Das «Hotel Suff» bleibt geöffnet

Die Zentrale Ausnüchterungsstelle (ZAS) für Betrunkene bleibt bis 2015 erhalten. Dies hat der Zürcher Gemeinderat entschieden. Änderungen soll es auch bei den Öffnungszeiten geben.

Auch «Hotel Suff» genannt: Zelle der zentralen Ausnüchterungsstelle in der Regionalwache Urania.

Auch «Hotel Suff» genannt: Zelle der zentralen Ausnüchterungsstelle in der Regionalwache Urania. Bild: Keystone

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Der Betrieb des «Hotel Suff» in Zürich ist bis März 2015 gesichert. Die Öffnungszeiten der Zentralen Ausnüchterungsstelle (ZAS) für Betrunkene werden zudem verlängert. Der Zürcher Stadtparlament hat für die Verlängerung des Projekts einen Kredit von knapp 6,5 Millionen Franken bewilligt. Ihren Versuchs-Betrieb aufgenommen hat die ZAS Mitte März 2010. Nun ist die Finanzierung des Pilotprojekts für weitere drei Jahre gesichert. Im 125-köpfigen Gemeinderat gab es am Mittwochabend 98 Ja, 19 Enthaltungen (Grüne, EVP) und fünf Nein von der Alternativen Liste.

2015 will der Stadtrat die Erfahrungen auswerten. «Vielleicht wird die ZAS geschlossen, vielleicht beantragt die Stadt einen Kredit für einen definitiven Betrieb», sagte Stadträtin Claudia Nielsen (SP), Vorsteherin des Gesundheitsdepartement, vor dem Gemeinderat. Ein Allheilmittel sei die ZAS auf jeden Fall nicht, sagte Nielsen.

Teil der Kosten gehen auf Eingelieferte

In die ZAS zur Ausnüchterung unter medizinischer Überwachung eingeliefert werden von der Polizei Betrunkene. Allerdings nur solche, die sich selber, andere Personen, Tiere oder Gegenstände ernsthaft und unmittelbar gefährden und somit den Polizeieinsatz vorsätzlich oder grobfahrlässig verursacht haben.

Die dabei anfallenden medizinischen Kosten werden von den Krankenversicherungen der eingelieferten Personen übernommen. Die durch den Aufenthalt in der ZAS entstandenen Sicherheitskosten müssen die eingelieferten Personen selbst bezahlen.

Wer im «Hotel Suff» zwischen einer und drei Stunden verbringt, hat 600 Franken an die Sicherheitskosten zu zahlen, wer länger als drei Stunden bleibt, 950 Franken. Aufenthalte, die weniger als eine Stunde dauern, sind gratis.

Insbesondere die Kosten gaben im Rat viel zu Reden. CVP, FDP und Grüne hatten dazu Postulate eingereicht. Angenommen wurde ein CVP- Postulat, das forderte, dass auch Betrunkene, die in Regionalwachen gebracht werden, für die Sicherheitskosten zahlen sollen.

Keine Chancen hatten die FDP, die eine höhere, vollumfängliche Kostenbeteiligung verlangte sowie die Grünen. Letztere fanden die Verrechnung von Polizeikosten «grundsätzlich heikel» und verlangten einen Gratis-Aufenthalt im «Hotel Suff».

1300 Personen prognostiziert

In den letzten zwei Jahren wurden in den zwölf «Zimmern» der ZAS pro Jahr rund 600 Personen betreut. Diese Zahl wird laut Stadtrat auf jährlich etwa 1300 steigen, da die ZAS insbesondere ihre Öffnungszeiten etappenweise verlängert. Bisher war sie von Freitag 22 Uhr bis Sonntag 15 Uhr geöffnet.

Ab 2013 soll die ZAS (unter dem Namen ZAS ) von Montag bis Sonntag von 24 Uhr bis 15 Uhr in Betrieb sein und dadurch vor allem auch die Polizeiwachen in den Quartieren sowie Notfallaufnahmen in Spitälern entlasten.

Falls die ZAS in einen definitiven Betrieb mündet, besitzt die Stadt ab 2015 eine Zürcher Ausnüchterungs- und Betreuungsstelle (ZAB). Allerdings braucht es dann auch neue Räumlichkeiten. Der Platz in der Polizeiwache Urania reicht nicht für einen definitiven Betrieb.

Jugendliche schauen zueinander

Von Mitte März 2010 bis Ende Oktober 2011 wurden mehr als 900 Personen zwischen 14 Jahren und 72 Jahren in der ZAS betreut, 88 Prozent davon waren Männer. Minderjährig waren nur rund fünf Prozent der Betreuten.

Dass der Anteil Jugendlicher in der ZAS eher tief sei, zeige, dass diese oft in Gruppen unterwegs seien und «zueinander schauen», sagte Zürichs Polizeivorsteher Daniel Leupi (Grüne).

42 Prozent der Berauschten stammten aus der Stadt Zürich, 31 Prozent hatten ihren Wohnsitz in einer anderen Gemeinde im Kanton Zürich, und 27 Prozent kamen aus anderen Kantonen oder aus dem Ausland. Rund 50 Personen mussten in ein Spital überwiesen werden.

ZAS eventuell auch in Bern

Bisher ist Zürich die einzige Stadt in der Schweiz, die eine ZAS betreibt. Eine weitere wird vielleicht in Bern eingerichtet. Der bernische Grosse Rat hat im Januar 2011 eine ähnlich gelagerte Motion überwiesen.

Polizeidirektor Hans-Jürg Käser zeigte sich jedoch skeptisch. Für die Stadt Zürich möge eine ZAS eine gute Sache ein. Doch im Kanton Bern sei eine zentrale Lösung nicht sinnvoll. (kpn/sda)

Erstellt: 29.02.2012, 21:44 Uhr

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