Warum es keine Megapartys mehr gibt

Energy, Zoom oder Moving City: Die grossen Raves der Street Parade sind allesamt verschwunden. Mit einer Ausnahme.

So wie die Raver-Nuggis aus der Mode kamen, verschwanden allmählich auch die Megapartys: Technofans an der Energy-Party im Hallenstadion im Jahr 1995. (Foto: Keystone)

So wie die Raver-Nuggis aus der Mode kamen, verschwanden allmählich auch die Megapartys: Technofans an der Energy-Party im Hallenstadion im Jahr 1995. (Foto: Keystone)

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Seit der ersten Street Parade 1992 und bis vor ein paar Jahren pilgerten die Tänzerinnen und Tänzer nach dem Umzug an riesige Raves. Der bekannteste unter ihnen, die Energy im Hallenstadion, hat sich damals die Masse der Tanztouristen mit der Zoom beim Zoo, der Moving City auf dem Gelände des dritten Rohstofflagers (später wurde daraus die Electric City auf dem Maag Areal), den Afterpartys Volkshaus oder der Mainstation im Hauptbahnhof geteilt.

Im Laufe der Jahre sind all diese Megapartys verschwunden, eine nach der anderen. Überlebt hat nur die Lethargy in der Roten Fabrik, die ursprünglich als ironische Anspielung auf den Gigantismus der Energy ins Leben gerufen wurde – heute ist sie selbst der grösste Event im Rahmen der Street Parade.

Die grossen Namen sind nun kostenlos

Arnold Meyer, der sich seinen Titel «Technopapst» auch als Veranstalter der Energy und der Electric City (zuvor Moving City) verdient hat, verzichtet wegen konzeptioneller Änderungen an der Street Parade durch das Komitee auf die Durchführung seiner Events: «Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Bühnen entlang der Strecke aufgebaut und diese wurden mit immer bekannteren DJs bestückt», sagt Meyer. Heute könne man am Seebecken zu Sets unzähliger Turntable-Grössen tanzen, und zwar, ohne einen Rappen Eintritt zahlen zu müssen.

Zudem sei früher am Umzug um circa 20 Uhr die Musik abgestellt worden. «Dann konnten wir mit der Energy im Hallenstadion nahtlos übernehmen und Superstars gegen ein Eintrittsgeld bieten, das ausreicht, um einen Event dieser Grössenordnung durchzuführen», sagt Meyer. Das sei heute nicht mehr möglich: «Das Gros der Raverinnen und Raver bleibt heute bis Mitternacht am See und ist, nach einem langen Tag an der Sonne, zu geschafft, um weiterzuziehen.»

Auch die Electric City hat Meyer wegen Veränderungen an der Street Parade über die Planke gehen lassen: Als hinsichtlich der Street Parade 2016 klar geworden sei, dass sich der Sound am Umzug weg vom «Kommerz» hin zu clubtauglichem House und Techno entwickeln werde, sei ihnen bewusst geworden, dass sie mit diesem Anlass künftig auf verlorenem Posten stehen würden: «Die musikalische Ausrichtung der Street Parade war nun dieselbe wie die an der Electric City. Und warum soll jemand bei uns für ein Angebot Eintritt bezahlen, das man vorne am See umsonst kriegt?», sagt Meyer. Auch hier sei die Verlängerung des Geschehens auf den Street-Parade-Bühnen bis Mitternacht erschwerend hinzugekommen.

Schwierigkeiten mit Behörden

Die Gründe für die Aufgabe der Zoom-Veranstalter sind hinlänglich bekannt: Wegen eines über Jahre andauernden Scharmützels mit den Zürcher Behörden wegen der Bewilligungen musste die Goa Trance-Outdoorparty mehrmals umziehen und ist zuletzt in Winterthur gelandet. Dort wurde 2006 und wegen des schlechten Wetters ein enormer Verlust eingefahren, von dem sich die Veranstalter nicht mehr erholten. 2007 fand zwar nochmals eine Zoom statt, aber das wars dann.

Dass die Lethargy, im Gegensatz zu ihren ehemaligen Konkurrenten, weiterhin prosperiert, hat verschiedene Gründe. Zum einen ist sie bezüglich musikalischer Programmierung sehr alternativ: Das Gros der hier Feiernden geht nicht an die Street Parade – sie funktioniert also unabhängig vom Umzug. Zudem braucht man sich auf dem Gelände der Roten Fabrik nicht um eine gewisse Kulanz der Stadtverwaltung zu sorgen.

Das Hive stösst an seine Grenzen

Der Hive-Gründer Nicola Schneider betrachtet das Verschwinden der Giga-Raves mit gemischten Gefühlen: «Seit ein paar Jahren verzeichnen wir nach der Street Parade einen massiv stärkeren Ansturm auf unsere Tür.» Das freue ihn natürlich. Andererseits seien die Kapazitäten nicht unbegrenzt: «Unsere ‹Strassenparade›-Party war schon immer voll. Der grössere Andrang führt nur dazu, dass wir heute viel mehr Leute wegschicken müssen als früher. Ich denke, den anderen Clubs ergeht es nicht anders.»

Schneider wünscht sich den einen oder anderen Gross-Event zurück: Es müsse ja nicht gleich wieder «ein 20'000-Leute-Riese» sein wie die Energy im Hallenstadion, sagt Schneider. «Aber eine Street Parade ohne eine Auswahl an grossen Raves fühlt sich irgendwie seltsam an.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.08.2018, 15:34 Uhr

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