dem Zürichsee wegen der starken Verkehrszunahme auf dem Wasser schwieriger geworden. Viele private Motorbootbesitzer würden sich nicht an die Regeln halten und auch die Schwimmer kämen immer näher an die Schiffe heran.

Den Dampfschiffen drohte die Verschrottung

Ende der 60er-Jahre befand sich die Stadt Rapperswil in einem schlechten Zustand. Die Raddampfer waren beim Publikum auch weniger beliebt als die neuen, modernen Motorschiffe. Die Schiffe mit den grossen Schaufeln waren deshalb nur noch am Sonntag im Einsatz.

Der technische Wandel lässt sich auch im Namen der Betreibergesellschaft ablesen. Die Dampfboot-Gesellschaft taufte sich 1957 in Zürichsee Schiffahrtsgesellschaft (ZSG) um. Die ZSG wollte 1970 die Dampfschiffe aus dem Verkehr ziehen. Doch die Pläne stiessen auf Widerstand. Dem frisch gegründeten Verein Aktion pro Raddampfer gelang es, Politik und Gesellschaft vom Wert der historischen Schiffe zu überzeugen und diese vor der Verschrottung zu bewahren.

Auf den Schweizer Seen verkehrt noch ein Dutzend Dampfschiffe, die 100 Jahre oder älter sind. Das erste Schweizer Dampfschiff fuhr im Juli 1823 auf dem Genfersee. Die Guillaume Tell verkehrte zwischen Genf und Lausanne. 1839 fuhr mit der Splügen erstmals ein Raddampfer auf dem Zürichsee. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.04.2014, 15:04 Uhr

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