Der Pauker

Als Schulvorsteher hat Gerold Lauber das Betreuungsangebot massiv ausgebaut und stiess dabei zuweilen an Grenzen. Ansonsten blieb der CVP-Mann auffällig unauffällig.

Nimmt Stellung zu drei Fragen: Der amtierende Stadtrat Gerold Lauber. (Video: Jan Derrer)

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Als «Geri für Züri» zieht er in die Wahlen. Für nicht wenige wird er Gerold Lauber bleiben. Ein Mann, der den Schatten des Scheinwerfers lieber mag. Was nicht heisst, dass er als Schulvorsteher keine Spuren hinterlassen hätte. Seit er 2006 Stadtrat wurde, ist Gerold Lauber daran, die vielleicht grösste Reform der Volksschule umzusetzen. Schulleiter sind akzeptiert, Kleinklassen in Regelklassen integriert, alte Schulhäuser wurden renoviert, neue geplant. Wenn auch, wie in Affoltern, mit Verspätung. Was aber daran lag, dass der Stadtrat 2004 den Bau des Blumenfelds auf die lange Bank schob. Und daran, dass Private schneller Wohnungen bauen, als die Stadt Klassenzimmer planen kann.

Gerold Laubers Departement ist dasjenige, das die vielen Neu-Zürcher direkt zu spüren bekommt. Wer in Zürich keine Wohnung findet, der kommt nicht. Wer aber eine findet, der hat für seine Kinder seit 2005 ein Anrecht auf einen Betreuungsplatz. Entsprechend stieg die Anzahl der betreuten Kinder seit 2007 von 7000 auf 12'000. Dass das kostet, liegt auf der Hand. Dass ein solches Tempo ein System an den Anschlag bringen kann, ebenso. Es forderte von Lauber einen Satz, den man von Politikern selten hört: «Ich habe einen Fehler gemacht», sagte er 2012 vor dem Parlament, als er sich für Hortstellen entschuldigte, die geschaffen wurden, obwohl sie nicht bewilligt waren. Dass er nichts beschönigte, spricht für ihn. Dass er reagierte, ebenso: Das Controlling wurde ausgebaut.

Vom Tisch sind die Probleme im Hort-Bereich deswegen nicht. Zwar stellten Eltern und Kinder dem Angebot ein gutes Zeugnis aus. Beim Personal hingegen rumorte es: Mehr Provisorien, mehr Kinder, weniger Qualität. Dass der Paradigmenwechsel im Jobprofil zu schaffen macht, anerkennt Lauber. Gleichzeitig weiss er, dass Reformen ihre Zeit brauchen. «Sie werden eine Herausforderung bleiben», sagt er – ganz Manager.

Der gelobte Seriöse

Wäre es schön, man würde durch die Fenster von Gerold Laubers Büro Berge sehen. Er sitzt da, bereit, sich jeden offenen Punkt zu notieren. Unklarheiten mag er nicht. Lese er ein Paper, finde er sofort die Schwachstelle darin, heisst es im Amt über ihn, dessen analytische Fähigkeiten sich auf der konzentrierten Stirne zu zeigen scheinen.

Ein Visionär sei er nicht, sagen einigen Politiker, und: Die Tagesschulen habe er verschlafen. Andern wiederum geht es zu wenig schnell, was er tut. Was er aber tue, das erledige er seriös. Denn im selben Atemzug, wie die meisten Kritiker ihn kritisieren, loben sie auch: Die gute Zusammenarbeit, wie engagiert und sattelfest er sei. Dass er als CVP-Vertreter offen für andere Lebensformen sei, und dass er eine gute Hand habe bei der Besetzung seiner Expertenstellen.

Wer ihn lobt, redet von Geri Lauber. Dem Mann mit dem trockenen Humor, welchen der Stadtrat Lauber kurz von der Leine lässt, als das Gespräch auf das Thema Finanzminister kommt. Bereits bevor Martin Vollenwyder zurückgetreten war, gab es Gerüchte, Lauber wolle wechseln. Nein, er höre sowieso auf.

Er habe es sich überlegt, sich aber entschlossen in seinem «Wunschdepartement» zu bleiben, sagt Lauber, und zu den Rücktrittsgerüchten fragt er, ob die von seiner Frau kämen. Andere inszenieren solche Bonmots mit einer Pause, um sie dann laut in die Welt zu trompeten. Lauber spricht in gleicher Tonlage weiter und darf sich so nicht wundern, wenn Sätze im «Schawinski»-Talk dann ernst genommen werden. «Ich bin ein Langweiler» hatte er dort gesagt. Angesichts solcher Aussagen stellt sich die Frage: Hätte Zürich ein Stadion, würde Lauber anders auftreten?

0:1 beim Hardturm

Das Stadion-Nein ist die grösste Niederlage von Sportminister Lauber. Einige Hundert Stimmen mehr, und es hätte gereicht. Sie fehlten. Weil seine flammende Rede fehlte (und die der anderen Stadträte)? Es habe auch andersrum nicht funktioniert, kontert Lauber und spielt auf den offensiveren Ledergerber an, der mit dem Fünfeck scheiterte. Alle Faktoren zusammen hätten wohl zum Nein geführt, sagt Lauber. Und damit wohl auch, dass die Stadt den Fans für viele zu sehr entgegengekommen sei. Es sei, wie es sei, schliesst der Pragmatiker. Man müsse in die Zukunft schauen.

Doch vor der Zukunft kommt der Wahlkampf. Einer, in dem Lauber zwar als linker Flügel auf bürgerlichen Plakaten posiert, ansonsten aber auffällig unauffällig bleibt. Während seine Kollegen jede Gelegenheit nutzen, um Positives zu präsentieren, bleibt er still. Weil es nichts zu sagen gebe und er seine Arbeit nicht von den Wahlen steuern lasse, sagt Gerold Lauber, um als Geri Lauber anzufügen: Er mache weder Hand- noch Kopfstand. Mit dieser Art ist der Mann, der lieber unterschätzt wird, bisher gut gefahren – auch wenn er so etwas wie der ewige Wackelkandidat bleibt.

Erstellt: 03.01.2014, 10:32 Uhr

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Gerold Lauber gilt nicht als Visionär, aber als ein guter Analytiker. (Bild: Sabina Bobst/Reto Oeschger)

Von Täsch nach Schwamendingen

Schwimmen gelernt habe er erst als Zürcher Stadtrat, sagte Gerold Lauber im letzten Jahr. Er meinte es wörtlich, weil es in Täsch bei Zermatt die Möglichkeit dazu nicht gab. Im Oberwallis ist er aufgewachsen, bevor es ihn in die «Üsserschwiiz» zog – nach Bern, wo er Jus studierte und mit dem Lizenziat abschloss. Seit 30 Jahren lebt der heute 57-jährige Gerold Lauber in Zürich-Schwamendingen. In einer Stadt, die er anfangs als «Moloch» empfunden hatte, die aber längst zu seiner Heimat geworden ist. Zusammen mit seiner Frau hat er vier erwachsene Kinder. Vor seiner Wahl in die Exekutive arbeitete Lauber als Jurist in internationalen Konzernen. Daneben war er viele Jahre Schulpfleger. Von 2000 an sass er für die CVP im Zürcher Gemeinderat, ab 2002 als Präsident der EVP/CVP-Fraktion, bis er 2006 als Nachfolger von Monika Weber in den Stadtrat gewählt wurde. Seither steht er auch dem Schul- und Sportdepartement vor – seinem «Wunschdepartement». (reu)

«Habe gerne eine gewisse Reserve»

Herr Lauber, wie reagieren Sie, wenn Sie jemand anschaut?
Heute beim Joggen über Mittag etwa, da grüsste mich einer mit Kappe und Ostschweizer-Dialekt. «Grüazi, Herr...» Ich grüsse zurück, mir gefällt das.

Bei welcher Gelegenheit würden Sie am liebsten aus Ihrer Rolle als Stadtrat ausbrechen?
Eigentlich breche ich recht häufig aus dieser aus. Bin ich im Büro, braucht man keine Anmeldung. Ich spiele mit den Jüngeren Unihockey. Und treffe ich jemanden, der mich nicht kennt, sage ich gerne, ich arbeite bei der Stadt. Ich habe da gerne eine gewisse Reserve.

Wann nehmen Sie Ihre Rolle voll an?
Vertrete ich als Vizepräsident die Stadtpräsidentin, versuche ich schon, die Etikette zu wahren.


Walliser mögen Wein, heisst es.Wie sind Sie, wenn Sie ein Glas zu viel getrunken haben?
Als Stadtrat muss man da schon schauen, weil es beinahe jeden Tag die Gelegenheit zu einem Gläschen gäbe. Meine Mittelschulzeit war diesbezüglich intensiv. Wie ich da war? Wie soll ich sagen, «echli luschtig» schon.

Sie haben vier Kinder. Waren Privatschulen je ein Thema?
Nein, das waren sie nicht und wären es heute in meiner Stellung sowieso nicht. Wir haben uns manchmal gefragt, ob wir nicht fast zu wenig gemacht hätten bei unseren Kindern. Wir haben schon geschaut wegen der Aufgaben und so. Aber Druck gemacht haben wir nie. Ich sagte immer, nicht zu «gäch». Etwas, das mir meine Tochter heute sagt: Ich solle es nicht zu «gäch» nehmen bei der Arbeit.

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