Das Silo bekommt nasse Füsse

Nach dem Ja zum Swissmill-Silo geht die Zitterpartie für die Bauherrschaft weiter. Noch fehlen zwei Ausnahmebewilligungen und die Anwohner drohen mit Rekursen.

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Seit Sonntag ist klar: In Wipkingen wird das zweithöchste Gebäude der Schweiz entstehen. Knapp 60 Prozent der Zürcherinnen und Zürcher haben dem 118 Meter hohen Swissmill-Kornhaus zugestimmt.

Einen Tag nach der verlorenen Abstimmung herrscht Katerstimmung im Quartier. «Wir haben unsere rechtlichen Mittel ausgeschöpft. Als Verein können wir nun nichts mehr machen», sagt Quartiervereinspräsident Beni Weder. «Einzig die unmittelbaren Nachbarn können jetzt noch gegen den Bau des Silos rekurrieren.»

«Es geht einfach darum, die Chancen abzuklären»

Noch ist allerdings unklar, ob sie das auch tun werden. «Sie wollen das Baugesuch sicher genauer ansehen und zur Prüfung einen Baujuristen beiziehen», weiss Weder. Erst dann werde entschieden, ob sich ein weiteres Vorgehen grundsätzlich lohnt. «Niemand will wie ein Hardturm-Verhinderer auftreten. Es geht einfach darum, die Chancen abzuklären.»

Nun liegt der Ball bei der Swissmill. «In den nächsten Monaten werden wir ein Baugesuch einreichen», sagt Swissmill-Leiter Romeo Sciaranetti gegenüber Tagesanzeiger.ch. Bereits im Vorfeld seien bei der Ausarbeitung des privaten Gestaltungsplans rechtliche Abklärungen getroffen worden. «Wir sind daher zuversichtlich, dass mögliche Einsprachen gegenstandslos sein werden», so Sciaranetti.

Zu nah am Wasser gebaut

Das Swissmill-Projekt wurde dem Kanton und der Stadt Zürich bereits 2009 zur Vorprüfung vorgelegt. In zwei Bereichen muss das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft AWEL noch eine Ausnahmebewilligung erteilen. «Einerseits wird bei dem Projekt der Mindestabstand zum Gewässer nicht eingehalten. Andererseits muss das Fundament des Turms für die Aufstockung verstärkt werden. Das hat zur Folge, dass es in den mittleren Grundwasserspiegel hinab reichen wird», erklärt René Loner, Mediensprecher der Baudirektion Kanton Zürich.

Der Mindestabstand zum Gewässer ist bereits beim heutigen Silo unterschritten. «Es macht keinen Sinn, dass man das aufzustockende Gebäude extra abreisst, um den Abstand einzuhalten. Daher sollte dieser Punkt kein Stolperstein für den neuen Swissmill-Silo darstellen», so Loner. Auch der Bau des Fundaments dürfte laut Loner bewilligt werden. «In solchen Fällen sind die Bauvorhaben mit technischen Auflagen seitens des Kantons verbunden. Wir gehen aber davon aus, dass die Bauherrschaft bei ihrer Eingabe diese Auflagen einhalten wird.»

Sitzungszimmer im Turm wäre möglich

Neben den technischen Details wird auch das Erscheinungsbild des Swissmill-Silos erst mit dem Baugesuch definiert. «Heute kann ich noch nichts dazu sagen. Es ist noch zu früh», sagt Romeo Sciaranetti. Es sei auch noch nicht entschieden, ob im Turm ein Sitzungszimmer entstehen soll. «Es besteht die Möglichkeit, einen Arbeits- oder Sitzungsraum im obersten Stock des Silos einzurichten. Das ist so im privaten Gestaltungsplan festgehalten. Ob und in welcher Form dieser Raum tatsächlich errichtet wird, steht und fällt mit dem Baugesuch», so Sciaranetti. «Wir hoffen nun auf die Grösse der Gegner, den Entscheid des Stimmvolkes zu akzeptieren und das Projekt nicht weiter zu verzögern.»

Erstellt: 14.02.2011, 14:48 Uhr

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