Der Partygenerator

Erfinder Marcel Höhener hat mit Studenten einen schwimmenden Generator entwickelt, der für Partys oder Campingplätze am Fluss mit einem Wasserrad Strom produziert.

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Mit dem Vergleich «Raddampfer – aber umgekehrt» könnte man Marcel Höheners Generatorboot am ehesten umschreiben. Beim Dampfer treibt ein Wasserrad das Boot an, bei Höhener treibt ein Fluss ein Wasserrad auf einem Boot an. Der erste Partygenerator – oder Stromtöff 750W, wie er offiziell heisst – ist zurzeit im ehemaligen Sihlpapier-Fabrikkanal auf der Allmendinsel im Testbetrieb. Der Prototyp ist das Produkt einer Diplomarbeit an der Technikerschule HF Zürich.

Den 34-jährigen dipl. Ing. FH, Erfinder und Tüftler Marcel Höhener aus Zürich nervt es, wenn an Festen oder auf lauschigen Campingplätzen stinkige Benzingeneratoren lärmen, um Kühlschränke, Licht und Musikanlagen mit Strom zu versorgen. «An einer solchen Party hatte ich die Idee, einen lautlosen, ökologischen Generator zu entwickeln, der transportierbar und leicht zu installieren ist. Der Spezialist für Kleinkraftwerke konnte als Dozent an der Technikerschule Studenten für die Umsetzung des Projekts gewinnen, zwei Energietechniker und einen Maschinenbauer.

Das Boot muss leichter werden

Die Vorgaben waren klar: schwimmender Untersatz, Wasserrad, Getriebe, Generator. Die vier gingen von hinten her an die Aufgabe heran. Ein Elektromotor auf dem Labortisch trieb das Wasserrad über eine Kette an. So konnten die Übersetzungsverhältnisse und der Aufbau des Bootes getestet werden. Sie entschieden sich für ein Boot auf zwei Schwimmern. Vorteil: Das Wasser wird zusätzlich beschleunigt. Weil das Budget begrenzt war, mussten sich die Entwickler mit Komponenten aus dem Warenhaus oder dem Veloladen begnügen.

Ein Augenschein im Sihlkanal zeigt: Das Boot schwimmt, das Wasserrad schnurrt, der Strom fliesst. 26 Volt und 8 Ampere zeigen die Instrumente – das sind gut 200 Watt. «Wir sind noch lange nicht am Ende der Fahnenstange», sagt Höhener. Er will mit einem nächsten Studentenprojekt oder im Rahmen einer ETH-Diplomarbeit den Wirkungsgrad von 30 auf über 60 Prozent steigern.

Einfach zu verbessern wäre zum Beispiel der Kettenantrieb, der – im Gegensatz zum Fahrrad – noch ohne Spanner gebaut ist. Deshalb schnappt die Kette immer wieder übers Ritzel.

Projektleiter Christian Zürrer aus Opfikon, gelernter Elektromonteur und seit der gelungenen Diplomarbeit Techniker HF, nennt weitere Beispiele für eine Verbesserung: «Beim nächsten Mal würden wir das Übersetzungsverhältnis zwischen Wasserrad und Getriebe erhöhen, damit wird das Getriebe kleiner und leichter.» Beim Prototyp haben die Entwickler nicht gross aufs Gewicht geachtet: 170 Kilo wiegt das Generatorboot. Das ist zu schwer, um es bequem im Auto zu transportieren und allein einzuwassern. Mit Hohlwellen, Leichtbau und von einem Bootsbauer laminierten Schwimmern könnten gemäss Höhener 50 Kilo abgespeckt werden.

Strom aus Trinkwasserreservoir

«Selber habe ich kaum Geld für eine Weiterentwicklung», sagt Höhener, der ein Start-up-Unternehmen gegründet hat und Kleinstwasserkraftwerke an Flüssen oder in Form von Trinkwasserturbinen baut (//www.hoehenergie.ch). Etwa in Adliswil, wo das Reservoir 200 Meter über den Verbrauchern liegt. Statt den Druck über Ausgleichsbecken zu reduzieren – und damit Energie zu vernichten –, baut Höhener Turbinen in Trinkwasserleitungen ein, die im Falle von Adliswil mit 20 Bar gespeist werden. Das Generatorboot ist marktreif, wenn es leichter und effizienter ist. «Technisch ist das möglich», sagt sein Erfinder.

Ein solcher Flussgenerator könnte einen Zweipersonenhaushalt versorgen oder beispielsweise Richi’s Kiosk in der Allmend Brunau. Weil der Strom regelmässig fliesst, Fritteuse und Kühlschrank aber unterschiedliche Bedürfnisse haben, dient zur Pufferung eine Batterie. Möglich ist auch ein Parallelbetrieb zum Netz: Überschüssige Energie wird ins Netz eingespeist – und der Stromzähler läuft rückwärts.

Als Kostenrahmen für ein Generatorboot schweben Höhener 10 000 Franken vor. Als mögliche Einsatzgebiete sieht er nebst Partys und Campingplätzen auch die Landwirtschaft, Bauprovisorien, Gastrobetriebe und Fischerstuben. Möglich wäre auch ein Vermietungssystem.

Erstellt: 01.11.2013, 11:06 Uhr

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