Der Kampf am Seeufer beginnt, bevor die Baupläne aufliegen

Die Stadt erwägt die Aufhebung der Unterführungen beim Bahnhof Wollishofen und bei der Badi Mythenquai. Jetzt sammeln die Quartiervereine Unterschriften gegen das Vorhaben.

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Das Mythenquai ist in die Jahre gekommen. Nun will die Stadt die wichtige Einfallsachse von 2015 bis 2018 gesamtsanieren – und das auf einer Länge von 1,8 Kilometern. Doch obwohl die Planauflage für das Projekt erst Ende Februar 2014 durchgeführt wird, regt sich bereits Widerstand gegen das Bauvorhaben.

Anlass für den Ärger der Anwohner war eine Infoveranstaltung vom 4. November 2013, bei der das Tiefbauamt das Projekt im Beisein von Stadträtin Ruth Genner vorstellte. Dabei war auch die Rede von der Aufhebung der beiden Unterführungen bei der Badi Mythenquai und dem Bahnhof Wollishofen. Dafür sind auf der Höhe der jeweiligen Bushaltestellen Fussgängerstreifen mit Mittelinseln aber ohne Lichtsignale vorgesehen.

Der Zustand der Unterführungen sei sehr schlecht, erklärt Martin Etter, Kommunikationsverantwortlicher des Bauprojekts. «Die Sanierung wäre sehr teuer, sowohl jetzt wie auch auf die Jahre gesehen.» Weil auf dem Mythenquai die Höchstgeschwindigkeit von 60 auf 50 Stundenkilometer gesenkt werde und neue, sichere Fussgängerübergänge mit Mittelinseln gebaut werden, brauche es diese Unterführungen auch nicht mehr. «Beim Bahnhof Wollishofen kann die Unterführung zudem aus Platzgründen nicht behindertengerecht ausgestaltet werden», so Etter.

Sicher und stark genutzt

Die beiden Quartiervereine Enge und Wollishofen kämpfen nun gegen dieses Vorhaben an. Seit gestern Dienstag sammeln sie Unterschriften für den Erhalt der beiden Unterführungen. Gerade die Unterführung zur Badi Mythenquai sei nicht nur an einem idealen Ort, sondern auch für Rollstuhl- und Velofahrer geeignet. «Sie wird täglich stark genutzt – im Sommer auch von Kindern, die allein in die Badi gehen wollen. Es ist die sicherste Möglichkeit, das Mythenquai zu queren. Hätte es an dieser Stelle keine Unterführung, müsste man sie bauen», sagt Jean-Marc Hensch, Quartiervereinspräsident Enge, auf Anfrage.

Eine Aufhebung der Passage beim Bahnhof Wollishofen mache wiederum allein deswegen keinen Sinn, weil es sich um die Verlängerung der ohnehin bestehenden Gleisunterführung handle. «Es ist daher nur logisch, dass man sie bis auf die andere Strassenseite weiterzieht», sagt Martin Bürki, Quartiervereinspräsident von Wollishofen. Hinzu komme, dass es wohl zu einem regelrechten Verkehrschaos käme, wenn die Fussgänger an Grossevents wie Freestyle.ch, Theater Spektakel oder Street-Parade das Mythenquai auf einem Zebrastreifen passieren würden.

Auch das Argument, dass unterirdische Passagen oft als Angsträume wahrgenommen werden, in denen man sich unsicher fühlen könnte, wischt Hensch vom Tisch. «Das ist in diesen beiden Fällen nicht so. Sie werden sehr stark genutzt, sind nicht sehr lange und gut einsehbar.»

Unterstützung von links bis rechts

Noch ist unklar, ob die Unterführungen tatsächlich aufgehoben werden. Beim Tiefbauamt verweist man auf den Start der Planauflage im Februar. Vorher könne man hierzu keine Angaben machen, heisst es auf Anfrage. Hensch ist sich über die Möglichkeit im Klaren, dass die Petition vielleicht gar nicht nötig ist. «Aber gemäss unseren Informationen bleibt es bei der Aufhebung der Unterführungen. Deshalb macht es sehr wohl Sinn, wenn wir jetzt schon auf die Barrikaden gehen.»

Die Quartiervereine konnten bereits alle Parteien von links bis rechst für ihre Petition gewinnen. «Wenn die Planauflage startet, werden wir ebenfalls sämtliche Rechtsmittel ergreifen, um die Aufhebung der Unterführungen zu bekämpfen», so Hensch. «Wir möchten uns dafür einsetzen, dass diese sicheren Fussgängerverbindungen zwischen den Quartieren und dem See nicht verschwinden.»

Erstellt: 15.01.2014, 12:19 Uhr

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Das Bauprojekt Mythenquai

Der Strassenabschnitt des Mythenquais zwischen Alfred-Escher-Strasse und Hoffnungsweg muss saniert werden. Die 1,8 Kilometer lange Strecke ist in einem sehr schlechten Zustand. Gleichzeitig mit der Sanierung der Strassenoberfläche sollen die Abwasser- und Trinkwasserleitungen sowie die Verkehrs- und Elektrizitätsleitungen ersetzt werden. Ebenso wird das Strassenabwasser zukünftig nicht mehr direkt in den See geleitet. «Das war früher Standard, entspricht aber nicht mehr den heutigen gesetzlichen Vorgaben», erklärt Martin Etter, Kommunikationsverantwortlicher des Bauprojekts.

Die Bushaltestellen bei der Sukkulentensammlung, der Landiwiese, bei der Badi Wollishofen und der Roten Fabrik werden behindertengerecht ausgebaut und mit Wartehallen ausgerüstet. Seeseitig wird ein von der Strasse abgesetzter Radweg für beide Richtungen gebaut. «Ab Höhe Bachstrasse wird der Veloverkehr dann wieder beidseitig neben der Strasse geführt. Dort fehlt der Platz für einen separaten Radweg», so Etter. Auf der Strasse selbst wird die Höchstgeschwindigkeit von 60 auf 50 Stundenkilometer herabgesetzt.

Mitte Februar 2014 findet die entsprechende Planauflage für das Bauprojekt statt. Die Arbeiten sollen zwischen 2015 und 2018 erfolgen. (tif)

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