Das Taxi, das fast nie fährt

Der neue Fahrdienst Uber Pop ist komfortabel und günstig. Bloss findet sich selten jemand, der einen mitnimmt. Und die, die es doch tun, handeln zum Teil illegal.

«Keine Autos verfügbar»: Uber-Smartphone-App. Foto: ham

«Keine Autos verfügbar»: Uber-Smartphone-App. Foto: ham

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Vor vier Wochen startete das Taxiunternehmen Uber in Zürich seinen neuen Dienst Uber Pop. Der Dienst vermittelt Fahrer ohne Taxilizenz und Taxiuhr – ein Hybride aus herkömmlichem Taxidienst und Mitfahrgelegenheit sozusagen. Ein Selbstversuch soll zeigen, ob und wie das Ganze funktioniert.

Es ist Montagmorgen, 11.30 Uhr, und wir wollen vom Stauffacher zum Flughafen fahren. Diese Fahrt würde zwischen 23 und 29 Franken kosten, sagt die Uber-Smartphone-App. Mit Uber X, dem Dienst, der professionelle Taxifahrer vermittelt, würde die gleiche Fahrt rund 40 Franken kosten. Ein Taxi, das den offiziellen Zürcher Taxitarif anwendet, wäre gar doppelt so teuer wie Uber Pop.

Die Freude über den Discount-Preis währt jedoch nicht lange, denn es findet sich kein Fahrer. «Keine Autos verfügbar», meldet die App. Die gleiche Rückmeldung erhalten wir auf vier weitere Fahrtanfragen, die wir innerhalb der nächsten vier Stunden tätigen. Weder zum Zoo noch zum Bahnhof Tiefenbrunnen, zum Escher-Wyss-Platz oder zum Triemlispital will uns jemand mitnehmen.

Ein angenehmer Nebenjob

Dann, endlich: Um 15.40 Uhr nimmt Fahrer Robert* die Anfrage für eine Fahrt zur Roten Fabrik an. Acht Minuten später steht sein silberfarbener Audi A4 an der Werdstrasse. Robert ist 30 und selbstständiger Internetunternehmer. Er ist erst seit vier Tagen für Uber im Einsatz, «weil ich gerne andere Menschen kennen lerne und aus technischem Interesse». Sein Wagen sieht aus wie neu und duftet auch so, er selbst ist freundlich und zuvorkommend. Die Strassen Zürichs scheint er auch ohne GPS gut zu kennen. Eine Bewertung mit fünf Sternen ist ihm damit sicher.

Die Fahrt zur Roten Fabrik kostet 10 Franken. Den Betrag belastet Uber unserer Kreditkarte. Eine Provision von 20 Prozent geht an das Unternehmen, der Rest an Robert. Der geringe Verdienst stört ihn nicht – dies sei schliesslich nicht sein Hauptjob, sondern ein angenehmer Nebenverdienst, mit dem er sich ein bisschen etwas dazuverdienen könne.

Am Wochenende lockt ein Bonus

«Am meisten lohnt es sich am Wochenende abends», sagt Robert. Nicht nur würden dann am meisten Fahrten bestellt. Freitags und samstags zwischen 17 Uhr und 5 Uhr zahlt Uber den Pop-Fahrern für jede Präsenzstunde einen Bonus von 20 Franken. Ausserhalb dieser Zeiten ist Uber Pop noch keine zuverlässige Alternative zum Taxi oder zu Uber X, wie unser Test zeigt. Auch am Montagabend zwischen 19 und 21 Uhr ist meist kein Auto in der Nähe.

Rasoul Jalali, General Manager von Uber Zürich, bestätigt unseren Eindruck: «Mit der Abdeckung am Wochenende sind wir schon sehr zufrieden. Die Verfügbarkeit unter der Woche werden wir bestimmt noch verbessern.» Wie viele Fahrer sich bereits für Uber Pop angemeldet haben, will er nicht sagen. Jalali sieht den neuen Service nicht als interne Konkurrenz zu Uber X. Die beiden Fahrdienste würden ein anderes Zielpublikum ansprechen.

Eine rechtliche Grauzone

Es scheint, dass Uber Pop momentan speziell als Taxiservice für Partygänger erfolgreich ist. Eine gute Sache, findet Robert: «Wenn sich drei oder vier Fahrgäste zusammentun, ist eine Fahrt mit Uber Pop zum Nachtclub oder nach Hause nicht teurer als der ÖV. Aber viel komfortabler.» Am vergangenen Freitagabend sei er rund sechs Stunden unterwegs gewesen und habe zwischen 10 und 15 Fahrten absolviert. Dass das illegal ist, ist dem 30-Jährigen nicht bewusst. Wer in dieser Frequenz Personen befördert, braucht laut Aussage der Zürcher Stadtpolizei eine Bewilligung dafür.

Aus diesem Grund laufen auch die etablierten Zürcher Taxiunternehmen Sturm gegen Uber Pop. Nicht ausgeschlossen, dass es den Dienst in dieser Form nicht lange geben wird. In Berlin beispielsweise musste Uber die Tarife des Dienstes so weit reduzieren, dass sie unter den Betriebskosten für ein Auto liegen. Nur so konnte ein Verbot abgewendet werden. Geld verdienen lässt sich damit allerdings nicht mehr.

Jalali sieht möglichen rechtlichen Schritten gelassen entgegen: «Das Angebot ist im Einklang mit den geltenden Gesetzen.» Die Tarife seien so niedrig, dass niemand von seinen Einkünften aus dem Fahrdienst leben könne. Darum könne nicht von einem gewerbsmässigen Personentransport gesprochen werden.

* Name von der Redaktion geändert

Erstellt: 02.12.2014, 12:39 Uhr

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