«Der Hafenkran wird national und international für Furore sorgen»

Mit dem Hafenkran kommen die Kulturtouristen, heisst es bei Zürich Tourismus. Aber nicht nur der Stahlkoloss alleine locke an die Limmat.

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Der Hafenkran wächst mit grossem Tempo am Limmatquai heran. Inzwischen hat er schon die Höhe des angrenzenden Zunfthauses der Gesellschaft der Schildner zum Schneggen erreicht. In zehn Tagen soll das Kernstück des Kunstprojekts «Zürich Transit Maritim» stehen.

Mit dem Aufbau des 90-Tonnen-Kolosses – die Künstlergruppe um Jan Morgenthaler, die das Projekt ins Leben gerufen hat, spricht von der «Freilegung» des Krans – ist die Aktion aber noch längst nicht abgeschlossen. Sie fängt vielmehr erst richtig an.

Ein Horn, das Zürich noch nie gehört hat

Seit Dienstag ist Andreas Teuschers Buch zum Hafenkran-Projekt unter dem Titel «Die Schweiz am Meer» im Buchhandel erhältlich. Im November dokumentieren die Initianten das Projekt Zürich Transit Maritim in ihrem eigenen Buch.

Am 10. Mai wird der Hafenkran in einem Festakt ab 14.30 Uhr der Zürcher Öffentlichkeit übergeben. «Dann findet auch die Freilegung des grossen Schiffshorns statt», sagt Morgenthaler gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Er spricht von einem «akustischen Ereignis, das Zürich noch nie gehört hat». Das Horn werde danach das ganze Jahr über in unregelmässigen Abständen erklingen. «Selbstverständlich mit der entsprechenden Bewilligung der Polizei», versichert der Künstler.

Mit dem Einweihungsfest des Krans startet auch der Betrieb eines Infopavillons zum Projekt mit Shop und einem eigenen Kummerkasten für die Bevölkerung. «Der Pavillon ist in einem ausgebauten Container untergebracht und macht während der ganzen Aktion an verschiedenen Stationen der Stadt halt», so Morgenthaler.

«Ich wollt, ich wär ein Hafenkran»

Während des ganzen Jahres planen verschiedene Kulturhäuser der Stadt Veranstaltungen, Aktionen und Ausstellungen zum Hafenkran sowie zu politischen Aspekten des Projekts wie Integration und Immigration, offene und geschlossene Grenzen. So werden im Debattenzimmer des Zürcher Literaturhauses am Limmatquai 62 unter dem Titel «Unruhe über Mittag: Ich wollt, ich wär ein Hafenkran» in losen Abständen Diskussionen stattfinden, die sich den Themen Kunst im öffentlichen Raum, Standortmarketing und Sehgewohnheiten widmen.

Vom 4. bis 6. Juli geht es dann mit dem grossen Hafenfest weiter. Auf dem Programm stehen das traditionelle Schifferstechen der Zünfte, ein Wassersportfest und ein Bouleturnier, Konzerte sowie zahlreiche gastronomische und kulturelle Angebote. Auch das Zentrum Karl der Grosse wird seinen Beitrag zum Fest leisten und nach der Sommerpause einen Programmschwerpunkt auf das Thema Migration setzen. «Dies kann in Form von kontroversen Diskussionen, Vorträgen, Stadtführungen und Ähnlichem geschehen», so der Leiter des Zentrums, Christoph Schneider.

Ein interessanter «Eyecatcher»

Auch Zürich Tourismus hat den Hafenkran für sich entdeckt. Er soll in nationalen und internationalen Kampagnen sowie über Social Media als Aufhänger oder Kunstnews vermarktet werden. Zudem wollen diverse Reiseleiter den Hafenkran künftig in ihre Stadtführungen einbauen, heisst es auf Anfrage.

Vor allem im Binnenmarkt und in umliegenden Ländern dürfte das Projekt gemäss Martin Sturzenegger, Direktor Zürich Tourismus, auf grosses Interesse stossen. «Für Gäste aus Deutschland – dem wichtigsten Auslandmarkt für Zürich – ist der Hafenkran besonders interessant, weil er ja aus Rostock stammt. Aber auch Reisende aus anderen kulturaffinen Märkten wie Frankreich, Italien, Russland oder den USA interessieren sich im Kontext der Kulturstadt Zürich für Kunst im öffentlichen Raum.»

So oder so sei der Hafenkran ein interessanter «Eyecatcher». «Wir rechnen damit, dass der Hafenkran national und international für Furore sorgen und das künstlerische Image von Zürich stärken wird.»

Erstellt: 09.04.2014, 12:00 Uhr

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