Das sind die Zürcher ÖV-Hotspots

Neue Zahlen zeigen, an welcher Haltestelle am meisten Fahrgäste warten und in welchem Tram es besonders eng wird.

Über 52'000 Personen warten hier täglich auf das Tram: Paradeplatz in Zürich.

Über 52'000 Personen warten hier täglich auf das Tram: Paradeplatz in Zürich. Bild: Keystone

Mehr als eine Million Menschen nutzen in der Stadt Zürich von Montag bis Freitag täglich das Tram oder den Bus. Hinzu kommen viele Fahrgäste an den Wochenenden. Wie die neuen Zahlen auf dem Open-Data-Portal der Stadt zeigen, haben die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) im vergangenen Jahr rund 324 Millionen Einsteigerinnen und Einsteiger transportiert. Damit verzeichneten sie einen leichten Rückgang im Vergleich zu 2015.

Der leichte Rückgang um 3,3 Millionen Fahrgäste (–1 Prozent) gegenüber dem Vorjahr hat laut den VBZ vor allem einen Grund: die Verlagerung von Arbeitsplätzen zu den S-Bahnhöfen. Nach der vollständigen Inbetriebnahme der Durchmesserlinie Ende 2015 und dem dadurch erfolgten Angebotsausbau der S-Bahn stiegen Zürcherinnen und Zürcher teilweise von VBZ-Trams und -Bussen auf die S-Bahn um.

In der wachsenden Region rund um die Stadt, wo hauptsächlich Zubringerfahrten zu den S-Bahnen in Richtung Zürich stattfinden, konnten die VBZ zwar einen Fahrgastzuwachs um 1,3 Prozent (plus 270'000 Einsteiger) verzeichnen. Innerhalb der Stadt ergab sich aber ein Rückgang um 1,2 Prozent, und zwar vor allem im Pendlerverkehr unter der Woche.

Die Durchmesserlinie Altstetten–Zürich HB–Oerlikon wirkt sich vor allem auf die Fahrgastzahlen der Linien 11 und 14 aus, die teilweise die gleiche Strecke bedienen. Das 11er-Tram hatte 2016 im Vergleich zum Vorjahr 1,8 Prozent weniger Fahrgäste, das 14er-Tram gar 4,3 Prozent weniger. Trotzdem handelt es sich immer noch um die beiden meistbefahrenen Linien der Stadt.

Gut 63'000 Menschen fahren unter der Woche täglich mit dem Tram 14 auf der Strecke Triemli–Seebach. Zwischen Löwenplatz und Flughafen sind es sogar über 72'000 Menschen. Jährlich transportiert das Tram 11 gut 22,7 Millionen Fahrgäste – fast dreimal die gesamte Schweizer Bevölkerung.

Am engsten wird es zur Rushhour aber nicht auf der Linie 11 oder 14, sondern auf dem Streckenabschnitt zwischen dem Hauptbahnhof und dem Escher-Wyss-Platz, wo die Trams 4, 13 und 17 verkehren. Dort gibt es jeden Tag Kurse, die überfüllt sind. Zurzeit könnten dort keine längeren oder zusätzlichen Trams eingesetzt werden, um die Situation zu entlasten, sagen die VBZ auf Nachfrage. Sobald die neue Tramgeneration da sei, würde sie aber als Erstes auf dieser Strecke eingesetzt.

Auch im 3er-Tram wird es zuweilen eng. Zwischen Sihlpost und Stauffacher gibt es täglich 4 Fahrten, die gemäss VBZ-Qualitätsstandards «überfüllt» sind. Der Stauffacher gehört denn auch zu den am stärksten frequentierten Haltestellen Zürichs: Fast 49'000 Fahrgäste steigen hier an einem durchschnittlichen Werktag in ein VBZ-Tram ein.

Mit Abstand am meisten Menschen warten an der Haltestelle Bellevue: Von Montag bis Freitag sind es täglich mehr als 68'000. Drei der meistbenutzten Linien (2, 9, 11) fahren hier durch. Am Paradeplatz, an der Bahnhofstrasse und am Bahnhofplatz kann es mit über 50'000 Fahrgästen ebenfalls eng werden beim Einsteigen.

Laut VBZ kam es 2016 auf insgesamt 28 Kursen unter der Woche täglich zu Überlastungen, 2012 waren es noch 83. Um die Zahl weiter zu senken, wollen die VBZ ausbauen. So soll etwa mit der geplanten Verlängerung der Linie 8 über die Hardbrücke das Tram Zürich-West entlastet werden. Dieses war 2016 besonders gefragt: Zwischen Technopark und Schiffbau waren pro Werktag über 13'000 Fahrgäste unterwegs, was eine Steigerung um 10,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutete.

Weitere Engpässe wollen die VBZ mit Gelenkbussen auf den Linien 89 (Sihlcity–Heizenholz) und 70 (Morgental–Mittelleimbach) sowie mit einer durchgehenden Verbindung auf den heute getrennten Strecken der Linien 31 (Hegibachplatz–Schlieren, Zentrum) und 34 (Kienastenwies–Klusplatz) beheben.

Video – vom neuen Tram darf Zürich schon mal träumen (Visualisierung):

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.03.2017, 10:53 Uhr

So erhebt die VBZ ihre Fahrgastzahlen

124 Fahrzeuge der VBZ sind mit einem Zählsystem ausgerüstet: Messgeräte direkt über den Türen werden aktiviert, wenn sich diese öffnen. Betritt ein Fahrgast das Fahrzeug, reagiert erst der äussere, dann der innere Sensor – der Fahrgast geht hinein. In die Gegenrichtung funktioniert das dann genau umgekehrt. Das System weiss, an welcher Haltestelle sich das Fahrzeug befindet. Daraus ergibt sich eine Rangliste der meistbenützten Haltestellen. (wig)

Artikel zum Thema

Das ist die unpünktlichste VBZ-Linie

Mit wie viel Verspätung sind die Bus- und Tramlinien in Zürich unterwegs? Dazu liegen erstmals detaillierte Daten vor. An einer Haltestelle in der Stadt fährt jede dritte Verbindung zu spät ab. Mehr...

Hier boomt Zürich am stärksten

Infografik Seit der Jahrtausendwende wächst die Einwohnerzahl der Stadt kontinuierlich. Wir zeigen, welche Quartiere davon besonders betroffen sind. Mehr...

«In dieses Tram steige ich nicht ein»

Beim neuen Sondertram der VBZ gehen die Meinungen auseinander. Die chaotische Bemalung passe nicht zu Zürich. Einige halten es sogar für das «gruusigste Tram» überhaupt. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

TA Marktplatz

Kommentare

Die Welt in Bildern

Polizei in Rosa: Demonstranten bewarfen die Ordnungshüter in Nantes (Frankreich) mit Farbe. (16. November 2017)
(Bild: Stephane Mahe) Mehr...