Der Berner und der Böögg

Bern ist der diesjährige Gastkanton am Sechseläuten. Tagesanzeiger.ch/Newsnet mischte sich zusammen mit dem Mundartmusiker King Pepe unter die Zuschauer und beobachtete den Zunft-Umzug.

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Um 15 Uhr war es soweit: Der traditionelle Zug der Zünfte mit Ross und Wagen und viel Musik setzte sich in Richtung Sechseläutenplatz und Bellevue in Bewegung. In diesem Jahr mussten die Zuschauer besonders hart im Nehmen sein. Der Regen setzte kurz nach 16 Uhr wieder ein und die Temperaturen stiegen nie über kühle 5 Grad.

Auf der Sechseläutenwiese, die immer mehr im Schlamm zu versinken drohte, wartete inzwischen der Böögg geduldig auf sein baldiges Ende. Wie in jedem Jahr wurde auch heuer die Fliege des Kunstschneemanns mit dem Wappen des Gastkantons geschmückt: Gleich zwei Berner Bären, die sich entgegenlaufen, sind auf den Zipfeln der Fliege zu erkennen.

Gastkantone seit 1991

Seit 1991 lädt das Zentralkomitee der Zünfte einen Kanton als Gast ans Sechseläuten. Der Gastkanton präsentiert sich nicht nur auf dem Lindenhof mit einer Ausstellung, sondern nimmt auch mit einer eigenen Delegation am Kinderumzug und am Umzug der Zünfte teil.

Unter den Gästen am diesjährigen Traditionsanlass sind daher auch berühmte Berner wie Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Rocker Gölä – und der Berner Mundartmusiker King Pepe. Für Tagesanzeiger.ch/Newsnet zog er durch die festliche Innenstadt und warf einen kritischen Blick auf den Anlass.

Das erste Mal

Für King Pepe war der heutige Sechseläuten-Umzug eine Premiere. Je schneller der Kopf des Bööggs explodiert, desto schöner wird der folgende Sommer. Das war alles, was der studierte Soziologe bisher über den Anlass wusste – und dieses Wissen hat er sich aus einem Gesellschaftsspiel über Schweizer Traditionen angeeignet.

Wie er sein Know-how zusammen mit der Reporterin von Tagesanzeiger.ch verbessern und welche Erkenntnisse er vor Ort gewinnen konnte, sehen Sie in der Bildstrecke.

Erstellt: 16.04.2012, 14:39 Uhr

Der Berner Mundartmusiker am Zürcher Sechseläuten: King Pepe. (Bild: www.kingpepe.ch)

King Pepe

Für den Berner Musiker ist es das erste Sechseläuten seines Lebens. Er wird den heidnischen Brauch live kommentieren.
Ausserdem erklärt King Pepe das Wesen der Berner, warum er seine Karriere auf Zürichdeutsch begann und ob Bern für seine Liedermacherei wichtig ist.

Die Selbsteinschätzung von King Pepe, der eigentlich Simon Hari heisst, liegt irgendwo zwischen Roger Federer, Brad Pitt und Elvis Presley, nur sei er viel beliebter. Die Texte seiner schrulligen Lieder zeichnen sich jedoch durch schlichte Treffsicherheit aus. Es gibt Leute, die sehen in King Pepe den neuen Mani Matter. Was dem Berner Chansonnier seine Gitarre war, ist für den King das Büssi (Berndeutsch für Hauskatze). «Büssi» war denn auch seine erste grosse Nummer. Das aktuelle Album ist mit dem Titel «Tierpark» zwar nicht nur der Hauskatze gewidmet, sie hat in den Mundartsongs aber immer noch diverse Gastauftritte. (lcv)

Woher kommt das Wort Böögg?

Die Dialektbezeichnung Böögg ist in etwa mit dem Begriff Narr vergleichbar. Ein Böögg ist in Zürich eine «verkleidete, vermummte Gestalt». Gemäss Band 4 des Schweizerischen Idiotikons bettelten die Bööggen besonders an der Fasnacht und dem Sechseläuten, erschreckten die Leute und trieben anderen Schabernack. (lcv)

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