Das Volk entscheidet zum dritten Mal über ein Fussballstadion

Private Investoren treiben das Stadionprojekt auf dem Hardturm-Areal voran. Für die Umsetzung ist eine Abstimmung nötig – allerdings frühestens im Herbst 2018.

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Das Wunder von Zürich könnte doch noch wahr werden: Die Stadt soll ein neues Fussballstadion erhalten, die Eröffnung ist auf die Saison 2021/22 hin geplant. Für den Bau ist aber eine neue Volksabstimmung nötig – es ist bereits die Dritte im Zusammenhang mit einem Stadion auf dem Hardturm.

Geht die Projektierung der privaten Investoren und der städtischen Politik ideal voran, befinden die Zürcher im November 2018 darüber. Ob eine solche Abstimmung nötig wird, war vor einem Jahr, als die Stadt mit den Investoren die Pläne für das Stadion, die beiden Hochhäuser und die Genossenschaftswohnungen vorstellte, noch unklar.

Stadt unterstützt private Investoren

Die Stadt bestätigt den Zeitplan. «Wir unterstützen die privaten Investoren bei der Erstellung des privaten Gestaltungsplans und erarbeiten zusammen mit ihnen die Baurechtsverträge», sagt Patrick Pons, Sprecher des Finanzdepartements von Stadtrat Daniel Leupi (Grüne). «Ziel ist, die Pläne in diesem Herbst der Öffentlichkeit vorstellen zu können.»

Danach sei es am Parlament, die Vorlagen zu bearbeiten. Der Herbst 2018 sei damit der frühestmögliche Termin für eine Volksabstimmung. Pons betont, dass der Lead bei den privaten Bauträgern liegt, die Stadt das Projekt aber unterstützend vorantreibt.

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Fussballstadion mit Wohntürmen

Die Projekte werden weiter so geplant, wie sie vor knapp einem Jahr vorgestellt wurden, sagt Olivia Valier der HRS Real Estate AG. Dieses Unternehmen entwickelt und realisiert die Bauten im Auftrag der HRS Investment AG, der Immobilien-Anlagegefässe der CS und der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich (ABZ). «Das Konzept unseres Projektes Ensemble wurde nicht verändert», sagt sie.

Dazu gehören neben dem Fussballstadion die beiden Wohn- und Geschäftstürme, die mit 137 Metern Höhe 11 Meter höher sind als der Prime Tower, sowie die 173 Genossenschaftswohnungen. Das Stadion soll dabei zuerst erstellt werden, Hochhäuser und Wohnungen etappiert im darauffolgenden Jahr. HRS hat den Investorenwettbewerb für das Projekt gewonnen und erstellt momentan ein anderes, riesiges Bauwerk in Zürich – das Polizei- und Justizzentrum (PJZ).

Platz für 18'500 Zuschauer

Die gesamte Überbauung auf dem Hardtrum wird rund eine halbe Milliarde Franken kosten, das Fussballstadion 18'500 Zuschauern Platz bieten. Bei internationalen Spielen, an denen Stehplätze verboten sind, fasst das Stadion noch 16'000 Personen.

Die beiden Fussballclubs Grasshoppers Zürich und der FC Zürich erhalten, was sie sich wünschen: Stehplätze, Fankurven hinter den Toren für jeweils 3500 Personen, VIP-Plätze für 1200 Personen, 10 Logen mit jeweils 10 Plätzen. Und eine Gastronomie, die die Clubs selber betreiben dürfen, was ihnen zusätzliche Einnahmen bietet. «Es ist absolut wichtig, dass wir das erhalten, ohne können wir nicht weiterleben», sagte GC-Präsident Stephan Anliker vor einem Jahr.

Die Stadt muss weder für den Bau noch für den Betrieb des Stadions Geld investieren. Im Gegenteil: Finanzvorsteher Leupi sagte vor einem Jahr, er rechne mit einem Baurechtszins von 1,1 bis 1,4 Millionen Franken.

Furcht der Fans vor der Volksabstimmung

Bereits zwei Mal haben die Stadtzürcher über ein Fussballstadion auf dem Hardturm abgestimmt. 2003 hatten die Stimmberechtigten Ja gesagt zum Projekt «Pentagon», einem Stadion für 30'000 Zuschauer mit Einkaufszentrum. Es gab aber zahlreiche Einsprachen, die CS als Investorin gab das Vorhaben auf und verkaufte das Grundstück der Stadt für 50 Millionen Franken – mit der Auflage, dort eine Sportstätte zu errichten.

Vor vier Jahren lehnten die Stadtzürcher ein zweites Projekt ab: Die Stadt wollte das Stadion für 216 Millionen Franken selber bauen – das erschien 50,8 Prozent der Stimmberechtigten eine zu grosse Summe. Der Stadtrat schloss damals kategorisch aus, dass auf dem Hardturm je wieder Spitzenfussball gespielt wird. «Der Hardturm ist als Standort für die Stadt kein Thema mehr», sagte Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP). Auch Sportminister Gerold Lauber (CVP) und Hochbauvorstand André Odermatt (SP) erklärten resigniert, dass ein Fussballstadion auf dem Hardturm für immer gestorben sei.

Zu verstehen sind deshalb die Reaktionen von GC-Fans, als am Wochenende erste Gerüchte rund um eine allfällige Volksabstimmung um ein Hardturmstadion die Runde machten. «Eine Volksabstimmung ist eine sehr schlechte Nachricht», schrieb einer in einem Fanforum. Und ein anderer: «Es wird niemals es neues Stadion geben. Die Linken werden auch das wieder verhindern.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.06.2017, 11:00 Uhr

Der lange Weg zum neuen Hardturmstadion

2003
Die Zürcher stimmen über das sogenannte Pentagon-Projekt ab. Ein Stadion, das 30'000 Zuschauer gefasst hätte – mit Shoppingcenter in der Mantelnutzung. Die Credit Suisse (CS) sollte es bauen, die Stadt sich mit 47,7 Millionen Franken daran beteiligen. Das Stimmvolk nimmt das Projekt an der Urne deutlich an.

2004
Das Pentagon-Stadion hätte Austragungsstätte für Spiele der EM 2008 werden sollen, welche die Schweiz und Österreich organisierten. Rekurse von Anwohnern blockieren den Bau des Stadions jedoch; bald ist klar, dass es mit dem Bau bis zur EM knapp werden könnte.

2005
Da der Hardturm vielleicht nicht rechtzeitig auf die EM fertig sein wird, forciert der Stadtrat den Neubau des Letzigrunds. Im Juni 2005 heissen die Stimmbürger den Neubau und einen 11-Millionen-Zusatzkredit für die Eurotauglichkeit des Stadions gut.

2008
Im Sommer finden im neuen Letzigrund EM-Spiele von Frankreich, Italien und Rumänien statt. Im Winter folgt der Abbruch des Hardturms, in dem seit mehr als einem Jahr kein Spiel mehr ausgetragen worden ist.

2009
Der Rechtsstreit, der den Pentagon-Bau blockiert hat, dauert weiter an. Die Credit Suisse reagiert darauf, indem sie aus dem Projekt aussteigt. Die Grossbank verkauft das Areal für 50 Millionen Franken der Stadt, die nun selber ein Stadion bauen will.

2010
Die Stadt will ein kleineres Stadion ohne Shoppingcenter: 16 000 Zuschauer und gemeinnützige Wohnungen sollen auf dem Hardturmareal entstehen.

2013
Das Badener Büro Burkard Meyer Architekten gewinnt den Wettbewerb. Über das Stadion, das 216 Millionen Franken gekostet hätte, stimmen die Zürcher 2013 ab. 50,8 Prozent sind dagegen.

2014 bis 2016
Trotz Niederlage an der Urne schreibt die Stadt 2014 einen neuen Investorenwettbewerb aus. Fünf Bewerberteams nehmen teil, HRS geht mit dem Projekt Ensemble als Gewinner hervor.

Voraussichtlich 2018
Die Stadtzürcher Stimmbürgerinnen und Stimmbürger stimmen zum dritten Mal über ein neues Hardturmstadion ab.
(sip)

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