Das grosse Abheben beginnt

Nervöse Bankkunden eröffnen Schliessfächer, um ihr Erspartes zu bunkern. Und sie bringen ihr Geld in Bündeln mit, wenn sie ein neues Konto eröffnen.

Karikatur: Felix Schaad.

Karikatur: Felix Schaad.

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An die langen Schlangen vor den Goldschaltern haben sich die Banken schon gewöhnt. Neu für sie ist der Andrang im Tresorraum. Zum Beispiel bei der UBS: Sie verzeichnet seit einigen Wochen «auffällige Zuwachsraten» bei der Vermietung von Schliessfächern. So beobachtet das Bankpersonal erstaunt, wie Leute erst ihr Konto plündern und dann bündelweise Hunderter- und Tausendernoten in ihr Schliessfach legen. Vermehren wird sich das Geld dort nicht. Dafür können die Besitzer ruhiger schlafen. Denn was sie im Schliessfach deponieren, sehen sie auch wieder, wenn die Bank plötzlich Pleite gehen sollte.

«Irrational» nennt UBS-Sprecher Andreas Kern dieses Verhalten. «Die gleichen Ängste führen dazu, dass sich die Leute trotz der hohen Preise in Gold flüchten.» Den gebeutelten Geldinstituten tun die Kunden keinen Gefallen damit, wenn sie ihr Vermögen einschliessen oder vergolden. Im Gegenteil: Das verschärft nur den Liquiditätsengpass der Banken.

Die Kunden wollen Bares

Trotzdem ist Bargeld zurzeit bei der Kundschaft höchst gefragt. Und sie holen es sich nicht nur am Schalter, sondern leeren auch die Bankomaten. Das bestätigt die Credit Suisse: «Bei unsicheren Finanzmärkten stellen wir einen erhöhten Liquiditätsbedarf bei Kundinnen und Kunden fest», sagt Sprecher Dorjee Kokasang. Detaillierte Zahlen verrät die CS keine. Genauso wenig wie die UBS, die auch einen Anstieg beim Automatenbezug registriert.

Diese gestiegene Nachfrage nach Bargeld spürt auch das Unternehmen, das die Banken mit Frischgeld versorgt. Die Mat Securitas AG (MSE) ist die Marktführerin in der Schweiz für Geld- und Wertsachentransporte. «Wir liefern zurzeit deutlich mehr Bargeld und Edelmetalle aus als vor der Finanzkrise», sagt Corinne Fischer von MSE. Die Firma habe deshalb ihre Transportkapazitäten erhöhen müssen.

Zustände wie in Deutschland herrschten aber noch nicht, versichert Fischer. Dort legt das Geldtransportgewerbe inzwischen Sonderschichten ein, um die Banken mit genügend Barem einzudecken. In Grossstädten muss es Bankomaten, die sonst nur einmal pro Tag nachzufüllen sind, zwei- bis dreimal täglich füttern.

Und was machen nervöse Kunden mit dem vielen Bargeld? Wenn sie es nicht zu Hause horten, bringen sie es zu einer anderen Bank. Die Zürcher Kantonalbank etwa wird zurzeit regelrecht überrannt. Sie empfängt Tausende neue Kundinnen und Kunden pro Monat.

Volle Geldkoffer machen verdächtig

Für die Kunden wäre es am einfachsten, ihr Erspartes einfach an die neue Bank zu überweisen. Doch ein 50-jähriger Winterthurer machte es anders: Er hob kürzlich bei der UBS kurzerhand 50'000 Franken ab, stopfte sie in seine Jacke und trug sie zur Staatsbank auf der anderen Strassenseite. Das ist kein Einzelfall: «Es kommt durchaus vor, dass neue Kundinnen und Kunden ihr Geld bar einzahlen wollen – auch grössere Beträge», sagt ZKB-Sprecherin Nadia Batzig. In diesem Fall macht das Schalterpersonal die Leute jeweils auf mögliche Probleme aufmerksam: Erstens sei es grundsätzlich gefährlich, so viel Geld auf sich zu tragen, so Batzig. «Zweitens kann es die Kontoeröffnung verkomplizieren. Bei hohen Bargeldeinzahlungen sind wir von Gesetzes wegen verpflichtet, eine Geldwäschereiprüfung durchzuführen.»

Damit ist klar: Es sind schon Leute mit ziemlich dicken Geldkoffern in die ZKB-Schalterhallen spaziert. Denn vorgeschrieben ist die Risikoprüfung für die Banken erst, wenn jemand über 100'000 Franken einzahlt. In bar. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.10.2008, 06:32 Uhr

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