Gute Nachtgeschichten

Das Oxa schliesst

Für Generationen von Partybesuchern war das Oxa eine Institution in der Clublandschaft. Nach 28 Jahren wird das Lokal zu einer Eventhalle umfunktioniert.

Der Club hat viel vom einstigen Renommee eingebüsst: DJ Tatana im Oxa (2004).

Der Club hat viel vom einstigen Renommee eingebüsst: DJ Tatana im Oxa (2004). Bild: Keystone

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Während die Zürcher Szene um die Clubs an der Geroldstrasse in Zürich-West bangt, verabschiedet sich jetzt eine Location, von der nicht wenige dachten, sie würde für immer bestehen: Das Kassenhäuschen des Oxa schliesst Ende März für immer. Die Inhaber um die Gebrüder Nicola und Bruno Schiavone haben nach «28 Jahren an der Front genug davon, sich Woche für Woche in einem zunehmend kompetitiven Umfeld zu exponieren».

Nach einem gründlichen Umbau wird anstelle des Oxa eine Eventhalle entstehen, für die vor allem die in Oerlikon ansässigen Firmen als potenzielle Kunden anvisiert werden. Auch der langjährige Geschäftsführer und Mitinhaber Ramesh Pednekar verlässt den Betrieb, der bereits 1985, damals noch unter dem Namen The Club, eröffnet wurde. Ab 1990 und nach der Umbenennung in Oxa setzte der Club zu einem Höhenflug an, der ihn bis weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt machte. Mit seinen berüchtigten Afterhours, den ersten in der Schweiz, übernahm das Oxa den Part des Gegenspielers zum glamourösen Kaufleuten und definierte damit nachhaltig den Zürcher Underground. Der Programmchef Davide Tropeano alias DJ Dave 202, der seit den Anfängen für das Oxa tätig ist, sieht der Schliessung mit Wehmut entgegen: «Klar bin ich traurig. Das Oxa war mehr als 20 Jahre lang mein Zuhause.»

Wilde Zeiten

In dieser Zeit hat sich ein reicher Fundus an Anekdoten angesammelt. Tropeano: «1997, nach einer Street-Parade, kam Sven Väth in den Club und liess verlauten, dass er jetzt gerne ein paar Platten auflegen würde, obschon er nicht gebucht sei. Aus den ‹paar Platten› wurden sieben Stunden, in denen Väth andere DJs, die sich erfrechten darauf aufmerksam zu machen, dass sie jetzt an der Reihe seien, mit vernichtenden Blicken wegwies.» Ein anderes Mal habe ein ziemlich betrunkener Westbam während einer Afterhour und in Kadettenuniform vor dem Oxa den Verkehr geregelt, und DJ Hell habe den ausrangierten Helikopter, der als DJ-Pult diente, als Klettergerüst zweckentfremdet.

«Denkwürdig war auch das Gastspiel des inzwischen verstorbenen Mark Spoon im Jahr 1994. Nach seinem Set bei uns wankte er ins Hotel Mövenpick, zerlegte dort die gesamte Einrichtung seines Hotelzimmers und beschloss dann, nochmals ins Oxa zu gehen, um weiterzufeiern. Bis heute dürfen wir aus diesem Grund keine DJs mehr im Mövenpick einquartieren», sagt Tropeano.

Ab der Jahrtausendwende begann der Stern des Oxa zu sinken. In Zürich-West schossen neue Clubs aus dem Boden, und andere Locations waren angesagter. Unangenehme Zwischenfälle mit hitzköpfigen Clubbern trugen dazu bei, dass sich der Club immer weiter aus dem Fokus der Szene entfernte.

Jedoch: Derweil nur wenige Nachtlebenbetriebe ihr zehntes Jahr des Bestehens erreichen, hat das Oxa beinahe ein Vierteljahrhundert durchgehalten. Und wenn es am 1. April nicht mehr existiert, werden nicht wenige feststellen, dass etwas fehlt. Und sei es «nur» eine Erinnerung an ein aufregendes Kapitel der eigenen Jugend. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.01.2013, 07:51 Uhr

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