Das Geheimnis um die Kaserne wird gelüftet

Heute geben Kanton und Stadt bekannt, was ab 2020 auf dem Zürcher ­Kasernenareal entstehen soll. Bis jetzt ist erst klar, was die Leute dort ganz sicher nicht wollen.

Wenn die Kantonspolizei 2020 mit ihren Autos wegzieht, steht die ganze Wiese der Bevölkerung offen. Foto: Nicola Pitaro

Wenn die Kantonspolizei 2020 mit ihren Autos wegzieht, steht die ganze Wiese der Bevölkerung offen. Foto: Nicola Pitaro

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Seit bald 40 Jahren wird eine neue öffentliche Nutzung für das Kasernenareal gesucht – seit das Volk 1975 dem Umzug der Soldaten ins Reppischtal zugestimmt hat. Doch keine Idee konnte sich durchsetzen: Weder ein Stadtpark noch ein Kultur- und Jugendhaus, noch ein Eroszentrum, wie es CVP-Kantonsrat Roman Fischer einst vorgeschlagen hatte.

Jetzt kommt zur endlos scheinenden Planungsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzu. Heute Abend stellen Regierungsrat Markus Kägi (SVP) und Stadtrat André Odermatt (SP) ihren Entwurf des Masterplans für das Kasernenareal vor. Der Masterplan, von dem bislang nichts an die Öffentlichkeit gelangte, ist eine Anleitung für die Nutzung der Gebäude und Freiflächen. Er klärt Organisation, Betrieb, Kosten und Zeitplan und gibt Handlungsanweisungen für die daraus folgenden Umbauten, Wettbewerbe oder Richtplananpassungen.

Erst einmal war die Planung weiter: 1987 beantragten Regierungs- und Kantonsrat 72 Millionen Franken für den Umbau der Kaserne in ein Polizeizentrum, doch die Vorlage wurde klar abgelehnt. Jetzt ist erneut die Kantonspolizei der Auslöser der Planung, nur umgekehrt: Sie soll nicht ein-, sondern ausziehen – voraussichtlich in sechs Jahren ins neue Polizei- und Justizzentrum beim ehemaligen Güterbahnhof. Die Kaserne und die Kasernenwiese werden dadurch frei mit Ausnahme der deutlich kleineren Polizeikaserne an der Ecke Zeughaus-/Kasernenstrasse.

Wünsche aus dem Quartier

Der Masterplan für die Kaserne ab 2020 ist breiter abgestützt als alle bisherigen Vorlagen, Studien und Konzepte. Er beruht neben einer verwaltungsinternen Bedarfsabklärung und einer Machbarkeitsstudie auf einem öffentlichen Beteiligungsverfahren.

An drei Veranstaltungen im letzten Jahr konnten Interessierte Meinungen und Forderungen vortragen; 200 Personen nahmen am ersten Anlass teil, gegen 100 an den folgenden. So unterschiedlich ihre Wünsche sind, eines ist klar: Eine monothematische Nutzung für Wohnen, Schule oder Kunst will kaum jemand, vielmehr stellen sich die meisten einen Mix aus Gewerbe, Läden und Gastronomie vor – möglichst offen, günstig und flexibel.

Die Anlage darf nicht abgerissen werden

Klar ist ferner, dass die bestehende Anlage stehen bleibt. Sie ist ein Schutzobjekt von kantonaler Bedeutung. Erbaut zwischen 1864 und 1876 gilt sie als eine der grössten Leistungen des Historismus in der Schweiz. Die Bauten folgen der Tradition barocker Schlossanlagen: Ökonomiegebäude–Schloss–Garten–Gartenbauten. Ins Militärische übersetzt: Stallungen–Kasernenhauptgebäude–Exerzierwiese–Zeughäuser.

Der Denkmalschutz, den der Regierungsrat 1981 beschlossen hat, schränkt die Nutzung des Areals allerdings stark ein und verhindert nicht nur einen Stadtpark, wie ihn die EVP fordert, sondern auch ein Kongresszentrum, das auf eine zentrale Lage in der Stadt angewiesen ist.

«Es wird Enttäuschte geben»

Diese zentrale Lage auf der Grenze von City und Aussersihl, wenige Geh­minuten vom Hauptbahnhof entfernt, führt zu völlig verschiedenen Ansprüchen ans Kasernenareal. An den drei Beteiligungs­veranstaltungen im letzten Jahr wurde aus dem Publikum immer wieder eine quartiernahe Nutzung gefordert – gerade weil Aussersihl dem Druck der nahen City ausgeliefert ist und deshalb Freiräume und günstige Mieten braucht.

Eine reine Quartier­nutzung scheint aber nicht das Ziel von Regierungs- und Stadtrat zu sein. Auf ihrer gemeinsamen Website definieren sie das Kasernenareal aufgrund seiner zentralen Lage und Grösse als «Schlüssel­areal für die Stadtentwicklung», als «städtischen und regionalen Magnet mit Quartierbezug». Patrick Gmür, Direktor des Amtes für Städtebau, hat es an einer der Beteiligungsveranstaltungen bereits angekündigt: «Leider werden aber nicht alle Wünsche erfüllt werden können. Es wird also Enttäuschungen geben.»

Erstellt: 03.11.2014, 22:23 Uhr

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