Der Dünkel des Pfauen

Schauspielhaus: Es gibt eine Welt neben der Bühne.

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Das Schauspielhaus Zürich wehrt sich dagegen, dass in unmittelbarer Nachbarschaft der Pfauenbühne eine Expressfiliale des Lebensmittelladens Spar einzieht. Es wolle die eigenen Interessen wahren, lautete die Begründung. Aus der Vor­geschichte lässt sich diese kryptische Aussage aber recht gut entschlüsseln: 2013 lief das Haus nämlich Sturm gegen eine geplante McDonald’s-Filiale, welche am gleichen Ort einziehen wollte. Damals hiess es: Eine Fast-Food-Kette passe nicht zum Pfauen. Man glaube nicht, dass diese den Besuchern des Schauspielhauses eine gastrono­mische Heimat bieten könne.

Auf der Bühne zeigt das Schauspielhaus keine Berührungsängste mit dem realen Leben: Da wird geliebt und geweint, gelärmt und gesoffen, Schabernack getrieben und philosophiert. Da ist man bieder oder hip, alt oder jung. Doch draussen vor der Tür soll es gediegener zu und her gehen. Denn was sich auf der Bühne abspielt, könnte draussen das Publikum stören. Mit solchen Aktionen macht der Pfauen dem Vogel alle Ehre.

Vom hohen Ross steigen

Der Dünkel paart sich mit Kurzsicht. Da jammert man über das überalterte Theaterpublikum und über mässige Auslastung und wehrt sich gegen Einrichtungen, die den Platz vor dem Theater mit Schülern und Studierenden beleben würden. Wenn das Leben draussen vor der Theatertür stattfindet, vermindern sich die Schwellenängste, auch einmal einzutreten. Wer mehr Volk will, muss vom hohen Ross steigen.

Vor dem Deutschen Theater in Berlin werden Brezeln verkauft und beim Berliner Ensemble schenken Kneipen die ganze Nacht hindurch Bier aus und bieten Bockwurst an. Und es zeigt sich, manch einem der Biertrinker und Fast Fooder ist das Theater nicht Wurst: Man begegnet ihnen danach im Parkett bei «Faust» oder der «Mutter Courage». Die nächste Premiere am Schauspielhaus trägt im übrigen den Titel «Viel gut essen».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.01.2016, 23:30 Uhr

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