Das sind die Knacknüsse für den Zürcher Seepark

Für die angepeilte Erholungszone im Seebecken sind einige Hürden zu überwinden.

Die Strasse über die Quaibrücke versperrt den direkten Zugang für Fussgänger zum See. Foto: Andrea Zahler

Die Strasse über die Quaibrücke versperrt den direkten Zugang für Fussgänger zum See. Foto: Andrea Zahler

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Zürich gehört nicht zuletzt wegen der zahlreichen Grünflächen rund um das Seebecken zu den lebenswertesten Städten. Und doch sind sich viele einig, dass man das Gebiet noch aufwerten kann. In der Vergangenheit gab es dazu immer wieder mehr oder weniger visionäre Vorschläge.

Viele sind sich einig, dass man das Gebiet um das Seebecken noch aufwerten kann.

Die neuste Vision stammt von einer Gruppe prominenter Zürcher rund um den Immobilieninvestor Urs Ledermann und den Architekten Walter Wäschle. Sie haben sich diesen Sommer im Verein IG Seepärke Zürich zusammengetan, um ein «Jahrhundertprojekt» anzustossen: die Vereinigung der Grünflächen von Tiefenbrunnen bis Wollishofen zu einer grossen Erholungszone.

In diesem Gebiet gibt es drei Problemzonen, die bereits in der Vergangenheit eine grosse Herausforderung dargestellt haben.

Knappe Quaibrücke

Allem voran steht das Gebiet zwischen Bürkliplatz und Bellevue. Die Strasse vom General-Guisan-Quai über die Quaibrücke zum Utoquai versperrt den direkten Zugang für Fussgänger von der Bahnhofstrasse zum See. Zudem staut sich auf der Brücke der Verkehr, und auch nach der Verbreiterung der Quaibrücke 2016 kommen sich Velos und Fussgänger noch immer in die Quere. Zur Entlastung wurde in der IG Seepärke die Idee einer zweiten Brücke aufgebracht. Orientieren will man sich dabei am Beispiel Rapperswil, wo neben der Seedammstrasse, über die der Auto- und Zugverkehr führt, eine Holzbrücke für Fussgänger gebaut worden ist. Dies geht zumindest aus Vorstandsprotokollen hervor. Die IG will sich noch nicht zu ihren eigenen Plänen äussern.

Strasse schottet Quartier ab

Von den Plänen ist das Land rund um den See betroffen, das in städtischem Besitz ist. Grün Stadt Zürich beteiligt sich aktiv an der IG: Die Direktorin gründete den Verein mit und sitzt im Vorstand. Doch mit dem Kanton fehlt ein entscheidender Player. Er bestimmt über die Seeparzellen. Bisher wurde man noch nicht offiziell über die Pläne informiert, heisst es bei der Baudirektion. Direktor Martin Neukom (Grüne) gehört zu jenen Personen, die die IG noch in ihre Planung einspannen möchte, wie es im Vorstandsprotokoll heisst. Nicht namentlich aufgeführt ist Carmen Walker Späh (FDP). Als Volkswirtschaftsdirektorin ist sie für den Verkehr zuständig und bei der Planung die entscheidende Ansprechperson. Auch hier ging bisher keine offizielle Anfrage ein.

Die Strasse Utoquai schottet den Sechseläutenplatz und das Wohnquartier Seefeld zum See hin ab. Foto: Andrea Zahler

Involviert wäre sie auch bei der zweiten Problemzone: Die Strasse Utoquai schottet den Sechseläutenplatz und das gesamte Wohnquartier Seefeld zum See hin ab. Dieses Problem könnte gelöst werden, indem die Strasse tiefer gelegt wird – eine Idee, über die die IG ebenfalls diskutiert. So liesse sich insbesondere der Bereich zwischen Bellevue und dem Seebad Utoquai zu einem grösseren Fussgängerboulevard ausbauen.

Ruderer versperren Zugang

Eine dritte Problemzone befindet sich auf der anderen Seite des Sees bei der Sukkulentensammlung, die seit 2004 unter der Schirmherrschaft der Schweizerischen Unesco-Kommission steht. Um sie zu erhalten, soll sie umgebaut werden. Urs Ledermann, Präsident der IG Seepärke, steht auch dem Förderverein der Sammlung vor. Die Idee der Seepärke wurde bei Grün Stadt Zürich in ihre Wunschkonstellation zum Umbau der Sammlung integriert.

Für die Öffentlichkeit nicht zugänglich: Das Gebiet des Ruderclubs bei der Sukkulentensammlung. Foto: Andrea Zahler

Brisant ist in diesem Zusammenhang folgender Satz aus dem Vorstandsprotokoll: «Zudem sollten die benachbarten Ruderclubareale ebenfalls frei zugänglich sein.» Seit über 100 Jahren bestehen zwischen der Stadt und den Ruderclubs langjährige Konzessionsverträge über die Nutzung dieses Gebiets. Zuletzt wurden sie in den 90er-Jahren verlängert. Es ist einer der wenigen Bereiche rund um das Seebecken, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Etwas, was die IG Seepärke offenbar ändern will. Es ist allerdings nicht denkbar, diese in absehbarer Zeit einseitig aufzulösen. Die Ruderclubs waren gestern für einen Kommentar nicht erreichbar.

Die Quaibrücke, die Hauptverkehrsachsen entlang des Sees und die Situation bei der Sukkulentensammlung sind drei grosse von vielen Herausforderungen, die sich der IG Seepärke stellen. Insbesondere gelingt das selbst ernannte Jahrhundertprojekt letztlich nur mit dem Segen des Stimmvolks: «Dem Verein ist es vollkommen klar, dass jegliches Projekt rund ums Stadtzürcher Seebecken nur mit der Unterstützung der Bevölkerung erfolgen kann», sagte der Sprecher der IG dem TA.

Erstellt: 14.10.2019, 22:24 Uhr

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