«Das beweist, wie gefährlich diese Dealer sind»

Ein Drogenhändler schlug einen Ladenbesitzer im Kreis 4 spitalreif. Rolf Vieli, Leiter des Projektes Langstrasse Plus, spricht über die Ursachen der eskalierenden Gewalt in der Drogenszene.

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Rolf Vieli, ein Ladenbesitzer wurde an der Hohlstrasse von einem mutmasslichen Drogenhändler mit einer Eisenstange niedergeschlagen. Gehören solche Übergriffe nun zur Tagesordnung?
Die Szene wurde in den letzten Jahren aggressiver, aber wir können nicht feststellen, dass sie dieses Jahr grösser wäre als letztes Jahr. Die Grösse der Szene ist immer Schwankungen unterworfen, vor allem in den Sommermonaten wird sie jedes Jahr sichtbarer. Wenn es kalt ist und regnet dann wird die Szene wieder kleiner. Das beweist, dass die Behauptung, die Drogensüchtigen können nirgends hin, falsch ist. Trotzdem, der aktuelle Vorfall zeigt, wie gefährlich diese Drogenhändler sind.

Der Vorfall zeigt auch, dass das Quartier ein Problem mit dem Drogenhandel hat. Was sind die Ursachen?
Die Langstrasse ist nach wie vor als Drogenumschlagplatz bekannt. In der Gegend sind viele Konsumenten ansässig. Andere Städte üben Druck auf ihre Szene aus, worauf deren Konsumenten auch zu uns kommen. Die Dealer verlieren zunehmend die Achtung vor den Bewohnern, viele konsumieren Alkohol, was in Verbindung mit Kokain zu einer verheerenden Aggressivität führt.

Wie soll man dem Problem begegnen?
Auch wenn niemand ein Polizeistaat will, die sichtbare Präsenz der Polizei muss verstärkt werden, die verdeckten Ermittlungen ausgebaut. Die Polizei muss äusserst flexibel auf die Veränderungen in der Szene reagieren und braucht auch eine gute Unterstützung durch die Justiz. Diese muss dem Umstand Rechung tragen, dass auch der Kleindeal dem Quartier immensen Schaden zufügt.

Ab dem 1. Januar treten Rayonverbote in Kraft. Werden diese etwas bringen?
Auf jeden Fall. Rayonverbote erleichtern die Arbeit der Polizei. Und mit den Rayonverboten gelingt es einfacher, die Szene zu zerstreuen. Wenn sie keinen angestammten Platz für den Handel und das Bunkern der Drogen mehr hat, ist ihr Geschäft viel schwieriger.

Morgen Samstag treffen sich Bewohner des Quartiers zu einer Manifestation. Besteht da nicht die Gefahr, dass ein offener Konflikt zwischen Drogenhändlern und Quartierbewohnern entsteht?
Wir raten den Quartierbewohnern dringend davon ab, Bürgerwehren oder Ähnliches zu bilden. Aber ich befürworte sehr, dass sich die Bewohner hinstellen und sagen: Das Quartier gehört uns, und wir wollen keinen Drogenhandel hier. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.09.2008, 22:35 Uhr

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