«Der Bestatter» wohnt in einer alten Villa am Zürichberg

Im SRF-Krimi betreibt Mike Müller ein Bestattungsinstitut in Aarau. Als Kulisse diente eine Liegenschaft in Fluntern. Sie steht zum Verkauf.

Die Villa an der Susenbergstrasse 89, Preis auf Anfrage: Drei Wochen lang diente sie als Drehort.

Die Villa an der Susenbergstrasse 89, Preis auf Anfrage: Drei Wochen lang diente sie als Drehort. Bild: Doris Fanconi

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Im TV-Krimi heisst Mike Müller Luc Conrad. Der Bestatter wohnt und wirkt im Kanton Aargau. So steht es auf seinem Leichenwagen: «Bestattungsinstitut Conrad, Flösserstrasse 7, 5000 Aarau.» Die Adresse existiert. Heute Abend findet dort eine Technoparty statt. Im Jugendkulturhaus Flösserplatz.

Doch wo befindet sich das Institut Conrad in Wirklichkeit? Im Zürcher Quartier Fluntern. Und es steht zum Verkauf. Auf der Immobilienplattform Homegate wird das Objekt so angepriesen: «8-Zimmer-Villa an exklusiver Lage am Zürichberg. 8 Zimmer, 300 Quadratmeter Wohnfläche, Baujahr 1973, sofort verfügbar, Preis auf Anfrage.»

Für den Verkauf zuständig ist Hansueli Rohner von Concept Wohnen. Die Produktionsfirma habe einen Mietvertrag für anderthalb Monate unterschrieben. Eine solche Zusammenarbeit war für Rohner neu. Deshalb war er zunächst skeptisch: Wie würden die Dreharbeiten bei den Nachbarn ankommen? Schliesslich befinde man sich an der Susenbergstrasse in einer gehobenen Gegend.Die Sorge war unbegründet. «Das Quartier verfolgte die Arbeiten der Fernsehcrew mit grossem Interesse», sagt Rohner. Und auch die Eigentümer der Villa hätten den Plausch gehabt und staunten jeden Dienstagabend über die filmische Verwandlung ihres Hauses.

Fortsetzung in anderem Haus

Bislang hätten einige Interessenten das 40-jährige Haus besichtigt, manche wussten, dass die Räume als Kulisse für ein Bestattungsinstitut gedient haben. «Das ist schon unheimlich», sagt Rohner. Was aber, wenn sich das SRF entscheidet, nach dem Finale nächsten Dienstag («Stachel im Fleisch») eine zweite Staffel in Angriff zu nehmen? Rohner: «Da müssen Sie schon den Regisseur fragen. Ich mache mit dem Verkauf weiter, das ist meine Aufgabe.»

Ob Müller als Conrad weiter ermitteln darf, hängt auch von den Einschaltquoten ab. Das Schweizer Fernsehen will diese demnächst bekannt geben. Für den Fall, dass es zu einer Fortsetzung kommt, die Villa dann jedoch vom Markt sein sollte, haben die Drehbuchschreiber vorgesorgt. «Das kann man gut in die Story einbauen. Der ehemalige Fahnder Luc Conrad möchte seinen Bestattungsbetrieb ja reformieren», sagt Produzent Markus Fischer von der Snakefilm GmbH, die den «Bestatter» im Auftrag von SRF realisiert hat.

In Aarau nichts gefunden

Den Drehort am Zürichberg habe man gewählt, weil «in Aarau nichts Entsprechendes zu finden war». Ausserdem komme es günstiger, wenn das Team, das zu 90 Prozent aus Zürich stamme, auch hier drehen könne. Wie hoch die Miete war, will Fischer nicht sagen. Die Dreharbeiten in der Villa dauerten insgesamt drei Wochen. Der Umbau in ein Bestattungsinstitut sei sehr aufwendig gewesen, sagt Fischer. Um die richtige Stimmung zu erzeugen, zog man aus Deutschland stammende Tapeten hoch, richtete einen kompletten Aufbahrungsraum ein und eine Junggesellenwohnung für Luc im 1. Stock der Villa.

Dass das «richtige» Institut gar nicht im Aargau steht, habe nichts mit Etikettenschwindel zu tun, sagt Markus Fischer: «Alle Produktionen arbeiten so.» Der Zuschauer wisse, dass die Serie in Aarau spielt, «deshalb funktionierts». Bei einem Film von Orson Welles, der in Sevilla spielte, sei ein Schauspieler in Sizilien von einer Mauer gesprungen und in Marokko gelandet. «Film ist Illusion, nicht Dokumentation.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.01.2013, 22:09 Uhr

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