Das Triemli ist viel rentabler geworden

Markant mehr Patienten, die weniger lang bleiben. Das Stadtspital hat seine Effizienz verbessert.

Konnte Bettenbelegung so stark erhöhen wie kein anderes Spital: Das Stadtspital Triemli

Konnte Bettenbelegung so stark erhöhen wie kein anderes Spital: Das Stadtspital Triemli Bild: Keystone

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Das Triemli galt unter Spitalökonomen früher als wenig effizient, doch heute lassen sich seine Zahlen sehen. Das Stadtspital hat sich seit der Einführung der Fallpauschalen auffällig entwickelt. Vergleicht man seine Zahlen mit jenen der andern Zürcher Spitäler, die auf der Spitalliste sind und Grundversicherte aufnehmen, weicht es in mehrerer Hinsicht vom Durchschnitt ab.

Besonders sticht hervor, dass das Triemli markant mehr Patienten behandelt. 2014 zählte es 23?358 stationäre Fälle, das sind fast 9 Prozent mehr als 2012. Im ungefähr gleich grossen Kantonsspital Winterthur (KSW) betrug die Steigerung gut 3 Prozent, im kantonalen Schnitt 6 Prozent. KSW und Triemli sind nach dem Unispital das zweit- und das drittgrösste Spital im Kanton Zürich.

Rekordhohe Bettenbelegung

Konsequenterweise hat das Stadtspital Triemli seine Bettenbelegung so stark erhöhen können wie kein anderes Spital sonst, ausgehend allerdings von einem sehr tiefen Wert von 72,5 Prozent. Innert zweier Jahre stieg die Bettenbelegung auf rekordhohe 86 Prozent. Das KSW legte von 76 auf 77 Prozent zu und liegt damit leicht unter dem Zürcher Schnitt von 78,4 Prozent. Der Wert ist generell relativ tief, weil der Tag der Entlassung aus dem Spital nicht mitgerechnet wird. Würde dieser in der Statistik berücksichtigt, wären die Betten des Triemli 2014 zu 101 Prozent belegt gewesen.

Dabei bleiben Patientinnen und Patienten immer weniger lang im Spital. 2012 betrug die mittlere Aufenthaltsdauer im Triemli 6,1 Tage, 2014 nur noch 5,7 Tage. Kantonsweit liegt dieser Wert bei 5,8 Tagen. Von den grösseren Zürcher Spitälern hat lediglich Wetzikon die Liegedauer in den vergangenen zwei Jahren radikaler gesenkt, nämlich von 5,3 auf 4,7 Tage.

Immer in den hinteren Rängen

Mehr Patienten, die weniger lang im Spital bleiben: Das bedeutet mehr Umsatz und – da der Personalaufwand im Triemli nur unterdurchschnittlich gestiegen ist – am Ende auch eine höhere Rentabilität. Für das grosse Stadtspital war das dringend nötig, denn bislang war es ein teures Spital gewesen. Auf der jährlichen Rangliste der Gesundheitsdirektion zu den Fallkosten der Zürcher Spitäler belegte es immer einen der hintersten Plätze.

Letztes Jahr hat es sich nun aber von Platz 17 auf Platz 11 vorgearbeitet, indem es die Kosten eines durchschnittlichen Falles von 10'500 auf 10'000 Franken senken konnte. Zum Vergleich: Im KSW, das punkto Effizienz als Referenzspital gilt, kostete der Normfall 9770 Franken – fast 300 Franken mehr als im Jahr zuvor. Die meisten Zürcher Spitäler sind 2014 teurer geworden.

Ambulante Voruntersuchungen

Wie war es möglich, dass das Triemli in so kurzer Zeit ökonomisch dermassen zulegen konnte? Spitaldirektor Erwin Carigiet: «Bereits vor der Einführung der Fallpauschalen machten wir Schattenrechnungen und sahen, dass wir unsere Effizienz steigern mussten. Als wichtigste Massnahme richteten wir in der Folge das ambulante perioperative Zentrum ein.» Bei Patienten, die einen Wahleingriff im Triemli machen lassen, finden heute alle Voruntersuchungen ambulant statt. Treten sie ins Spital ein, werden sie noch am selben Tag operiert. So konnte die Aufenthaltsdauer massiv gesenkt werden.

Gleichzeitig wurde die Auslastung des Spitals erhöht, indem man von acht auf zehn Operationsspuren aufstockte und die Abläufe optimierte. Dabei profitierte das Triemli von einer Konzentration in der hochspezialisierten Medizin. «Wir machen heute komplizierte Operationen, die früher teilweise auch in kleineren Spitälern stattfanden», sagt Carigiet. Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit dem Stadtspital Waid, dem Limmattal-Spital und Affoltern.

«Bereits vor der Einführung der Fallpauschalen war klar, dass wir unsere Effizienz steigern mussten.»Erwin Carigiet, Spitaldirektor Triemli

Als weiteren Grund für die Effizienzsteigerung nennt Carigiet die funktionierende städtische Versorgungskette: Patientinnen und Patienten, die keine Akutpflege mehr brauchen, aber allein zu Hause noch überfordert wären, erhalten sofort einen Platz in einem städtischen Pflegeheim.

Die Stadt wird entlastet

Für die Stadt zahlt sich das finanziell aus. Musste sie 2011 noch ein Defizit von 42 Millionen Franken decken, schreibt das Triemli seit 2012 einen – wenn auch nur kleinen – Gewinn.

Nächstes Jahr wird sich die Lage allerdings wieder verschlechtern. Im Frühling 2016 geht das neue Bettenhaus in Betrieb – und das Spital muss in der Folge die Investition von 300 Millionen abschreiben. Carigiet rechnet mit zusätzlichen 15 Millionen Franken Anlagenutzungskosten pro Jahr und prophezeit: «Unsere Fallkosten werden wieder steigen.» Wenn es gut läuft, wird das neue Bettenhaus jedoch eine gewisse Sogwirkung auch auf zusatzversicherte Patienten ausüben – dies zumindest hofft Carigiet. Und die sind für die Rechnung Gold wert. Zudem hilft dem Triemli die wachsende städtische Bevölkerung. «Wir sind bereit, diese aufzunehmen», sagt der Spitaldirektor. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.08.2015, 07:28 Uhr

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