Das Grandhotel Bellevue galt einst als Geheimtipp

Ein Hotel gab dem Bellevue einst seinen Namen. Es florierte, bis die Eisenbahn kam.

Um 1900 erlebte es seine Blütezeit. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Zimmer zu Büros, und ein Kino zog ein: Das Grandhotel Bellevue.

Um 1900 erlebte es seine Blütezeit. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Zimmer zu Büros, und ein Kino zog ein: Das Grandhotel Bellevue. Bild: Keystone

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Es ist schwer zu glauben, doch das Bellevue galt einst als Geheimtipp. Der Architekt Leonhard Zeugherr errichtete 1858 ein eher schlichtes Hotel, das erst 30 Jahre später zum Grandhotel im Stil der Belle Epoque ausgebaut wurde. Vornehme Globetrotter, die Ruhe, Komfort und Stadtnähe suchten, quartierten sich dort ein.

Der Hoteldirektor führte sie als Erstes aufs Dach und liess sie die Aussicht auf die Alpen und den See geniessen. Noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Ufer des unteren Zürichsees grüne, lauschige Gestade.

Kabarett und Kino

Das Hotel entstand in der Frühzeit des Tourismus und lebte anfänglich vor allem vom Schiffverkehr. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn verschob sich Zürichs Stadttor zunehmend zum neuen Hauptbahnhof. Rund um diesen entstanden in den 1880er-Jahren einige Konkurrenzbetriebe: das National, das Victoria, das Habis, das Central und bereits etwas früher schon das St. Gotthard.

Die Konkurrenz setzte dem Grandhotel Bellevue zu: 1899 prüfte die Aktiengesellschaft Bellevue, ob einige der 80 Hotelzimmer in Wohnungen für Einheimische und länger in Zürich weilende Ausländer umgewandelt werden sollten. Als der Erste Weltkrieg Zürich ganz vom Tourismus abschnitt, wurden Zimmer und schliesslich ganze Etagen als Büroräume vermietet. Nach dem Krieg gab das Grandhotel seinen Betrieb endgültig auf. Für das Kino, das 1921 im Parterre eingerichtet wurde, mauerte man die Arkaden zu und vereinfachte die Fassade des Hauses. Ein NZZ-Kommentator freute sich, dass man mit dem «unnützen und die Gesamtwirkung zerreisenden Schnörkelwerk abgefahren sei».

Während das Hotel sich nicht behaupten konnte, florierte das um die Jahrhundertwende eröffnete Café de la Terrasse, bis die Intelligenzija nach dem Zweiten Weltkrieg ins Odeon übersiedelte. 1956 eröffnete das Terrasse neu als Nightclub-Kabarett, unvergessen bleibt Josephine Bakers Auftritt im Mai 1958. Im Volksmund hiessen die Shows im Petite Terrasse wegen der treusten Besucher «Gemeindeschreiber-Strip».

Teure Luxuswohnungen

Vor zehn Jahren ist das plüschige Nachtlokal wieder einem Grandcafé im Stil des ehemaligen Grandhotel Bellevue gewichen. Die Eigentümerin UBS hat das Bellevue-Haus für 50 Millionen renoviert und in altem Glanz erstrahlen lassen. Das Kino ist verschwunden, die Arkaden sind wieder so einladend wie damals, als sie Hotelgästen Schatten spendeten. Im obersten Stockwerk sind drei Luxuswohnungen für 20'000 Franken Miete monatlich entstanden, mit riesigen Terrassen und eigenen Innenhöfen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.07.2010, 17:16 Uhr

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