Der Grill erobert Zürichs Stadtplätze

Fleisch brutzeln am See war mal: Jetzt sind die Plätze mitten in den Wohnquartieren beliebt für Grillfeste.

Bullingerplatz im Kreis 4: Beliebt bei den Quartierbewohnern.

Bullingerplatz im Kreis 4: Beliebt bei den Quartierbewohnern. Bild: Reto Oeschger

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Leute, die auf Wiesen, in Parks und am See grillieren: Das ist ein festes Bild, das sich jeden Sommer wiederholt. Die Stadtmenschen zieht es an die Orte, wo sie das Gefühl von Natur und Erholung haben, wo sie das Gras riechen und beim Eindunkeln die Sterne sehen. Und seit die Abteilung Grün Stadt Zürich Elektrogrills in den Seeanlagen eingerichtet hat, um Grasschäden zu verhindern, ist das Grillieren in der Öffentlichkeit «in allgemein verträgliche Bahnen» gelenkt, wie sie auf der Homepage schreibt.

Nun zeichnet sich im Grillverhalten eine Wende ab. Neuerdings richten sich junge Zürcherinnen und Zürcher Abend für Abend auf den öffentlichen Plätzen mitten in der Stadt ein. Sie schleppen Einkaufssäcke voll Fleisch, selbst zubereiteter Salate und Bier an. Sie beheizen ihre Kugelgrills und stehen grüppchenweise in der Abenddämmerung zwischen den Häuserzeilen.

Das Grillieren ist wie ein erweiterter Apéro, den die Anwohner wegen fehlenden Balkons oder Platzknappheit nach draussen verlegen. Wenn etwas fehlt, ist man in wenigen Minuten in der Wohnung.

Unproblematisch, aber mit Mass

Was besonders auffällt, ist die liebevolle Gestaltung dieser privaten Grillanlässe. Nicht die Funktionalität steht im Vordergrund, sondern das Schöne, Kreative: Auf dem Brupbacherplatz im Kreis 3 etwa hat eine Gruppe von Freunden eine Lichterkette um den Baum gewickelt. Über die beiden Picknicktische haben sie weisse Tischtücher gelegt. Statt Pappgeschirr und Tupperware haben sie ihr eigenes Besteck mitgebracht.

Auf dem Bullingerplatz haben Männer ein Sofa platziert, neben sich den Grill hingestellt und den Blick auf den sprudelnden Brunnen gerichtet. Und auf dem Anny-Klawa-Platz, unweit des Locherguts, ergänzt ein Pärchen das Abendessen mit der mitgebrachten Espressokanne. Danach spielt es einen Match am Pingpongtisch.

Adrian Feubli, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, sagt, dass das Grillieren auf öffentlichem Boden prinzipiell unproblematisch sei, solange keine Schäden entstünden und sich von den Anwohnern niemand gestört fühle. Offenbar stösst es auf Akzeptanz, denn Beschwerden sind bislang keine eingegangen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.06.2015, 15:32 Uhr

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