Das Museum Bellerive zahlt keine Miete

Am Riesbacher Seeufer stehen drei Kulturzentren und eine Villa, die mehr aus sich machen könnten. Geldprobleme und Konflikte verhindern dies.

Das Haus gehört der Stadt, das Museum dem Kanton: Blick aus der Villa Egli auf das Museum Bellerive.

Das Haus gehört der Stadt, das Museum dem Kanton: Blick aus der Villa Egli auf das Museum Bellerive. Bild: SOPHIE STIEGER

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Am Anfang der Höschgasse, beim Hafen Riesbach, stehen Seite an Seite sehr verschiedene Kulturhäuser: Das Museum Bellerive, das Centre Le Corbusier von Heidi Weber, das Atelier des Bildhauers Hermann Haller (1880–1950) –und die seit Jahrzehnten von Mietern nur zwischengenutzte Villa Egli(Baujahr 1897). Statt dass die Häuser ihre Anziehungskraft steigern und als «Museumsquartier» gemeinsam um Besucher werben, kämpft jedes einzeln für sich und – ausser das Haller-Atelier – mit einer ungewissen Zukunft.

Stadt verzichtet auf 900 000 Franken

Besonders prekär ist die Situation des Museums Bellerive, das derzeit eine private Glassammlung ausstellt. Das Haus gehört der Stadt, das Museum darin – eine Dependance des Museums für Gestaltung – ist 2004 an den Kanton Zürich übergegangen. Dieser war derart in Finanznöten, dass erwogen wurde, das Museum Bellerive zu schliessen. Um das Museum zu retten, beschloss der Stadtrat, dem Kanton zu helfen: Die Stadt verzichtete als «Zeichen des Goodwills» für 2007 bis 2009 auf die Miete von 300 000 Franken pro Jahr.

Nun ist die dreijährige Schonfrist zur Hälfte verstrichen, und das Präsidialdepartement hat den Kanton sanft darauf hingewiesen, dass ab 2010 wieder der vertragliche Mietzins fällig sein werde. Zuständig ist die Bildungsdirektion, da das Mutter-Museum für Gestaltung zur Zürcher Hochschule der Künste gehört.

Noch hat die Bildungsdirektion offiziell nicht Stellung genommen. Aber Nachfragen des TA ergaben, dass in der kantonalen Verwaltung die starke Überzeugung herrscht, auch nach 2009 keine Miete zu zahlen. Wenn die Stadt Zürich so am Museum Bellerive hänge, dann solle sie Hand bieten zu diesem Kompromiss: Die Stadt verzichtet weiterhin auf die Miete, und der Kanton garantiert mit seinen ebenfalls 300 000 Franken den Ausstellungsbetrieb. Falls die Stadt auf der Miete beharre, müsse man wohl das Museum schliessen.

Für das Präsidialdepartement und den Kulturchef Jean-Pierre Hoby wäre dieser kantonale Vorschlag, der noch nicht auf seinem Schreibtisch gelandet ist, eine schlechte Lösung. Der Kanton hat sich bei der Übernahme des Museums zum Betrieb ebenso verpflichtet wie zur Zahlung der Miete. Die Finanzkrise treffe die Stadt nicht weniger als den Kanton, sagt Hoby.

Nach der Winkelwiese die Villa Egli

Um Geld geht es auch beim Centre Le Corbusier und bei der Villa Egli. Kulturell interessierte Kreise möchten die stark renovationsbedürftige Villa Egli wenigstens zum Teil für öffentliche Zwecke nutzen. Das Finanzdepartement aber will das Herrschaftgebäude zu Geld machen und es im Baurecht anbieten. Vorerst wartete man die Abstimmung um die Villa Winkelwiese ab. Dort entfachte das Baurecht für den Meistbietenden eine starke Oppositionsbewegung, die am 28. September um ein Haar erfolgreich gewesen wäre. Welche Lehren das Finanzdepartement daraus gezogen hat, wird sich zeigen, sobald die Baurechtsvorlage an den Gemeinderat geht. Frühere Pläne des Stadtrats, die Villa Egli der Volksrepublik China als Konsulat zu überlassen, waren nicht zuletzt am Widerstand der Riesbacher Bevölkerung gescheitert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.10.2008, 21:58 Uhr

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