«Das ist ein Blödsinn»

TeleZüri nahm Corine Mauch und Filippo Leutenegger in die Zange. Vor allem Mauch wurde deutlich. Und sehr persönlich.

Sprach vom schon Geleisteten, von Weitsicht und grossen Zusammenhängen: Corine Mauch, Stadtpräsidentin seit 2009, in der Sendung TalkTäglich auf TeleZüri.

Sprach vom schon Geleisteten, von Weitsicht und grossen Zusammenhängen: Corine Mauch, Stadtpräsidentin seit 2009, in der Sendung TalkTäglich auf TeleZüri. Bild: TeleZüri

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Sie spielte die fröhliche Amtsinhaberin. Er gab den höflichen Herausforderer. Und beide wollten im wichtigsten Duell dieses Zürcher Stadtratswahlkampfs vor allem eines: einen Fehltritt vermeiden. Das gelang Corine Mauch (SP) und Filippo Leutenegger (FDP) gestern Abend auf TeleZüri leidlich. Die Frage war darum nicht, wer die besseren Argumente hatte, sondern wer sie dem TV-Publikum besser verkaufte. Und da spielten die beiden auf sehr verschiedenen Klaviaturen.

Mauch, Stadtpräsidentin seit 2009, sprach vom schon Geleisteten, von Weitsicht und grossen Zusammenhängen. Von einer «Leistungsüberprüfung, die in Erarbeitung ist», war die Rede. Dass der Stadtrat aus der Unterinvestition der 90er-Jahre gelernt habe, dass es ihm gelungen sei, einen «Riesenbilanzfehlbetrag von minus anderthalb Milliarden Franken» abzubauen, dass der Stadtrat «Anreizstrukturen» für einen umweltfreundlichen Verkehr schaffen wolle. Was den papierenen Leistungskatalog erträglich machte, war Mauchs konstantes Lächeln in die Kamera.

Mauch lacht schallend

Aber Mauch kann auch anders. Nämlich perlend lachen. Lachen über die lockeren Scherzchen von Moderator Markus Gilli. Lachen aber auch über die Argumente von Leutenegger. Als er ihr eine ideologische Verkehrspolitik vorwarf, konterte Mauch mit einem schallend dahergelachten «Das ist ein Blödsinn» und «Das ist alles so falsch» und «Er ist nicht informiert».

Filippo Leutenegger umgekehrt sprach über die «Kostenexplosionen», über die «Zeitbombe» Stadtfinanzen und dass es «hart und bitter» werde, wenn der neue Stadtrat nicht sofort ernsthaft spare. Sein Versprechen an die Wähler war, dass er gegen eine Steuererhöhung «kämpfen» werde. Moderator Markus Gilli versuchte beflissen und vergeblich, aus Mauch ein klares Bekenntnis für oder gegen Steuererhöhungen herauszukitzeln. Das brachte Leutenegger auf die Palme: «Es ist unehrliche Politik, wenn Sie den Wählern erst nach den Wahlen sagen, ob Sie eine Steuererhöhung zu erwarten haben oder nicht.» Corine Mauch gab keinen Millimeter preis und stellte vorübergehend sogar ihr Lächeln ein: «Es wäre Sand in die Augen der Wähler gestreut, wenn ich irgendeine Garantie abgeben würde.»

Seine tiefschwarzen Prognosen und die Schweiss-und-Tränen-Rhetorik dämpfte Leutenegger – im blütenweissen Hemd – mit ausgesuchter Höflichkeit. Er liess Mauch ausreden und reagierte gar nicht auf ihre Angriffe gegen seine Fachkompetenz.

Gut möglich, dass Leutenegger damit mehr Sympathien gewann als die fröhliche Stadtpräsidentin. Ausser man sieht Zürichs Politik ebenso heiter wie sie. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.01.2014, 07:20 Uhr

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