«Dann habe ich mich entschieden, nichts zu spenden»

Ein Besuch im Fraumünster kostet fünf Franken. Was Touristen dazu sagen.

Fünf Franken Eintritt: Von den Touristen stören sich nur die wenigsten am Preis. Video: Marco Pietrocola

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Die Chagall-Fenster! Das von Marc Chagall aus Licht, Farbe, Glas und Blei geschaffene Kunstwerk gilt als «berauschend schön», das Fraumünster zählt der Fenster wegen zu den Top-Sehenswürdigkeiten Zürichs, ja der ganzen Schweiz. Touristen reisen aus der ganzen Welt an, um sie zu besichtigen. Der Zustrom war in den letzten Jahren so überwältigend geworden, dass an Ruhe und Andacht in dem reformierten Gotteshaus oft nicht mehr zu denken war.

Seit 2016 reguliert die Kirchgemeinde darum den Zugang zu Chagalls Kunst. Gruppen müssen sich zwingend für bestimmte Zeitfenster voranmelden, Einzelbesucher zahlen fünf Franken Eintritt – erhalten dafür aber ausführliches Informationsmaterial auf Papier oder als Audio-Guide.

Thomas Gamma, der für die Organisation des Besucherandrangs zuständig ist, zieht heute eine positive Bilanz der Massnahmen: «Es gibt zwar immer noch Leute, die sich wegen des Eintrittspreises bei mir beschweren. Aber die Reklamationen sind doch sehr selten geworden.»

Mehr Service, mehr Sicherheit

Für Gamma ist zentral, das mit dem Eintrittspreis auch der Service für die Besucher verbessert wurde. «Wir können die Nutzung der Audioguides anonymisiert auswerten und sehen, dass die typische Aufenthaltszeit im Fraumünster gegen eine halbe Stunde beträgt.» Zudem ist Eintrittsregelung ein Gewinn an Sicherheit: Zusätzlich zum Personal am Kiosk können auch die Angestellten beim Eingang und der Aufsicht bei Notfällen eingreifen.

Den Eindruck bestätigt eine Umfrage an der Ausgangstür des Fraumünsters: Die Touristen sind begeistert über Chagalls Kunst, den Eintrittspreis halten sie für angemessen. Besucherinnen und Besucher aus Australien, der Türkei und Tschechien sind zwar durchaus kritisch, was das Preisniveau in ihrem Gastland angeht, die fünf Franken für Chagall aber zahlten sie anstandslos. Einzig ein Student aus Südkorea fand den Betrag reichlich hoch. Dem Mann konnte geholfen werden: Studierende mit Ausweis haben freien Eintritt.

St. Pauls kostet das Fünffache

Zur Flexibilität des Zutrittssystems gehört auch, dass Kirchengemeindemitglieder und Personen die «zur stillen Andacht» die Kirche betreten wollen, ebenfalls keinen Eintrittspreis bezahlen müssen. «Wir möchten zwischen einem geregelten Zugang für Touristen und den Bedürfnissen der Kirchgängern eine Balance halten, die von allen gut akzeptiert ist», sagt Thomas Gamma. Deswegen hat die Kirchgemeinde die Erfahrungen (und anfänglichen Reklamationen) ausgewertet und die Regeln in den letzten zwei Jahren immer wieder leicht angepasst.

Gamma, sensibilisiert für Kircheneintrittspreise, achtet bei seinen eigenen Reisen auf die Regelungen in anderen Ländern. Das herausstechendste Beispiel, das er gesehen hat: Der Eintritt in die St.-Pauls-Kathedrale in London kostet umgerechnet 26 Franken.

Erstellt: 22.01.2019, 15:51 Uhr

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