Das Witiker-Huus darf abgerissen werden

Das alte Haus im Zentrum des äussersten Zürcher Stadtquartiers ist laut Gericht nicht schutzwürdig. Doch die Freunde des Gemeinschaftszentrums geben nicht auf.

Das Quartier hängt an diesem Haus: Witiker-Huus an der Witikonerstrasse 405.

Das Quartier hängt an diesem Haus: Witiker-Huus an der Witikonerstrasse 405. Bild: Google Street View

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Das sogenannte Witiker-Huus gehört der Pensionskasse von Swiss Re und wird im Quartier Witikon seit über 35 Jahren als Gemeinschaftszentrum genutzt. Doch seit zwei Jahren droht ihm der Abriss, weil Swiss Re an seiner Stelle eine Wohnüberbauung realisieren will und der Stadtrat das Haus aus dem kommunalen Inventar schützenswerter Bauten entlassen hat.

Unterstützt von der Quartierbevölkerung, hat der Zürcher Heimatschutz beim Baurekursgericht gegen den Entscheid des Stadtrats rekurriert. Das Witiker-Huus sei ein wichtiger Zeuge der liberalen Epoche im 19. Jahrhundert, und es habe auch einen prägenden Charakter im Unterdorf von Witikon. Aus diesem Grund sei es schutzwürdig.

Das Haus zeugt gemäss den Heimatschützern zudem von einem wichtigen Witiker Bürger, dem ehemaligen Gemeindepräsidenten Hans Jacob Lang, der das Haus 1842 als seinen repräsentativen Wohnsitz an die neue Strasse baute, die ins Glattal hinunterführte. Im stattlichen Haus war damals auch eine Gaststätte und später die Poststelle untergebracht.

Bausubstanz ging verloren

Nun stellt sich das Baurekursgericht hinter den Stadtrat. Er habe bei der Beurteilung einen erheblichen Ermessensspielraum. Er habe sich auch nicht über ein Gutachten hinweggesetzt, sondern sei der Empfehlung der Denkmalpflegekommission gefolgt, der ein grosses Fachwissen zu attestieren sei.

Im Witiker-Huus sind zwar noch Teile des ursprünglichen Baus vorhanden, doch bei einem Umbau 1983 sind grosse Teile der Originalsubstanz verloren gegangen, auch die ursprünglich angebaute Scheune ist abgerissen worden. Somit sei eine Entlassung aus dem Inventar zu genehmigen. Auch für den Ortsbildschutz sieht das Gericht den Erhalt des Witiker-Huus nicht als zwingend an. Denn auf der anderen Seite der Dorfkreuzung ist ein ähnliches Haus bereits aus dem Inventar entlassen worden. Es soll ebenfalls durch einen Neubau ersetzt werden.

Kritik des Heimatschutzes

Enttäuscht ist die IG Pro Witiker-Huus. «Wir können die Argumentation des Gerichts nicht nachvollziehen», sagt Stephanie Giger-Reich. Zusammen mit dem Quartierverein hat die IG im Sommer eine Petition mit über 2000 Unterschriften eingereicht. Laut Giger-Reich wird sich die IG nun mit den Verantwortlichen von Swiss Re zusammensetzen und alternative Projektvorschläge für die Überbauung machen, bei denen das Witiker-Huus erhalten bliebe.

Der Heimatschutz prüft derzeit, ob er den Entscheid weiterziehen soll. Präsident Martin Kilias sieht eine grosse Schwäche im Urteil. Die Umbauten von 1983 seien vom Denkmalschutz begleitet worden. Es sei deshalb seltsam, dass sie nun als Hauptargument gegen die Unterschutzstellung gewertet würden.

Erstellt: 15.10.2019, 11:32 Uhr

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