«Der ‹K-Tipp› lässt uns ins offene Messer rennen»

Der Sternengrill ist der beliebteste Wurststand in Zürich. Im «K-Tipp»-Test belegt seine Wurst allerdings den letzten Platz. Geschäftsleiter Thomas Rosenberger kritisiert die Testmethoden aufs Schärfste.

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Herr Rosenberger, Ihre St. Galler Bratwurst hat im «K-Tipp»-Test am schlechtesten abgeschnitten. Was sagen Sie zu diesen Ergebnissen?
Ich stehe zu den Resultaten, habe aber extrem Mühe mit der Auslegung vom «K-Tipp». Die Notengebung entspricht in keiner Art und Weise den Testergebnissen des Labors aus Deutschland, sondern wurden eigens vom «K-Tipp», zum besseren Verständnis der Leser, in Schulnoten umgesetzt, um ein entsprechend dramatischeres Resultat zu erhalten.

Dramatik hin oder her: Ihre Bratwurst ist den anderen Testwürsten inhaltlich unterlegen.
Wir sind in der Testserie die Einzigen, die ihre Wurst nicht selber herstellen, sondern sie weiterverkaufen. Warum hat der «K-Tipp» nicht verschiedene Wurststände miteinander verglichen? Alle anderen Getesteten sind Wurstproduzenten. Ausserdem macht es meines Erachtens qualitativ keinen grossen Unterschied, ob in der Wurst vier Gramm mehr oder weniger Muskelfleisch enthalten sind. Die Würste werden jeden Tag hergestellt, da sind Abweichungen von der Rezeptur verständlich. Wichtig ist doch, wie die Bratwurst schmeckt.

Aber Ihre St. Galler Bratwürste enthalten nicht einmal 50 Prozent Kalbfleisch. Wissen Ihre Kunden das?
Unser Metzger lässt die Würste regelmässig im Labor testen und sie entsprechen immer den Vorgaben des Schweizerischen Lebensmittelgesetzes. Eine Kalbsbratwurst muss per gesetzlicher Definition aus mindestens 50 Prozent Kalbfleisch bestehen. Aber auch eine Kalbsbratwurst kann nicht ohne Schweinefleisch hergestellt werden. Wir verkaufen explizit keine St. Galler Kalbsbratwurst, sondern einfach eine St. Galler Bratwurst. Andere Produzenten stellen halt einfach eine Wurst mit 51 Prozent Kalbfleisch und 49 Prozent Schweinefleisch her und nennen das eine Kalbsbratwurst.

Nun belegen Sie mit Ihrer Wurst bereits zum dritten Mal den schlechtesten Platz. Beunruhigt Sie das?
Der «K-Tipp» weiss genau, dass wir keine Kalbsbratwurst verkaufen und lässt uns mit Genuss ins offene Messer rennen. Im Volksmund ist eine weisse Wurst nun mal eine Kalbsbratwurst. Ich kann von meinen Mitarbeitern nicht verlangen, dass sie jeden Kunden fragen: «Sie wissen aber, dass hier weniger als 50 Prozent Kalbfleisch drin sind?»

Wie erklären Sie sich den Kundenerfolg, trotz der schlechten Testergebnisse?
Bei Geschmackstests sind wir immer in den Spitzenpositionen vertreten. Jeder weiss, dass in einer Wurst Fleischabschnitte verwertet werden und nicht hochwertiges Muskelfleisch wie Filet oder Huft und der Fettanteil relativ hoch ist. Entscheidend ist der Geschmack, die Leute kommen zu uns, weil unsere Bratwurst einfach am besten schmeckt.

Erstellt: 25.08.2011, 15:26 Uhr

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«Unsere Bratwürste schmecken am besten»: Thomas Rosenberger, Geschäftsführer des Sternengrills.

Wann eine Wurst eine St. Galler Bratwurst ist:

Das Pflichtenheft des Bundesamtes für Landwirtschaft definiert ganz genau, was unter einer St. Galler Bratwurst zu verstehn ist:

«Die St. Galler (Kalbs-) Bratwurst ist eine weisse, fein zerkleinerte Brühwurst aus Schweine- und Kalbfleisch […]. Fleisch und Speck, Eis, Salz und Gewürze werden vermischt und fein zerkleinert. Die so entstandene Emulsion wird in natürliche Schweinedärme abgefüllt. Wenn der Kalbfleischanteil bezogen auf den Gesamtfleischanteil mehr als 50% beträgt, spricht man von einer St. Galler Kalbsbratwurst. Andernfalls handelt es sich um eine St. Galler Bratwurst. »

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