Den besten Freund im Wahn gewürgt und erstochen

Das Zürcher Obergericht hat die Strafe in einem brutalen Tötungsdelikt um zwei Jahre erhöht.

Die Bluttat sorgte für Schlagzeilen: Der Tatort in Albisrieden.

Die Bluttat sorgte für Schlagzeilen: Der Tatort in Albisrieden. Bild: PD

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Die Bluttat sondergleichen vom 13. November 2011 sorgte für Schlagzeilen: Ein 25-jähriger Schweizer stürzte nach einem Kampf mit seinem Freund vom siebten Stock eines Hochhauses an der Brahmsstrasse in Albisrieden. Er war sofort tot. Doch schon vorher war das Opfer mit mehreren Messerstichen in den Hals tödlich verletzt worden. Durch einen Würgeangriff hatte er zudem einen doppelten Zungenbeinbruch erlitten.

Gestern stand der mutmassliche Täter vor dem Obergericht – mit schwarzem T-Shirt, kurzen Hosen und einer Halskette mit Kreuz. Der heute 23-jährige Schweizer hat den Entscheid der Vorinstanz nicht akzeptiert und Berufung eingelegt. Das Bezirksgericht Zürich hatte den psychisch schwer gestörten Mann im vergangenen Oktober wegen vorsätzlicher Tötung zu 5¾ Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die Strafe wurde zugunsten einer stationären therapeutischen Massnahme aufgeschoben. Juristen sprechen von einer «kleinen Verwahrung». Das heisst, der Mann bleibt so lange in einer geschlossenen Anstalt, bis für die Gesellschaft keine Gefahr mehr besteht.

Mit IV-Rente Kiffen finanziert

Der IV-Rentner hatte das Opfer bei einem seiner vielen Psychiatrieaufenthalte kennen gelernt. Die zwei verband eine tiefe Freundschaft, es kam auch zu sexuellen Kontakten. Beide hatten nicht nur psychische Probleme, sondern kifften auch Unmengen von Cannabis. So sagte der Beschuldigte, dass er monatlich bis zu 1500 Franken für den gemeinsamen Drogenkonsum ausgegeben habe – das entsprach der IV-Rente. Der Mann hat keine Ausbildung beendet. An die Tatnacht habe er wenig Erinnerung, sagte er vor den Richtern. Sie hätten in der Wohnung eines gemeinsamen Bekannten – wo der Beschuldigte in Untermiete lebte – philosophiert, gekifft, Alkohol getrunken und Hustentabletten geschluckt, um einen Rauschzustand zu erreichen. Zudem hatten sie vor, Blutsbrüderschaft zu schliessen.

Gegen 7.30 Uhr morgens ging der Beschuldigte ins Zimmer seines schlafenden Freundes. Er sei verwirrt gewesen und ratlos. Er habe ihn auf Ungarisch, die Sprache seiner Eltern, angeschrien: «Gib mir meine Mutter zurück», weil er geglaubt habe, sein Freund habe seine Mutter entführt. Er würgte den 25-Jährigen mit beiden Händen massiv. An das Würgen könne er sich noch erinnern, nicht aber an die Messerstiche in den Hals seines Freundes, sagte er. Die Staatsanwältin wirft ihm vor, ihn erstochen zu haben. Er wisse nur noch, dass er auf den offenen Arkadengang ging, der zu Wohnung führt, und sein Freund sei ihm dabei gefolgt.

«Es gibt keine Zweifel»

Er habe versucht, den stark Blutenden zu stützen, und ihn über das Geländer gelehnt, damit das Blut aus dem Mund fliessen konnte. Die Nachbarin, welche durch den Lärm nach draussen ging, hatte in der Untersuchung gesagt, dass der Beschuldigte das spätere Opfer um die Taille festhielt. Der Verletzte habe über dem Geländer des Laubengangs gelehnt. Sie sei dann zurück in die Wohnung gegangen, um die Polizei zu alarmieren. Als sie wieder auf dem Gang zurückkam, stand nur noch der Beschuldigte dort. «Jetzt isch er usse abegkheit», habe er gesagt, «ich bin glaub wahnsinnig, was ich jetzt da gmacht han.»

Der Anwalt forderte einen Freispruch für seinen Mandanten. Es sei nicht klar, wer die Stiche verübt habe. Das Opfer hätte sich auch selber in den Hals stechen können. Laut Anklageschrift waren aber die Messerstiche für den Tod verantwortlich. Für das Obergericht waren die Indizien eindeutig, dass das Opfer vom Beschuldigen umgebracht worden war. «Es gibt keine Zweifel», sagte der Vorsitzende. Es erhöhte die Strafe auf acht Jahre, aufgeschoben zugunsten einer «kleinen Verwahrung». Der Beschuldigte habe ein wahres Blutbad verübt, es gebe wenig Tötungsdelikte, die noch widerlicher sein könnten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.04.2013, 08:39 Uhr

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