Das bietet der neuste Weihnachtsmarkt

Der Münsterhof will sich von anderen bestehenden Märkten abheben. Wie gut das gelingt, zeigt unser Test.

«Brauchts den noch?» Die TA-Redaktion testet den Münsterhof-Weihnachtsmarkt und erkennt einige Qualitäten. (Video: Sacha Schwarz. Anja Stadelmann)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seit Donnerstag ist Zürich um einen Weihnachtsmarkt reicher: Erstmals wird nun auch auf dem Münsterhof konsumorientiert der Advent zelebriert. Anders sein als die anderen, ist das Credo der Macher (Alles zum neuen Weihnachtsmarkt lesen Sie hier). Doch schaffen sie das tatsächlich?

Der Ort

Wenn es für einen Weihnachtsmarkt in Zürich einen idealen Platz gibt, dann ist das der Münsterhof. Die prächtigen Altstadthäuser und das Fraumünster bilden nicht nur eine stimmige Kulisse, sondern verleihen dem Ort auch jene Behaglichkeit, die solch ein Anlass braucht. Die Veranstalter verstehen es, diese Wirkung zu bewahren. Vor allem, weil der Platz nicht unnötig dicht verstellt ist wie der Sechseläutenplatz. Schön auch die Geste, die als Dekoration genutzten Fichten vom Uetliberg am 24. Dezember zu verschenken.

Bewertung:

So sieht es nach Einbruch der Dunkelheit aus. Bild: Dominique Meienberg

***

Das Angebot

Raclette, Crêpes, Würste und Glühwein findet man auch auf dem Münsterhof. Umsonst gibt es aber nur den Geruch. Schon für einen Glühwein muss man eine rote Banknote zücken – vorausgesetzt, man will etwas für die Umwelt tun. Dann gibt es 2,5 Deziliter in einer Mehrweg-Tasse aus Emaille für 15 Franken (rot) beziehungsweise 16 Franken (weiss). Wer die Tasse wieder zurückbringt, erhält 7 Franken Depot, aber keine Antwort darauf, warum der weisse Glühwein teurer ist als der rote.

Die Schokoküsse sind mit 2.50 Franken vergleichsweise günstig. Wer lieber Austern schlürft und dazu am Champagner nippt, kommt hier auf seine Rechnung – im doppelten Wortsinn. Ansonsten verkaufen Händler auf dem Platz mehrheitlich bekannte Produkte aus der Stadt: Soeder seine Seifen, Micro seine Trottinetts und Dilly seine Socken. Ganz durchziehen können die Veranstalter den Slogan «Von Zürich für Zürich» indes nicht, denn auch der Berner Holzspielwaren-Hersteller und Sänger Marc Trauffer ist mit einem Stand am Markt vertreten.

Daneben bietet der Münsterhof eine kleine, kostenlose Portion Kultur im Igluzelt. Neben zahlreichen Auftritten von Musikensembles des Konservatoriums Zürich stehen Lesungen, eine Führung und Siebdruck-Workshops auf dem Programm. Eine Eisbahn wie der Sechseläutenplatz kann der Münsterhof nicht bieten, aber wegen der Standanordnung kommen die Produkte besser zur Geltung.

Bewertung:

***

Die Stände

Statt in rustikalen Holzhütten mit Giebeldach werden die Waren in 38 einfachen Holzkuben dargeboten. Das ist eine Form, die nicht die grosse Winterwohligkeit verströmt, eher kühl wirkt, aber sich durch die Schlichtheit überzeugend von den Altstadthäusern abhebt und diese nicht unnötig konkurrenziert. Die neu entwickelten Stände sind hell und funktional, der kupferfarbene Anstrich verleiht ihnen zumindest eine dezent warme Note.

Bewertung:

Cooles Design statt Holzhütten-Biederkeit. Bild: Dominique Meienberg

***

Das Publikum

Die Lage des Münsterhofs spiegelt sich in den Besuchern: Hier flanieren die Wohlhabenden, die gerne an der nahen Bahnhofstrasse einkaufen. Da das Fraumünster ein Tourismus-Hotspot ist, zieht er auch viele Besucher aus dem Ausland an. Für alle ist der beleuchtete Rentierschlitten samt Böögg ein beliebtes Selfiesujet, auch dank Tannenbaum und Fraumünster im Hintergrund. Diese Selbstdarsteller sind zwar gewöhnungsbedürftig, nerven aber weniger als johlende Angetrunkene, wie man sie von anderen Weihnachtsmärkten kennt. Das Angebot an den Ständen wäre durchaus auch auf weniger extrovertiertes Volk zugeschnitten, aber solche Kundschaft scheint hier (noch?) in der Minderheit.

Bewertung:

***

Die Stimmung

Wenn es so etwas wie beschaulich-dezentes Fröhlichsein gibt, wäre das die richtige Bezeichnung für die Atmosphäre, die der Markt verbreiten will. Auf grosse Rummelmaschinen und Gaudibühnen wurde verzichtet. Wenn es so etwas wie Action gibt, dann beim Zuschauen, wie sich die Selbstverliebten auf dem Rentierschlitten in Szene setzen.

Bewertung:

Weihnachtsmarkt Münsterhof bis 24. Dezember 2019, Mo bis Sa, 11 bis 21.30 Uhr, So, 11 bis 20 Uhr

Erstellt: 22.11.2019, 18:33 Uhr

Sicherheitsmassnahmen für Weihnachtsidylle

Auffällig am Markt auf dem Münsterhof sind die mobilen Poller an allen drei Zufahrten. Diese mobilen Barrieren, auch Fahrzeugrückhaltesysteme, sollen die Standbetreiber vor Terrorangriffen mit LKWs schützen. Ausser Zweirädern ist der Zugang so auch allen anderen Fahrzeugen nicht möglich. Im Vorfeld der Beschaffung der mobilen Barrieren haben Kritiker eingebracht, dass deren Schutzwirkung teilweise zu gering sei. Die Stadtpolizei schrieb das mobile Fahrzeugrückhaltesystem Anfang 2018, brach es aber ab, weil keiner der Bewerber alle Kriterien erfüllen konnte. Den Zuschlag bekam schliesslich das bestehende System Armis One. Dieses kann einen 7,5-Tonnen schweren Lastwagen aufhalten, wenn er mit bis zu 50 Kilometern pro Stunde unterwegs ist. Die Stadtpolizei hat die Barrieren am Züri Fäscht und an der Street Parade getestet und setzt sie nun neben dem Münsterhof auch im Weihnachtsdorf auf dem Sechseläutenplatz ein. Dort kommen jedoch nur zwei Barrieren zum Einsatz, die anderen Zufahrten sind mit Metallgittern geschützt. Auch die SBB haben sich am Zürcher Hauptbahnhof gegen unliebsame Fahrzeuge gewappnet. Sie haben 20 Betonboxen mit Weihnachtsbäumen aufgestellt. Diese sind zwar im Boden verankert, sind aber im Fall einer Notfallrettung dennoch verschiebbar. (ema)

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

In allen Farben: Die Saint Mary's Kathedrale in Sydney erstrahlt in ihrem Weihnachtskleid. (9. Dezember 2019)
(Bild: Steven Saphore) Mehr...