Das Le-Corbusier-Haus wird für alle zugänglich

Ab Juli kann das berühmte Gebäude im Zürcher Seefeld an fünf Tagen in der Woche besucht werden. Es gehört jetzt der Stadt. Die Besucherzahl wird allerdings eingeschränkt.

Das Haus im Seefeld ist sein letztes Werk: Le Corbusier (1887–1965) im Jahr 1949. Foto: AP

Das Haus im Seefeld ist sein letztes Werk: Le Corbusier (1887–1965) im Jahr 1949. Foto: AP

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Zürich – Seit gestern ist das Corbusier-Haus an der Höschgasse im Eigentum der Stadt Zürich, weil nach 50 Jahren der Baurechtsvertrag abgelaufen ist. Drinnen im Centre Le Corbusier/Museum Heidi Weber befinden sich zahlreiche Werke des welt­berühmten Architekten aus La Chaux-de-Fonds, die allerdings nur selten zugänglich waren, da Heidi Weber für einen dauernden Ausstellungsbetrieb kein Geld hatte und keine öffentlichen Mittel erhielt.

Das ändert sich jetzt mit den neuen Besitzverhältnissen. Am ersten Juli-Wochenende findet die Neueröffnung des Museums statt. Bis Anfang Oktober ist es von Mittwoch bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 12 Franken. Möglicherweise müssen sich Interessierte mit dem Eintreten manchmal gedulden, denn aus Rücksicht auf Haus und Objekte wird die Besucherzahl auf 100 beschränkt. In den folgenden zwei Jahren ist das Museum von Frühsommer bis Ende Oktober geöffnet.

Im Erdgeschoss werden Geschichte und Pläne des Gebäudes gezeigt, im Unter­geschoss Film- und Tonbeiträge, im Obergeschoss Möbel und Literatur und übers ganze Haus verteilt grafische Arbeiten. Heidi Weber stellt mit einem Leihvertrag Exponate zur Verfügung; der Vertrag gilt für ein Jahr mit der Möglichkeit zur Verlängerung. Für den Museumsbetrieb bis 2016 hat der Stadtrat rund eine Million Franken bewilligt.

Eine neue Kulturmeile am See

Bis 2016 will die Stadt auch wissen, in welchem Zustand sich der filigrane Stahl-Glas-Bau befindet und in welchem Ausmass er saniert werden muss. Später soll dann eine öffentlich-rechtliche Stiftung das Museum betreiben, über deren Gründung und Betriebsmittel der Gemeinderat entscheiden muss. Kultur- Direktor Peter Haerle gab gestern im Corbusier-Haus vor den Medien weiter bekannt, dass Stadt und Kanton ein Konzept erarbeiten wollen, wie das Gebiet Höschgasse mit dem Museum Bellerive, dem Atelier Hermann Haller, der Villa Egli und dem Centre Le Corbusier zur kleinen Kulturmeile aufgewertet werden kann.

Für Stadtpräsidentin Corine Mauch handelt es sich um ein kulturelles Juwel, ein Meisterwerk von Le Corbusier und ein Lebenswerk von Heidi Weber. Sie äusserte ihre grosse Bewunderung, wie die alleinerziehende Mutter in den 1960er-Jahren das Projekt initiiert und durchgesetzt habe und dabei erhebliche finanzielle Risiken eingegangen sei. Leider sei das Verhältnis zwischen Weber und der Stadt lange getrübt gewesen, doch in mehreren Gesprächen während der letzten drei Jahre sei das gegenseitige Vertrauen gewachsen, und der Prozess habe sich für alle gelohnt.

Als Entschädigung für den Heimfall des Hauses an die Stadt erhält Heidi Weber, wie 1963 mit Gemeinderatsbeschluss vertraglich festgelegt, 70 Prozent der damaligen Anlagekosten, also 1,06 Millionen Franken. Heidi Weber sagte, sie habe von den städtischen Stellen 50 Jahre lang keinen Respekt erlebt. Corine Mauch sei die Erste gewesen, von der sie mit einem Blumenstrauss begrüsst wurde. Mauch und Haerle sei es zu verdanken, dass das Museum bald einer Stiftung übergeben werden könne und dass sie die Leih­gaben zur Verfügung stelle. Unter diesen Umständen tue ihr der Abschied nicht mehr weh.

Unter strengem Denkmalschutz

Im Alleingang und mit enormer Hart­näckigkeit schaffte es die junge Besitzerin des Inneneinrichtungsgeschäfts Mezzanin am Neumarkt, Le Corbusier für ein Bauwerk in Zürich zu gewinnen und der Stadt 495 Quadratmeter Land im Seefeld für 50 Jahre abzutrotzen. Während des Baus starb Le Corbusier 1965; es ist sein letzter umgesetzter Entwurf und sein einziges Gebäude in der deutschsprachigen Schweiz. Im Juli 1967 wurde das Centre Le Corbusier eröffnet und lockte in jenem Jahr 45'000 Besucher nach Zürich.

Selbstverständlich steht das Haus unter Denkmalschutz. Der stellvertretende Leiter der Kantonalen Denkmalpflege, Peter Baumgartner, sprach von einem Gebäude mit einzigartiger Qualität, einem Manifest der Nachkriegs­moderne, einem Architekturmonument des weltberühmten Le Corbusier.

Erstellt: 14.05.2014, 07:13 Uhr

Stadtrat lehnte Ehrung ab

Le-Corbusier-Platz umbenannt
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