Das sind die besten Zürcher Escape Rooms

Achtung, fertig, raus! Escape Rooms sind Abenteuerräume für Rätselfans und Ausbrecherkönige. Acht Locations im grossen Test.

Ein Hauch Harry Potter: Mit dem Zauberstab unterwegs in der magischen Welt des Snary-Mary-Espace-Rooms. Fotos: Samuel Schalch

Ein Hauch Harry Potter: Mit dem Zauberstab unterwegs in der magischen Welt des Snary-Mary-Espace-Rooms. Fotos: Samuel Schalch

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Selbst die Zürcher Verkehrsbetriebe und die Zentralbibliothek wollen jetzt einen Escape Room eröffnen. Eine Freizeitbeschäftigung, die vor fünf Jahren erst einer kleinen Szene bekannt war, erlebt in der Stadt Zürich gerade einen Boom. Im Prinzip handelt es sich um ein Knobelei, die vom Computerspiel in die reale Welt übersetzt wurde. Populär geworden war das Genre zunächst vor allem dank Webbrowser-Games, die oft gratis waren.

Wer die vor allem in der Pionierzeit der digitalen Unterhaltung populären Point-and-Click-Adventure wie «Monkey Island» kennt, fühlt sich in einem Escape Room schnell zu Hause: Schubladen herausziehen, auf Schalter drücken, Sanduhren drehen, Gegenstände kombinieren – nur dass man dazu statt Maus und Tatstatur halt die eigenen Hände benutzt.


Hier geht es zu den getesteten Räumen:

– Mission Schmuddelboot
– Die Welt hinter den Bildern
– Drachentöten mit Hightech-Zauber
– Bis die Uhr endlich tickt
– Ausbruch aus dem Gefängnis
– Gelangweilt in der Metro
– Ein Spiel mit Farben
– Auf der Suche nach dem heiligen Gral


Im Kern geht es fast immer darum, innert einer Stunde aus einem Raum zu entkommen oder an ein Ziel zu gelangen. Überall sind Hinweise versteckt, mit denen Schlösser oder Türen geöffnet werden können, wenn man sie richtig interpretiert und kombiniert. Zu Beginn mag man im Dunkeln tappen, doch mit jedem kleinen Erfolgserlebnis steigt die Spielfreude, und man entwickelt einen Sinn für die Art der Logik, die gefragt ist.

In Zürich gibt es solche Escape Rooms, auch Real-Life-Adventure-Spiele genannt, seit 2013. Seither haben sie sich rasch weiterentwickelt, die Rätsel sind vielfältiger geworden, die Technik aufwendiger. In diesen Tagen sind sie besonders beliebt für Teamevents oder als Freizeitprogramm für Touristen und Studierende bei schlechtem Wetter. Aber auch Familien kommen zunehmend auf den Geschmack. Ein wichtiger Türöffner waren die preisgekrönten Brettspiele der «Exit»-Serie, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren, aber wesentlich günstiger sind.

Unter Worldofescapes.ch sind in Zürich aktuell 67 Spiele aufgelistet. Die Räume unterscheiden sich zum Teil beträchtlich – genau wie ihre Macher. Das reicht von Tüftlerinnen und Tüftlern, die ihre eigenen Spiele bauen, bis hin zu multinationalen Franchise-Unternehmen, welche einen Raum mieten und die Spiele ab Stange einkaufen. Die meisten Standorte bieten mehrere Spiele an, die alle paar Jahre ausgewechselt werden. Denn wer einmal ein Rätsel gelöst hat, kommt kein zweites Mal.

So haben wir 8 von 67 Spielen getestet

Der «Tages-Anzeiger» hat in dieser Woche acht Escape Rooms von zufällig ausgewählten Anbietern in der Stadt Zürich getestet, in Zweier- oder Dreierteams. Die ideale Grösse liegt wohl bei 3 bis 4 Personen. Dabei ist es wichtig, dass man viel miteinander spricht. Jede und jeder denkt unterschiedlich oder entdeckt etwas, was den anderen entgangen ist. Wer gemeinsam kombiniert, kommt eher weiter. Die meisten Spiele kosten zwischen 35 und 45 Franken pro Person, je nach Teilnehmerzahl. Bei unserem Test haben wir darauf geachtet, wie die Räume gestaltet sind, wie abwechslungsreich die Rätsel sind und wie sehr man in die Geschichte eintaucht. Denn die meisten Räume versuchen, die Knobelei mit einem erzählerischen Bogen zu verknüpfen – mal mehr, mal weniger.


Panic Room Games:
Mission Schmuddelboot

Als Rätselgruft präsentiert sich die Räumlichkeit des Anbieters Panicroomgames an der Löwenstrasse. Der Schmuddel ist hier Programm. In einer geheimen Mission tauchen die Spieler ab in die abgeranzten Räumlichkeiten eines deutschen ­Nazi-U-Boots. Das ist überraschend, das ist klaustrophobisch, das ist aufregend. Die düstere Atmosphäre und die geschichtlichen Bezüge sind denn auch die grossen Stärken dieses Escape Rooms. Die Ausschmückung der Räume ist liebevoll: eine Bootskoje mit versteckten Liebesbriefen oder eine originale Enigma-Chiffrierungsmaschine, importiert aus einem Museum. Der Weg zum Ziel (die Verhinderung eines deutschen Überraschungsangriffs) gestaltet sich zu Beginn recht flott. Schwere Stahltüren öffnen sich fast wie von selbst, die Rätsel bewegen sich an der Grenze zur Banalität. Wer dennoch Tipps braucht, geht zurück in die Taucherglocke, aus der er zuvor gekrochen kam, und benutzt ganz praktisch das Bootstelefon. Zur Nervensache wird die Mission zum Schluss, dann, wenn die Enigma ins Spiel kommt und echtes Teamwork gefragt ist.

Fazit: Ein Escape Room für geschichtsaffine Rätseltaucher, die ganz sicher nicht unter Platzangst leiden.

Atmosphäre:

Rätsel:

Tagi-Team: 59 Minuten
2 bis 6 Spieler, 16+
Löwenstrasse 67


Amuze:
Die Welt hinter den Bildern

Der kühle Kunst-Komplex auf dem Löwenbräuareal hat selbst die Qualität eines Labyrinths. Der aufwendig gestaltete Escape-Room knüpft nahtlos daran an, sodass man rasch in die abgedrehte Geschichte eintaucht. Diese beginnt in einer Galerie mit witzig verfremdeten Klassikern der Malerei, aber weil das kein Kunstseminar ist, geht in der weissen Wand eine Tür auf. Ohne zu viel zu verraten: Ein Teil des Teams befindet sich kurz darauf in einer Paralleldimension, Kommunikation ist nur noch per Telefon möglich. Zu lösen gibt es zwar nur drei Rätsel, was im Vergleich wenig ist, aber diese sind originell und haben es in sich. Das liegt daran, dass man kooperieren muss, obwohl man räumlich getrennt ist. Herauszufinden, wie das funktioniert, ist zum Verzweifeln und ein grosser Spass. Leider streikte bei unserem Test das technisch ambitionierteste Rätsel, weshalb der verblüffende Effekt ausblieb. Aber der Besuch lohnt sich allein schon wegen des Kernstücks: eines Spiegelraums der Zürcher Designgrössen Trix und Robert Haussmann, der einen in den Wahnsinn treibt.

Fazit: Eine technisch ausgefeilte, multimediale Kommunikations-Challenge.

Atmosphäre:

Rätsel:

TA-Team: 51 Minuten
2 bis 6 Spieler, 12+
Limmatstrasse 270


Snary Mary Adventures
Drachentöten mit Hightech-Zauber

Die Industriehalle beim Bahnhof Altstetten versprüht wenig Märchenhaftes. Wobei die düsteren drei Türme der nahen Mega-Überbaung Volcano schon die Richtung weisen. Die nett eingerichtete Lobby mit Snacks und Ausblick auf das Tor des «Zauberschlosses» macht dann doch neugierig auf dieses Abenteuer. Schon die Handhabung des Zauberstabs (wie man von Harry Potter weiss, ein eigenwilliges Ding), den der Bote der Königin zu Beginn überreicht, kann einem den Schweiss auf die Stirn treiben: In der richtigen Abfolge schwingen und dazu Sprüche aufsagen, echt jetzt? Hat mans dann raus, ist man schon ziemlich dick drin, in diesem aufwendig gestalteten Abenteuer: Es spricht die Königin aus der Kristallkugel, es raucht die Esse, es lacht hämisch das ausgestopfte Wildschwein im Schlosssaal. Dank einer Zusammenarbeit mit ETH-Studenten funktioniert die magische Welt tadellos. Und weil sogar der Gamemaster als magischer Rabe Aurora in Erscheinung tritt, wird man auch dann nicht aus dem Erlebnis herausgerissen, wenn man um Hilfe ruft. Kombinationsgeschick und Teamarbeit sind ­bereits gefragt, um in das Zauberschloss überhaupt reinzukom­men, das gibt Originalitäts-Extrapunkte. Besonders schwierig sind die Rätsel nicht zu lösen, aber sie sind so gut in die Geschichte eingebunden, überraschend gestaltet und technisch raffiniert gelöst, dass es keine Sekunde langweilig wird.

Fazit: Grosser Spielspass in einem märchenhaft detailverliebten Setting.

Atmosphäre:

Rätsel:

TA-Team: keine Zeitbeschränkung
2 bis 6 Spieler, 14+
Vulkanstrasse 122


The Escape:
Bis die Uhr endlich tickt

Die Geschichte ist etwas einfallslos, die Rätsel dafür abwechslungsreich. Im Büro eines Uhrmachers muss die Weltzeit wieder zum Laufen gebracht werden, indem der Generator angestellt wird. Dafür braucht es Geschicklichkeit und Kombinationsvermögen, aber vor allem auch Teamwork. Allein gehts nicht, und man muss schon auf der Hut sein, dass man noch nett zueinander bleibt. Trotz der zahlreichen Uhren im Raum tickt bloss jene am Bildschirm, bei der ab und an auch mal ein Tipp erscheint. Und wer die Uhr der Weltzeit endlich sieht, ist noch lange nicht am Ziel. Am Ende müssen sich die Spieler echt nochmals verausgaben, da schiesst das Adrenalin in die Adern und der Spielspass-Faktor ist hoch.

Fazit: Die Geschichte ist mau, der Spielspass umso grösser.

Atmosphäre:

Rätsel:

TA-Team: 58 Minuten
2 bis 5 Spieler, 16+
Löwenstrasse 69


Escape Quest:
Ausbruch aus dem Gefängnis

Das Villenviertel oberhalb des Römerhofs ist nicht die erste Adresse, an der man ein Gefängnis erwarten würde. Aber kaum wird man mit Handschellen in die düstere Zelle geführt, vergisst man den Zürichberg – und Hektik bricht aus. Denn die simple Story funktioniert: In einer Stunde wird man von hier in den Hochsicherheitstrakt verlegt, wenn man es bis dann nicht rausschafft wie der letzte Sträfling. Bloss ist dieser Raum im Vergleich mit vielen Escape Rooms so spartanisch eingerichtet, dass man fast die Hoffnung verliert. Eine Zelle halt. Aber keine Angst: Wenn man die erste Hürde überwindet, wird es deutlich aufregender – wer Angst vor der Dunkelheit und engen Gängen hat: viel Glück! Die Dramaturgie ist gekonnt, denn im zweiten Teil kippt das Spiel komplett: Nun ist man mit einer Überfülle an Rätseln und vielen hübschen Details konfrontiert, die man gleichzeitig angehen kann und im Blick behalten muss. Sie sind abwechslungsreich und teils knackig, mit technischen Gimmicks und Aha-Effekten. Ein aufregendes Finale.

Fazit: Ein klassischer Escape-Room, der immer noch bestens funktioniert.

Atmosphäre:

Rätsel:

TA-Team: nicht geschafft
2 bis 6 Spieler, 12+
Titlisstrasse 41


Adventure Rooms:
Gelangweilt in der Metro

Im Escape Room hatte das TA-Team nur einen Versuch, um auszubrechen. Und im TA-Test haben die Anbieter bloss einen Versuch, um zu überzeugen. Hier sind beide gescheitert. Bereits die Geschichte vermag wenig zu überzeugen. Man fährt in der vollen Metro von der Arbeit nach Hause, da wird es einem schwarz vor den Augen und als man aufwacht, ist die Metro leer und man trägt Handschellen. Eine Uhr tickt von 60 Minuten runter, und man weiss nicht wieso. «Das wollt ihr auch gar nicht wissen», lautet die Antwort der freundlichen Spielleiterin. Okay. Wenn dann auch noch zwei Rätsel aus technischen Gründen nicht richtig funktionieren, nimmt einem das den Spass. Die Räume sind wenig liebevoll gestaltet, und es geht vor allem um Zahlenschlösser. Adventure Rooms war einer der ersten Anbieter in Zürich und betreibt mittlerweile in der ganzen Welt Escape Rooms. Da fehlt die Liebe zum Detail.

Fazit: Die Szene hat sich weiterentwickelt und hat die Nummer eins längst überholt.

Atmosphäre:

Rätsel:

TA-Team: nicht geschafft
2 bis 12 Spieler, 9+
Weinbergstrasse 68


Liveescapegame:
Ein Spiel mit Farben

Diese Firma ist seit 2013 im ­Geschäft und wirbt für sich selbst als die erste, die in Zürich solche Räume angeboten hat – das Original. Das Spiel mag klassisch sein, es wirkte aber vor allem etwas angejahrt. Die Konkurrenz scheint punkto Originalität und Gestaltung am Original vorbeigezogen zu sein. Man wird empfangen im Keller eines Gewerbegebäudes in der Binz und vergisst auch während des Spiels nie so ganz, wo man gerade ist. Das liegt sicher auch daran, dass dieser Raum ein abstraktes Thema hat und ganz auf eine Story verzichtet. Positiv formuliert: Wer Knobelei ohne Schnickschnack sucht, wird hier bedient. Es gibt immer wieder Codes zu erraten und Schlösser zu öffnen, wobei eines zum nächsten führt.

Das ist linear, überraschungsfrei und recht einfach zu lösen (zum Teil steht die Lösung sogar schwarz auf weiss da). Man wird das Gefühl nicht los, dass man ähnliche Rätsel für weniger Geld auch als Brettspiel ­haben könnte. Das Spiel mit Licht und Farben ist zwar eine nette Idee, wird aber zu wenig ausgereizt.

Fazit: Einfach gehaltene Knobelei für Anfänger, die etwas angejahrt wirkt.

Atmosphäre:

Rätsel:

TA-Team: 40 Minuten
2 bis 6 Spieler, 14+
Räffelstrasse 11


Room Escape Room:
Auf der Suche nach dem heiligen Gral

Der Da Vinci Code im Letzipark gilt in der Zürcher Szene als Benchmark der EscapeRooms. Diesem Anspruch wird er gerecht. Die Rätsel sind überraschend, technisch ausgefeilt und die Geschichte stringent. Diebe brechen in ein Museum, das nicht wirklich wie eines aussieht, ein und wollen einen Schatz stehlen. Nach 30 Minuten wird der Alarm ausgelöst, und die Durchsage macht klar: Die Polizei ist in weiteren 30 Minuten da. Auf der Suche nach dem heiligen Gral springen immer wieder Türchen auf, der Raum ist aufwendig gestaltet, und allein schafft es hier niemand. Hier geht es nicht einfach nur geradeaus, sondern hin und zurück, rauf und runter. Zahlenschlösser gibt es keine, dafür jede Menge Technik. Überraschung garantiert!

Fazit: Etwas vom Besten was die Zürcher Szene zu bieten hat.

Atmosphäre:

Rätsel:

TA-Team: 55 Minuten
2 bis 5 Spieler, 14+
Hohlstrasse 465

Erstellt: 21.12.2019, 14:23 Uhr

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