Der Platz ist eröffnet, doch die Fontäne hat Schluckauf

Nun reicht die Zeit für einen Kaffee: Die frühere Tiefbauvorsteherin Ruth Genner auf dem Sechseläutenplatz. Foto: Dominique Meienberg

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Zürich – Oh ja, es gibt derzeit eine Menge zu feiern in der Stadt Zürich. Am späten Samstagabend war es der Meistertitel der ZSC Lions, am späten Ostermontagnachmittag stand der Cupsieg des FC Zürich fest – und gestern, nicht ganz so spät (es gab diesmal übrigens auch keine ­Verlängerung), folgte die offizielle Er­öffnung des neuen Sechseläutenplatzes.

Ab 18 Uhr trafen die ersten bekannten Gesichter aus Kultur, Politik und Wirtschaft am Bellevue ein. Die meisten hatten sich richtig fein gemacht. Was einen jungen Mann etwas zu irritieren schien, denn er sagte: «Was soll der ganze Pomp? Es geht doch bloss um einen Platz!» Nun, wie Stadtpräsidentin Corine Mauch in ihrer Rede treffend herausstrich, ist ein bedeutender Platz halt meist mehr als die Summe seiner Bausubstanz: «Plätze prägen das Bild einer Stadt. Sie sind Orte von grossen Inszenierungen, von poli­tischen Umbrüchen. Und auch der ­Sechseläutenplatz hat viele Gesichter.»

Damit sprach Mauch nicht nur das Zunftwesen und den Circus Knie an, die hier gastieren, sondern erinnerte auch an die Anbauschlacht im Zweiten Weltkrieg, bei der auf dem Sechseläutenplatz Kartoffeln angepflanzt wurden. Des Weiteren würdigte Mauch ihre zurückgetretene Stadtratkollegin Ruth Genner, die treibende Kraft hinter der Neugestaltung, indem sie sagte: «Du hättest uns kein schöneres Abschiedsgeschenk machen können, Ruth. Danke!»

Dann, um Viertel vor sieben, war der grosse Augenblick gekommen: die Inbetriebnahme des Wasserspiels, dem vermeintlichen Star des Abends. Doch das Highlight wurde zur Enttäuschung: Die Fontäne schien eine Art Schluckauf zu haben; statt den Wasserstrahl fünf Meter in die Höhe zu jagen, spie das Nass kraft- und saftlos vor sich hin. Erschaudernd unpassend wurde dazu auch noch der potente Rocksong «I Was Made for Loving You» von Kiss eingespielt, Wasser und Musik fanden nie zusammen.

Der Techno-Papst beim Böögg

Um andere Stars ging es etwas abseits des Wassers. Da stand nämlich SVP-Gemeinderat Mauro Tuena und diskutierte über seine Lieblingsvereine, den ZSC und den FCZ. Auf die Frage, was ihm mehr bedeute, diese Einweihung oder die Sporttriumphe, sagte er: «Blöde Frage.» Auf die Nachfrage, ob er lieber Basel oder GC als Schweizer Meister sehen würde, meinte er lachend: «Wenn ich nur die zwei zur Auswahl habe, eindeutig GC.» Und ganz der Politiker, fügte er noch verstohlen und leise hinzu: «GC-Fans sind schliesslich auch Wähler.»

Was sonst noch passierte? Eher Vergnügliches als Wichtiges. Zum Beispiel dies: In der Schlange, in der jene Menschen standen, die zum Böögg-Double hinauf wollten, um sich mit dem Schneemann in einem Selfie zu verewigen, entdeckte man Persönlichkeiten, die man da nicht unbedingt erwartet hätte; unter anderem den Techno-Papst Arnold Meyer.

Oder dies: Kaum hatte Frau Mauch die Rede beendet, tippte eine sympathische ältere Dame dem Schreibenden auf den Rücken: «Sie, ich kenne Sie. Sind Sie Res Strehle, der Chef vom Tagi?» Als der Schreibende sagte, das sei viel der Ehre, treffe aber nicht zu, schaute sie nochmals ganz genau hin und meinte: «Ah, jetzt sehe ich es: Strehle ist ein wenig älter und hat mehr graue Haare.» So viel zum offiziellen Teil, jetzt kann das fünftägige Volksfest beginnen. (Thomas Wyss)

Erstellt: 22.04.2014, 23:29 Uhr

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